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Full text: 13, 1890

No. 4. 
Wetterlexikon, 
ein Register zu den europäischen Wetterkarten von 1876—1885, 
von Ivapt. Carl II. Seemann, 
Assistent bei der Deutschen Seewarte. 
Vorbemerkungen. 
Um aus einem europäischen Wetterbilde das kommende Wetter annähernd vorausbestimmen zu 
können, ist nichts geeigneter, als der Anhalt, den ein früherer, ähnlicher Zustand im Luftmeere über Europa 
uns bietet. Es ist daher wünschenswert!), einen solchen ähnlichen Zustand aus der verflossenen Zeit, soweit 
die Wetterkarten zurückreichen, in leichter und übersichtlicher Art, wie aus einem Lexikon, entnehmen 
zu können. 
Durch jahrelang fortgesetzte Studien unserer europäischen Wetterkarten gelangte ich zu der Ueber- 
zeugung, dass die theoretischen Erwägungen allein zur Vorausbestimmung des Wetters nicht immer aus 
reichend sind, um mit Sicherheit daraufhin Wetterprognosen aufstellen zu können; denn die mitwirkenden 
Faktoren für das kommende Wetter sind oft so mannigfacher Natur, dass die wenigen Gesetze, die wir bis 
jetzt in der Meteorologie besitzen, z. B. das Buys-Ballot’sche Gesetz, die Beziehung der Zugrichtung 
der Depressionen zur Luftdruck- und Temperaturvertheilung oder die Abhängigkeit der unteren Luitströme 
von den oberen, nicht genügen, genau zu sagen, wie dieser oder jener Wetterzustand verlaufen wird. Wir 
bedürfen, um auf diesem Gebiete weiter zu kommen, eines Mittels, um diese theoretischen Erwägungen zu 
ergänzen. Die umfangreichen Untersuchungen von Herrn Prof. Dr. van Bebber, in denen die Minima ihrer 
Lage und Bewegung nach zusammengestellt sind, um dann bei analogen Fällen der Jahreszeit entsprechend 
auf ähnliche Zugstrassen schliessen zu können, sind gewiss ein bedeutender Schritt in dieser Richtung, 
aber die Untersuchungen erstrecken sich nur über typische wandernde Depressionen — etwa den vierten 
Theil aller Tage umfassend; — alle andern Wetterbilder haben keine Berücksichtigung finden können. 
Die Aufgabe, die ich mir mit der vorliegenden Arbeit gestellt habe, ist nun: alle Wetterbilder, ohne 
Ausnahme, in einfacher Art zu fixiren, um so auf frühere ähnliche Fälle mit Leichtigkeit zurückgreifen zu 
können. Um dom gegenwärtigen Standpunkt in der Meteorologie, bezw. der Abhängigkeit von Wind und 
Wetter von den Luftdruckunterschieden, Rechnung zu tragen, oder mit andern Worten: um ein ungefähres 
Luitdruckbild zu erhalten, wurden für jeden Tag die Druckdifferenzen in drei Richtungen bestimmt: die erste 
von Hamburg nach NW (Stornoway), die zweite von Hamburg nach SW (Biarritz) und die dritte von Ham 
burg nach NE (Helsingfors) und zwar für die ersten beiden in Grössenstufen von je 5 mm und für die 
dritte Differenz nur 3 Grössenstufen: grösser als—5 mm, kleiner als ±5 mm und grösser als +5 mm. 
Die Eintragungen sind nun in folgender Art vorgenommen worden: Auf Seite 5 bis Seite 22 sind alle 
Fälle zusammengestellt, in denen der Luftdruck im NW niedriger ist, als in Hamburg (Differenz Stornoway— 
Hamburg negativ) und zwar für Luftdruckunterscbiede von 5 zu 5 mm. Für jede dieser Grössenstufen, die 
mit den höchsten negativen Differenzen beginnen, sind dann Tabellen für den Luftdruckunterschied nach 
SW hin angelegt und zwar auch für Unterschiede von je 5 mm. Diese beginnen dann ebenfalls mit den 
höchsten negativen Differenzen (Biarritz—Hamburg negativ) und schreiten bis zu den höchsten positiven 
(Biarritz—Hamburg positiv) fort.
	        
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