H. von Hasenkamp: Untersuchungen über die Methode der Anemometerprüfung etc.
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Neigungswinkel gefundenen Zahlen, so sieht man auch hier nur verliältnissmässig geringe Aenderungen,
mit alleiniger Ausnahme der der horizontalen Lage sehr genäherten Stellungen, was sich übrigens von
vornherein erwarten liess.
Die Ergebnisse dieses Theils der Untersuchungen lassen sich in folgende Sätze zusammenfassen:
1) Die Konstanten der Interpolationsformeln haben wegen der Unsicherheit ihrer Bestimmung keinen
theoretischen Werth; aus Bestimmungen derselben für verschiedene Radien lassen sich die Werthe der
Konstanten für die geradlinige Bewegung auch bei Vertikalstellung des Anemometers nicht ableiten.
2) Versuche, die Grösse des Radius nach der Thiesen’chen Theorie aus den Beobachtungs-Resultaten
zu berechnen, ergeben Differenzen zwischen Theorie und Beobachtung, die wegen ihrer bedeutenden
Grösse nur durch systematische Fehler der Theorie erklärt werden können.
3) Die mit Verkürzung des Radius wachsende Zentrifugalkraft hat wenigstens innerhalb der Grenzen
der vorliegenden Versuche nur einen verhältnissmässig geringen Einfluss auf die Axenreibung; ein Radius
von 3—4 m scheint in dieser Hinsicht vollkommen zu genügen.
4) Bei Beobachtungen mit geneigter Anemometeraxe lassen sich die Resultate, wie in der vertikalen
Stellung, durch eine zweikonstantige Interpolationsformel wiedergeben; den in derselben vorkommenden
Konstanten kann eine physikalische Bedeutung jedoch nicht beigelegt werden.
5) Das geneigte Anemometer giebt für eine gleiche Anzahl von Kontakten Geschwindigkeiten an, die
von den bei der Vertikalstellung registrirten im Allgemeinen solche Abweichungen zeigen, dass die Prüfung
eines Anemometers in einer andern als der vertikalen Stellung unzulässig erscheint, um so mehr, als für
die Reduktion auf die geradlinige Bahn jeder Anhalt fehlt.
6) Kleinere Abweichungen von der Vertikalstellung, wie z. B. Schwankungen kardanisch aufgehängter
Anemometer auf Schiffen oder Ballons können indessen praktisch vernachlässigt werden.
7) Eine theoretische Diskussion der Beobachtungen mit dem geneigten Anemometer zeigt sich wegen
der Komplikation der Verhältnisse, die auf dasselbe von Einfluss sind, nicht wohl möglich. In dieser Hin
sicht würde vielleicht eine Wiederholung der angestellten Versuche mit Anemometern von anderen Dimen
sionen und anderer Konstruktion nicht ohne Interesse sein; namentlich müsste bei den geneigten Stellungen
der Einfluss der unter dem Schalenkreuz befindlichen Messingbüchse, der nach früheren Erfahrungen nicht
unerheblich sein kann, eliminirt werden. Vor allem aber müsste zuvor das Gesetz der Abhängigkeit des
Winddrucks auf konkave und konvexe Kugelschalen von dem Einfallswinkel bekannt sein. Die von Thiesen
(a. a. 0. pag. 30) mitgetheilte, von Mägis vorgeschlagene Methode dürfte für diesen Zweck besondere
Beachtung verdienen.
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Schliesslich habe ich die angenehme Pflicht zu erfüllen, Herrn Geheimrath Neu may er für die viel
seitige Förderung, die er der vorliegenden Arbeit, besonders durch Beschaffung aller literarischen und
experimentellen Hülfsmittel, zu Theil werden liess, meinen verbindlichsten Dank abzustatten.