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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1890 No.
Ein möglichst leichtes und empfindliches Schalen-Anemometer, etwa wie das von Marvin*) ange
wandte, aus Papierkugeln konstruirt, bei dessen Verifikation die kleinen Geschwindigkeiten besonders be
rücksichtigt worden sind, würde voraussichtlich bessere Resultate geben.
Uebrigens sprechen auch die St. Petersburger Untersuchungen nicht dagegen, dass eine Abnahme des
Verhältnisses — bei hohen Geschwindigkeiten eintritt. Die Bestimmungen von Dohrandt geben allerdings
v
eine so gut wie vollkommene Proportionalität des Mitwindes und der Rotations-Geschwindigkeit; allein da
sie nur Geschwindigkeiten von 3 bis 10 m umfassen, so kann jene Abnahme sich hier so wenig be
merkbar machen, als bei den im Eingang der vorliegenden Arbeit mitgetheilten Versuchen, die nicht über
12 m hinausgingen.
Die Versuche von Stelling, welche ein Intervall von 3 bis 19 m umfassen, geben zwar ebenfalls
eine so gut wie vollkommene Proportionalität, allein man darf sie insofern nicht als ganz einwurfsfrei be
trachten, als bei ihnen das Flügel-Anemometer seitlich von dem rotirenden in gleicher Höhe mit demselben
aufgestellt war, also von der von den Schalen herausgeschleuderten Luft getroffen wurde, wodurch die
Reinheit des Versuches eine Trübung erfahren musste.
Die von Dubinsky erhaltenen Resultate zeigen endlich eine deutliche Abnahme des Prozentverhält
nisses mit wachsender Geschwindigheit; wenigstens spricht sich dies bei den extremsten Werthen der
letzteren aus, wenn sich auch bei den Zwischenwerthen manche Abweichungen zeigen. Es geht dies klar
aus folgender Zusammenstellung hervor, welche für die beiden von ihm untersuchten Anemometer No. 74
und No. 75 die Werthe von --- bei den grössten und kleinsten Geschwindigkeiten lür beide Rotations-
Richtungen giebt:
No. 74. N-O-S-W.
No. 74. N-W-S-O.
V —
77.34 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.068.
v — 71.65 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.071.
V —
22.24 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.079.
v = 42.89 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.077.
No. 75. N-O-S-W.
No. 75. N-W-S-O.
V =
77.60 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.064.
v = 63.60 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.077.
V —
21.24 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.089.
v — 21.95 Kilom. pr. St.
m
V
= 0.079.
Aus den in der Abhandlung von Dubinsky angeführten Untersuchungen derselben Anemometer in
Hamburg würde man allerdings auf das entgegengesetzte Verhalten schliessen müssen; allein dieselben
sind zu einer Zeit augestellt worden, in der nach mündlicher Mittheilung des Herrn Dr. Duderstadt,
der diese Prüfungen ausgeführt hat, die Mitwind-Anemometer, namentlich die Arretirvorrichtung, sehr
mangelhaft funktionirten, so dass die relativ höheren Werthe des Mitwindes bei grossen Geschwindigkeiten
sich sehr wohl durch eine unvollkommene Arretirung der Anemometer erklären lassen.
Weniger begründet als die bisher erörterten Einwände Marvin’s scheint sein Versuch aus Dubinsky’s
eigenen Beobachtungen nachzuweisen, dass der Werth von ~ nicht, wie Dubinsky fand, 0.07, sondern
kleiner als 0.05 sein müsse. Der letztere glaubt durch einen Versuch, der mit einer kleinen Modifikation
schon von Dohrandt angestellt war, uachweisen zu können, dass der mit dem über dem rotirenden
tangential zur Bahn aufgestellten Mitwiud-Anemometer bestimmte Werth in der That die wahre Grösse des
Mitwindes giebt. Dohrandt hatte auf den einen der beiden gleich langen Arme des St. Petersburger
Apparates ein Flügel-Anemometer gesetzt und bestimmte mit einem seitlich aufgestellten anderen Flügel-
Anemometer den vom ersten erzeugten Mitwind. Darauf setzte er auf den zweiten Arm ein Robinson’sches
Anemometer und bestimmte den Zuwachs des Mitwindes einmal mit dem feststehenden Flügel-Anemometer,
s ) C. F. Marvin, Measurement of wind velocity. American Meteorological Journal. Yol. V. 1889, p. 556.