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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1888 No. 2 —
wenn die genannten Differenzen durch die Anzahl der störungsfreien Stunden dividirt werden. Um diese Beträge
wird der Stand der Magnet-Nadel für die bezüglichen Stunden beim Fortlassen der Störungen kleiner
werden; dieselben nehmen bis 9 oder 10 Uhr vormittags ab, dann bis 3 oder 4 Uhr nachmittags zu und
demnächst wieder ah. Verfolgt man für jede Stunde im Jahres-Mittel sowohl die Anzahl der entgegen
gesetzten Störungen als auch die Differenzen, so kommt man zu der Vermuthung, dass etwa um 9 oder
10 Uhr nachts die östlichen Abweichungen überwiegen und dann den westlichen des Tages das Gleich
gewicht halten werden. Wenn dieses sich auch nicht alle Jahre in derselben, sondern nur in ähnlicher
Weise wiederholen dürfte, so wird jedenfalls eine Missweisung, welche nur aus am Tage angestellten Beob
achtungen ermittelt wurde, zu gross gefunden werden müssen. Wären die Unterschiede für die einzelnen
Stunden auch nur annähernd gleich, so würde sich das Fortlassen der Störungen rechtfertigen lassen; so
indessen werden dadurch die Beobachtungen der mittleren Tages-Stunden ganz beträchtlich mehr verkleinert,
als die übrigen. Im Folgenden sind daher die Störungen überall da beibehalten worden, wo nicht aus
drücklich das Gegentheil angegeben ist.
Das Jahres-Mittel der Missweisung für 1885,
vermittelst der Barther Korrektionen bestimmt, ist = 11°29.'48 W,
aus vierzehnstündigem Mittel = 11°29.50 W,
und aus ’/2 (Maximum+Minimum) = 11°29.40 W.
Diese drei Werthe weichen nur wenig von einander ab, während die letzten beiden Missweisungen der
Jahre 1881/84 um etwa 0.2 Minuten differirten und das Mittel aus beiden etwa 0.6 Minuten grösser war,
als die mit den Memeler Korrektionen gefundene Missweisung.*) Während bei der Berechnung der früheren
Beobachtungen (Archiv der Deutschen Seewarte, 1883, No. 3, S. 5) der Schluss gezogen wurde, dass dieses
au den Korrektionen liegen könnte, scheint es viel wahrscheinlicher — wie auch in Folgendem gezeigt
werden soll — dass die bisher mit den Korrektionen berechneten Missweisungen nahe richtig, uud die für
1885 gefundenen sämmtlich um die Summe der obigen Unterschiede, also um 0.6+0.2 = 0.8 Minuten zu
gross sind.
Soweit selbstangestellte Missweisungs-Bestimmungen vorliegen, ergiebt sich aus denselben, dass wenn an
allen 24 Stunden beobachtet wird, sehr nahe dasselbe Monatsmittel gefunden wird, gleichviel, ob alle Beob
achtungen in Rechnung genommen oder die Abweichungen von 4 Minuten und darüber fortgelassen werden.
Es würden demnach diese Störungen im ganzen Monat — mehr noch im ganzen Jahre — sich gleichviel
nach Westen und Osten vom Mittel vertheilen. In Memel wurde auch schon die Wahrnehmung gemacht,
dass in der Nacht die östlichen, am Tage die westlichen Störungen die entgegengesetzten überwogen. Das
selbe lässt sich aus der auf S. 3 gegebenen Zusammenstellung vermuthen. Vergleicht man die 14stündigen
Mittel (7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends) mit den 24stündigen von Mitternacht bis Mitternacht, so wird
ersteres im Mittel 0.81 Minuten grösser als letzteres.
Ferner war die Missweisung aus der halben Summe von Maximum und Minimum im Mittel 0.2 Minuten
kleiner, als das 14stündige, aber 0.6 Minuten grösser als das 24stiindige Mittel. In den Jahren 1881/84
fanden hier, wie oben erwähnt, dieselben Unterschiede zwischen der Missweisung aus dem 14stündigen
Mittel und der aus V2 (Maximum+Minimum) einerseits, und der letzteren und der mit den Memeler Kor
rektionen gefundenen andererseits statt. In diesem Jahre, wo zur Berechnung die aus 14stündigen Beob
achtungen ermittelten Barther Korrektionen angewendet wurden, sind diese Unterschiede verschwunden.
Ausser dem 24stündigen Mittel wurde in Memel zur Bestimmung der Missweisung auch noch die Stunden-
Verbindung V 6 (2.10 u +ll h +5 h +2.6 h ) benutzt und daraus durchschnittlich ein um 0.4 Minuten grösserer
Werth erhalten. Im Vergleich mit dem 14stündigen Mittel war derselbe aber um nahe ebenso viel zu klein.
Aus derselben Verbindung erhält man auch für das Jahr 1885 eine um 0.5, und aus allen verwendbaren
Beobachtungen 1880/84 eine um 0.4 Minuten kleinere Missweisung als aus dem 14ständigen Mittel. Diese
Werthe stimmen so gut mit den in Memel gefundenen überein, dass zwischen dem 14stündigen und 24stündigen
Mittel dort wie hier nahe dasselbe Verhältniss zu bestehen scheint. Da auch der Vergleich des ersteren
Mittels mit der Stunden-Verbindung 8 Uhr morgens, 1 Uhr mittags und 8 Uhr abends an beiden Orten
*) Dieses Verhältniss unter einander wird in diesem Jahre auch nicht geändert, wenn, wie früher, die Störungen fort
gelassen werden. Die betreffenden Werthe sind dann ll°29/23, ll°29/28 und 11°29.'22 W.