Bemerkungen über die Insel Anno Bom, Banana und Mossamedes,
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steht leer, weil der Kongostaat den Kaufleuten sehr hohe Steuern auferlegt,
wodurch ein Theil derselben zur Uebersiedelung mach dem am anderen Ufer des
Kongo gelegenen portugiesischen Orte St. Antonio bewogen worden ist. -
Auf der Weiterreise nach Mossamedes steuerte S. M. Kr. „Habicht“,
nachdem Land :in Sicht gekommen war, auf eine Entfernung von 2—3 Sm.
längs der Küste. Das Kap im Süden der Tuwrtle-Bucht markirte sich sehr
scharf, während sich dagegen das Kap Kuspa erst querab, nachdem der auf der
Karte als Giraul bezeichnete Fluls passirt war, erkennen lief. Die Mündung
des: Giraul, welche durch eine hohe Barre nach See zu geschlossen ist, markirt
sich sehr gut als ein mächtiger, durch die scharf durchbrochenen, zackigen Ufer
begrenzter Einschnitt. In demselben macht sich eine üppige Vegetation bemerkbar,
während das Land ringsumher wüst und öde aussieht und keine Spuren von
Pflanzenwuchs aufzuweisen hat. Der auf dem Kap Giraul stehende Leuchtthurm
besteht aus einem eisernen Gerüst, welches auf einem weil sen Sockel errichtet
ist. Derselbe bildet. mit dem Wärterhaus eine zusammenhängende Masse und
bietet daher, von Weitem gesehen, den Anblick eines Hauses mit hohem
Schornstein.
Auf der Höhe von Giraul- Leuchtthurm kommt das auf dem Kap
Naronha liegende Aussichtshaus in Sicht, Dasselbe ist vollständig verlassen
und dient nicht etwa als Signalstation, wie es im Africa Pilot, Part II 1884,
Seite 152 angegeben ist, Die weitere Einsegelung in den Hafen von Mossamedes
macht keinerlei Schwierigkeiten.
Aus dem Reisebericht des Kapitän J. G. Nichelson,
Führer der deutschen Bark „Theodore‘“‘,
[. Die Reise von Liverpool nach Callao.
Nachdem die deutsche Bark „Theodore“, Kapitän J. G. Nichelson, mit
1050 Tonnen Kohlen beladen und in Allem seefertig gemacht war — wozu auch
die Regulirung der Kompasse gehörte —, verliefs sie am 10. August 1888 das
Dock von Birkenhead, indem sie durch einen Dampfer nach See geschleppt wurde.
Der Wind, welcher anfangs südwestlich gewesen war, holte um 3!/2 Uhr Nach-
mittags auf NW und flaute gegen Abend zur Windstille ab, nachdem uns der
Schleppdampfer und der Lootse um 6 Uhr beim Nordwestfeuerschiff verlassen
und wir Segel gesetzt hatten. Mit veränderlichen, aber vorherrschend südlichen
bis südwestlichen, zuweilen stürmischen Winden mit Regen, meistens aber bei
nebliger Luft, arbeiteten wir uns in vier Tagen nach Tuscar. ;
Mit mäfsigem Ostwinde, der am 15. August einsetzte, segelte „Zheodore“
südwärts, bis der Wind nach Verlauf von drei Tagen flau wurde und durch Süd
auf SW holte; die sich nun bietende Gelegenheit, sehr veränderliche Winde bei
gelegentlichem Regen und Nebel, wurde, so gut ‚es eben ging, ausgenutzt, bis
schliefslich am 23. Windstille eintrat, Am Abend kam jedoch wieder Westwind
durch, welcher gegen den folgenden Mittag, in 40° 50' N-Br und 14° 28‘ W-Lg,
bis nach NW herumgeholt und stürmisch geworden war. Am Nachmittage liefs
die Windstärke schon wieder nach, und in der nächsten Zeit wehte leichter
nordöstlicher bis östlicher Wind, der das Schiff am 29. nach 29° 49 N-Br und
20° 0‘ W-Lg brachte. Hier holte der Wind bei einer flauen Stärke nochmals
zurück auf NW, um dann am 1. September auf 23° 32‘ N-Br und 22° 13' W-Lg
durch Nord in den Passat überzugehen. Wie bis hierher der Wind fast immer,
so war auch der Passat meistens flau, Stärke 3—4, ganz vereinzelt bis 5 auf-
frischend. Auch war derselbe von keiner langen Dauer, indem er schon am
7, September auf 14° N-Br in 26° W-Lg: sein Ende erreichte. Nachdem das num
eintretende regnerische, gewitterhafte Wetter vorbei war, holte der Wind südlich,
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