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Volltext : 11, 1888

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  1S88  No.  6

des  Regenwetters  als  für  Erhaltung  trockener  Zeit;  ein  Verhältniss,  das  sich  im  Ostseegebiete  umkehrt;  im
Binnenlande  verschwindet  dieser  Unterschied  ganz.  In  der  jährlichen  Periode  verhalten  sich  beide  Indices
ziemlich  gleich.  Sie  erreichen  an  den  Küsten  ihren  grössten  Werth  im  Frühling  oder  Winter  und  ihren
kleinsten  im  Herbst.  Mit  dem  Fortschreiten  landeinwärts  verschiebt  sich  zunächst  das  Minimum  auf  den
Sommer  und  daun  auch  das  Maximum  auf  den  Winter  oder  Herbst.
3.  Die  Wahrscheinlichkeit  des  Wetterwechsels  in  ihrer  Abhängigkeit  von  der  Länge  der  voraufgegangenen  Periode.
In  Tab.  30  und  31  sind  die  Wahrscheinlichkeiten  für  die  Witterungswechsel  nach  Ablauf  von  Perioden
von  1,  2,  ...  10  Tagen  gleichen  Charakters,  wie  sie  für  das  Jahr  gelten,  aufgeführt.  Sie  bestätigen  das
bekannte  Resultat,  dass  die  Wahrscheinlichkeit  des  Wetterwechsels  mit  wachsender  Länge  der  voraufgehenden ­
  Periode  abnimmt,  wenn  auch  diese  Abnahme  nach  den  bisherigen  Beobachtungen  noch  mancherlei
Unterbrechungen  erfährt,  und  ziemlich  unregelmässig  erfolgt.  Trotz  dieser  Erfahrung  aber  bleibt  die  Hoffnung, ­
  es  müsse  endlich  aufhören  zu  regnen,  oder  es  könne  die  Dürre  nicht  immer  anhalten,  voll  berechtigt,
freilich  nicht,  weil  es  schon  so  lange  regnete,  oder  trocken  war,  sondern  weil  die  Wahrscheinlichkeit  des
Eintritts  einer  Periode  von  gleich  beschaffenen  Tagen  mit  der  Länge  derselben,  wie  wir  oben  (Tab.  23,  24)
sahen,  sehr  rasch  abnimmt.  —  Die  in  Tab.  31  durch  fetten  Druck  hervorgehobenen  Werthe  sind  die,  welche
grösser  sind  als  die  entsprechenden  der  Wahrscheinlichkeit  des  Uebergangs  vom  Regen  zur  Trockenheit.
Es  wird  dadurch  ein  Unterschied  zwischen  dem  Nordseegebiete  und  dem  übrigen  Deutschland  augenfällig,
der,  trotz  der  Ausnahme,  welche  Keitum  macht,  wohl  als  ein  Unterschied  unseres  maritimen  und  kontinentalen ­
  Klimas  angesehen  werden  darf:  Bei  gleicher  Länge  der  voraufgegangenen  Periode  ist  bei  maritimem
Klima  der  Uebergang  von  Trockenheit  zu  Regen  wahrscheinlicher  als  der  entgegengesetzte  Wechsel,  bei
kontinentalem  Klima  hat  das  Umgekehrte  statt.  Dieses  Resultat  steht  in  direktem  Zusammenhang  mit  der
Stabilität  des  Klimas;  denn,  wie  oben  gezeigt  wurde,  sind  von  gleich  langen  Perioden  mit  und  ohne  Niederschlag ­
  an  den  Küsten  die  Perioden  mit  Niederschlag  die  häufigeren,  im  Binnenlande  dagegen  die  regenfreien.
Eine  ausführliche  Mittheilung  der  Tabellen,  welche  die  Wahrscheinlichkeit  des  Wetterwechsels  für
kürzere  Zeitepochen  als  das  Jahr  darstellen,  erscheint  zur  Zeit  noch  verfrüht,  da  die  Häufigkeitszahlen  und
damit  auch  die  Walirscheinlichkeitswerthe  für  den  Wechsel  noch  zu  grosse  Unregelmässigkeiten  aufweisen.
Ich  beschränke  mich  daher  auch  hier  auf  die  Wiedergabe  dieser  Tabellen  allein  für  Borkum  und  Breslau
(Tab.  32  und  33),  dieselben  zeigen,  wie  im  Binnenlande  zu  allen  Zeiten  des  Jahres  ein  Uebergang  von  Regen
zu  Trockenheit  wahrscheinlicher  ist,  als  der  Wechsel  von  Trockenheit  zu  Regen.  Man  sieht  ferner,  dass
au  den  Küsten  im  Herbst  immer,  wie  lang  auch  die  voraufgegangenen  Perioden  sein  mögen,  die  Aenderung
trockenen  Wetters  eher  zu  erwarten  ist,  als  die  des  Regenwetters,  ebenso  im  Winter  und  Sommer,  wenn  die
voraufgegangene  Periode  nur  kurz  war.  Ich  bemerke  dazu,  dass  Keitum,  welches  sich  in  seinen  Regenverhältnissen ­
  mehrfach  den  Formen  des  Binnenlandes  nähert,  im  Herbst  und  Winter  den  Charakter  der
Küstenstationen  trägt,  sich  aber  im  Frühling  und  Sommer  den  kontinentaler  gelegenen  Stationen  anschliesst.
4.  Zusammenfassung  der  Resultate.
1.  Die  Wahrscheinlichkeit  des  Eintritts  der  Perioden  gleich  beschaffener  Tage  nimmt  mit  der  Länge
der  Perioden  rasch  ab.  Einzelne  trockene  Tage  sind  bei  uns  relativ  häufiger  als  einzelne  Regentage,  dagegen
sind  Perioden  von  2—4  Tagen  mit  Regen  mit  grösserer  Wahrscheinlichkeit  zu  erwarten  als  gleich  lange
ohne  Niederschlag.  Regenzeiten  von  5  und  mehr  Tagen  finden  sich  an  den  Küsten  häufiger  als  im
Binnenlande,  dagegen  sind  hier  längere  Dürreperioden  häufiger  als  dort.  —  Regenperioden  von  20  und
mehr  Tagen  sind  1876—85  nur  im  westlichen  Deutschland  vorgekommen,  gleich  lange  Perioden  ohne  Regen
gehörten  im  ganzen  Gebiete  zu  den  grössten  Seltenheiten.  Durcbgehends  sind  längere  Perioden  mit  Niederschlag ­
  im  Herbst  und  Winter  am  häufigsten  und  im  April  und  Mai  am  seltensten,  längere  Dürrezeiten
treten  am  häufigsten  in  der  ersten  Hälfte  des  Jahres  auf,  sie  sind  am  wenigsten  häufig  im  Oktober,
November  und  Dezember.
2.  Die  Veränderlichkeit  in  der  Zeitfolge  nimmt  bei  herrschendem  Regenwetter  vom  Ozean  nach  dem
Binnenlande  hin  zu,  bei  trockenem  Wetter  in  derselben  Richtung  ab.  An  den  Westküsten  ist  die  Veränderlichkeit ­
  bei  trockenem  Wetter  grösser  als  bei  Regen,  im  übrigen,  kontinentalen  Gebiete  findet  das
Umgekehrte  statt.
            
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