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Volltext : 11, 1888

Dr.  Vettin:  Volumina  der  Luftströmungen  etc.

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Die  Sommer-Maxima  kann  man  dadurch  nachahmen,  dass  man  oben  die  Deckplatte  an  einer  Stelle
erkaltet.  Alsdann  bildet  sich  ebenfalls  eine  Zirkulation,  aber  von  oben  beginnend.  Die  Luft  fällt  gleich
anfangs  von  ganz  oben  herab,  üm  den  herabsinkenden  Strom  finden  wir  im  unteren  Theil  zentrifugale
Ausströmung,  Aufsteigen,  und  im  oberen  Theil  zentripetale  Zuströmung  der  Luft.
Merkwürdig  ist  der  Umstand,  dass  beim  Minimum  sowohl  im  Sommer-  wie  im  Winterhalbjahr  die
Einströmung  auf  der  Erdoberfläche  (in  der  Windregion)  am  grössten  ist  (bei  b  Fig.  43),  grösser  als  in  der
Region  des  unteren  Gewölks,  während  umgekehrt  beim  Maximum  das  ganze  Jahr  hindurch  die  Ausströmung
in  der  Höhe  des  unteren  Gewölks  (bei  a  Fig.  44)  grösser  ist  als  auf  der  Erdoberfläche  (in  der  Windregion).
Dieser  Vorgang  erinnert  an  gewisse  Erscheinungen,  die  man  wahrnimmt,  wenn  man  experimentell  ein
Maximum  und  Minimum  nebeneinander  zu  Stande  kommen  lässt.
Die  Figur  46  stellt  den  Durchschnitt  eines  Glaskastens,  der  übrigens  oben  offen  sein  kann,  dar.  Das
eine  Ende  desselben  (k)  ist  durch  Eis  gekühlt.  Es  entsteht  also  eine  Luftzirkulation,  deren  bei  k  absteigender
Theil  das  Maximum,  deren  am  wärmeren  Ende  (iv)  aufsteigender  Theil  das  Minimum  darstellt.  Betrachtet
man  den  unteren  Lauf  der  durch  Tabakrauch  sichtbar  gemachten  zirkulirenden  Luft  genauer,  so  sieht  man
sofort,  als  eine  der  auffallendsten  Erscheinungen,  dass  die  im  Maximum  bei  k  herabgesunkene  Luft  bei/
vom  Boden  abprallt,*)  eine  Strecke  in  die  Höhe  steigt  (nach  g)  und  dann  schräg  abwärts  zu  dem  wärmeren
Ende  des  Kastens  (w)  fliesst,  um  daselbst  (im  Minimum)  dicht  über  dem  Boden  aufzusteigen.  Unterhalb
der  Stelle  g,  wo  sich  die  Luft  durch  das  Abprallen  vom  Boden  am  weitesten  von  demselben  entfernt  hat,
ist  die  Luft  am  Boden  fast  in  Ruhe.  Wir  haben  hier  den  Vorgang,  wie  er  sich  aus  den  Wolken-Beobachtungen ­
  ergiebt,  im  Kleinen  sichtbar  vor  uns.  Es  geht  aus  dem  Maximum  die  Luft  in  einer  gewissen
Höhe  (von  g)  heraus  zum  Minimum,  dagegen  zieht  sie  (bei  w)  dicht  über  dem  Boden  hinein  in  die  Bezirke
der  Minima,  wo  sie  aufsteigt,  und  der  Grund  der  Erscheinung  ist  hiernach  auf  die  Elastizität  der  Luft
zurückzuiühren.
Indem  die  Luft,  vom  Boden  abprallend,  in  die  Höhe  steigt,  muss  in  der  günstigen  Jahreszeit  (im
Sommer)  Wolkenausscheidung  erfolgen.  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  diese  Niederschläge  und  die  dabei
stattfindende  Wärmeentwickelung  in  niedrigeren  Höhen  erfolgen,  als  beim  Minimum,  wo  der  aufsteigende
Luftstrom  viel  kräftiger  vor  sich  geht.  Es  würde  sich  dadurch  erklären,  warum  beim  Minimum  die  durch
die  Wärme  bedingte  Einströmung  (bei  i  Fig.  43)  eine  Stufe  höher  (in  der  Region  der  Wölkchen)  befindlich
ist,  als  beim  Maximum,  wo  sie  sich  in  der  Höhe  der  Wolken  (bei  g  Fig.  44)  vorfindet.
Setzt  man  die  Kurven  des  Minimums  und  Maximums  (siehe  Fig.  47  und  48)  so  nebeneinander,  dass  sich,
wie  dies  in  der  Natur  der  Fall  ist,  die  Ausströmungen  (in  den  Figuren  durch  schraffirte  Felder  gekennzeichnet) ­
  einander  zugewandt  sind,  so  bemerkt  man,  dass  da,  wo  die  eine  Kurve  Hervorragungen,  die  andere
Einbuchtungen  zeigt  und  umgekehrt.
Im  Sommer,  wo  in  der  Region  der  Wölkchen  die  Temperatur  durch  die  unterhalb  ausgeschiedenen
Wolken  sich  erhöht  und  deshalb  ein  Einströmen  verursacht  (bei  i  Fig.  47),  liegt  gegenüber  im  Maximum
eine  nach  aussen  zu  konvexe  Ausbuchtung  bei  7i,  welche  also  bedeutet,  dass  die  gegen  das  Minimum  bei  i
andringende  Luft  aus  dem  Maximum  bei  h  herstammt.
So  entsprechen  den  Ausbuchtungen  bei  f  und  c  im  Minimum  die  Einbuchtungen  der  Maximum-Kurve
bei  g  und  d,  der  Einbuchtung  b  im  Minimum  die  Ausbuchtung  a  im  Maximum.
Im  Winter,  wo  die  im  Minimum  aufgestiegene  Luft  in  der  Höhe  der  Wölkchen  ausströmt  (bei  c  Fig.  48)
bewegt  sie  sich  zum  Maximum,  welches  gerade  in  dieser  Höhe  die  grösste  Einströmung  (bei  d  Fig.  48)  zeigt
und  sicher  wird  ein  grosser  Theil  der  bei  c  fortgewehten  aufgestiegenen  Luft  von  dem  Maximum  bei  d  aufgesogen, ­
  um  da  wieder  herunterzusinken  und  die  vom  erkalteten  Erdboden  fortfliessende  Luft  zu  ergänzen.
In  allen  Schichten  ergänzen  sich  Minima  und  Maxima;  da,  wo  bei  den  einen  Ausströmungen,  finden  bei
den  anderen  Einströmungen  statt  und  umgekehrt,  nur  in  den  unteren  Regionen  zeigt  sich  die  oben  erwähnte
durch  die  Elastizität  der  Luft  bedingte  Abweichung,  dass  nämlich  die  ins  Minimum  ganz  unten  dicht  über
der  Erdoberfläche  (bei  b  Fig.  47  und  48)  einströmende  Luft  zwar  auch  aus  dem  Maximum  herstammt,  aber
hauptsächlich  aus  der  Region  des  unteren  Gewölks  (a  Fig.  47  und  48),  von  der  aus  sie  sich,  schräg  abwärts
ziehend,  ins  Minimum  begiebt.

*)  Dieses  Abprallen  der  Luft  habe  icb  schon  vor  vielen  Jahren  beschrieben.  Siehe  Poggend.  Ann.,  Bd.  100,  Seite  99.
Abbildung  auf  Taf.  II,  Fig.  2.
            
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