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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1888 No. 5 —
ebenfalls stets dem Süden, bei den Maximen dem Norden zugewandt. Im Laufe des Jahres machen die
die Minima und Maxima durchziehenden Bahnen, wie dort, eine Schwenkung hin und her, indem sie im
Sommerhalbjahr südlicher (siehe Figur 1—6, 18 — 18), im Winterhalbjahr nördlicher gerichtet sind (siehe
Figur 7—12, 19—24). Man bemerkt ebenfalls, dass dabei die Richtung der Bahnen, welche in den obern
Regionen relativ südlicher verlaufen, nach unten zu successive nördlicher wird (vergl. Fig. 1 mit 5, 7 mit
11, 18 mit 17, 19 mit 23, 26 mit 29, 31 mit 35). Die Einwirkung dieser westlichen Luftmassen auf die
spezifische Luftbewegung der Minima und Maxima ist besonders in der Höhe sehr auffallend.
Beim Minimum ist naturgemäss in den unteren Regionen die zyklonische Bewegung am kräftigsten,
die Einströmung findet rundum gegen das Zentrum statt. Wendet man dem Winde den Rücken zu, so hat
man, wie bekannt ist, das „Tief“ zur Linken und etwas nach vorn. Man muss aber nicht glauben, dass
nur zentripetale Strömungen Vorkommen, vielmehr findet man auch in allen Oktanten zentrifugal bewegte
Luftmassen, die in den unteren Regionen durchschnittlich überall im Sinne der zyklonischen Einströmungs
richtung abgelenkt werden, wie dies die Fig. 6, 12, 30 erkennen lassen. Wendet man der hier ausströmen
den Luft den Rücken zu, so liegt das Tief zwar auch links, aber nicht nach vorn sondern nach hinten
(siehe Fig. 6, 12, 30).
In diesen tiefen Regionen erkennt man zwar auch den Ein- und Austritt der grossen westlichen
Strömungen, aber nur aus den grössten Werthen, die die eintretenden und ausströmenden Luftmassen zeigen,
nicht aber aus Störungen der Richtung, die hier noch vollständig von der zyklonischen Luftbewegung
beherrscht wird.
Ganz anders in der Höhe; hier erhalten die Massen der westlich andringenden Luft das Uebergewicht
über die zyklonische Bewegung. Dies macht sich in der Weise bemerkbar, dass an der Seite des Minimums,
wo die zyklonische Bewegung den westlichen Strömungen entgegengesetzt ist, dieselbe gestört resp. umge
kehrt wird. Wir finden alsdann auf der Südseite zyklonische, auf der Nordseite westliche, also scheinbar
antizyklonisclie Luftbewegung (siehe Fig. 1, 2, 7, 8, 25, 26.*)
Ebenso herrscht beim Maximum ganz unten durchaus antizyklonisclie Bewegung vor. Wendet man
dem Winde den Rücken zu, so hat man, wie bekannt ist, das Hoch zur rechten und etwas nach hinten.
Auch beim Maximum kommen rundum zentripetale Strömungen vor; dieselben werden unter dem Ein
flüsse der antizyklonalen Bewegung ringsherum im Sinne der letzteren abgelenkt, Mau hat, den Wind im
Rücken, bei ihnen das Hoch auch zur Rechten, aber etwas nach vorn (siehe Fig. 18, 17, 24, 23, 36.)
Auch hier beim Maximum erkennt man in den tiefem Regionen den Ein- und Austritt der grossen
durchziehenden westlichen Strömungen, wie beim Minimum, nur aus den grössten Werthen der ein- und
austretenden Luftmassen, nicht aus Störungen der Richtung, die von der antizyklonischen Bewegung beherrscht
wird. Aber höher hinauf wird diese letztere da, wo sie den stärkeren westlichen Strömungen höherer Ordnung
entgegengesetzt ist, nach Westen zu abgelenkt resp. ganz umgekehrt. Wir haben alsdann auf der Nordseite
rein antizyklonale, auf der Südseite westliche, also scheinbar zyklonale Luftbewegung (siehe Fig. 13, 14,
19, 20, 31, 32).
Hierdurch erklärt sich, dass in den hohen Regionen des Cirrus Minima und Maxima in Bezug auf die
Richtung der Luftbewegung sich fast gar nicht von einander unterscheiden, indem die Richtungen der Ein-
und Ausströmung besonders in den nördlichen und südlichen Oktanten beim Minimum dieselben sind wie
beim Maximum (vergl. Fig. 1 mit 13, 7 mit 19, 25 mit 31).
Da die Stärke der westlichen Strömungen nach oben hin zunimmt, so finden wir dem entsprechend,
dass die Zahl der Oktanten, in denen eine Störung der normalen Luftbewegung stattfindet, beim Minimum
und Maximum von unten nach oben zunimmt. Sie beträgt im Jahresmittel beim Minimum und Maximum
zusammen in der Höhe
des oberen Cirrus
5
des unteren Cirrus
der Wölkchen
3
der Wolken
2
des unteren Gewölks
2
der Winde
0
Auch in den Jahreshälften zeigt sich die Zunahme der Störung nach oben hin.
*) Bei allen Figuren 1—36 sind die Oktanten, in denen die normale zyklonische resp. antizyklonisclie Luftbewegung
gestört ist, äusserlich dadurch erkennbar, dass die punktirten der normalen Bewegung entsprechenden liichtungslinien fehlen
und die Felder leer erscheinen.