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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1SSS No. 5 —
Hülfe zu nehmen. Sind also z. B. „Wölkchen“ von fast gleicher Zugrichtung, wie der Cirrus am Himmel
und der Cirrus hat eine ungefähr halb so grosse projizirte Geschwindigkeit wie die Wölkchen, so ist es
„oberer Cirrus“; hat er eine projizirte Geschwindigkeit, die nur um J / 4 geringer ist, so ist es „unterer
Cirrus“. Denn, wie oben gesagt, verhalten sich die projizirten Geschwindigkeiten der Wölkchen, des untern
und obern Cirrus im Mittel wie 2 : 1.5 : 1. Wo nicht dergleichen nächst tiefere Wölkchen vorhanden oder
wenn auch nur für kurze Zeit hier oder da erscheinen, so lässt man die Cirrus-Schicht als unbestimmbar
ausser Betracht.
Wie die Höhen, so werden auch die aus den projizirten Geschwindigkeiten hergeleiteten absoluten
Geschwindigkeiten in jedem einzelnen Fall nicht genau der Wirklichkeit entsprechen, sondern auch bald
grössere, bald kleinere Werthe ergeben. Aber auch hier müssen sich, wie bei den Höhen, bei grossen
Mengen der Beobachtungen die bald positiven, bald negativen Abweichungen ausgleichen und die aus der
mittleren projizirten Geschwindigkeit hergeleitete mittlere absolute Geschwindigkeit wird der in Wirklichkeit
stattgefundenen mittleren gleichkommen.
Je mehr sich die Wolken dem typischen Aussehen nähern, desto mehr nähert sich auch ihre Höhe
der diesem Typus zugehörigen mittleren Höhe, denn die exakten Höhenmessungen der Uebergangsformen,
d. h. derjenigen Formen des Gewölks, bei denen man zweifelhaft sein kann, ob man sie zur einen oder zur
anderen nächsten Schicht rechnen soll, ergaben, dass ihre mittleren Höben zwischen den mittleren Höhen
der betreifenden nächsten typischen Formen gelegen sind.
Die Uebergangsform vom unteren Gewölk zu den Wolken stellt nebelartige Gebilde dar, die an ver
schiedenen Stellen anfangen geballte Formen anzunehmen.
Die mittlere Höhe dieser Uebergangsform fand ich aus 23 Messungen zu 2520', sie liegt also zwischen
der des unteren Gewölks (1600') und der der Wolken (3800').
Die Uebergangsform zwischen Wolken und Wölkchen zeigt Wolken, die mehr oder weniger anfangen,
in Reihen geordnet zu sein, die einzelnen Wolken werden kleiner und zarter. Die mittlere Höhe dieser
Uebergangsform betrug nach 59 Messungen 5560', ist also zwischen der Höhe der Wolken (3800') und der
der Wölkchen (7200') gelegen.
In der Uebergangsform der Wölkchen zu dem Cirrus werden erstere kleiner, werden den feinen
Schäfchen (cirro-cumulus) des Cirrus ähnlich oder ihre Ränder verwischen sich, indem sie in Streifen und
Fasern übergehen. Die mittlere Höhe dieser Uebergangsform fand ich 45 Messungen zufolge zu 8740', also
zwischen der der Wölkchen (7200') und der des unteren Cirrus (12800') gelegen.
Man kann diese Uebergangsformen auch benutzen, je nachdem sie sich mehr dem Typus der niedern
oder der hohem Wolkenschicht nähern, rechnet man sie zur ersteren oder zur letzteren. Die mittleren
Werthe bleiben richtig, indem sich bei den vielen Beobachtungen wieder die zu hohen und zu niedrigen
Werthe ausgleichen.
Ist das Aussehen der Uebergangsformen so, dass man ganz im Zweifel bleibt, wohin es sich mehr
nähert, so lässt man sie unbeachtet.
Ausser den erwähnten typischen Wolkenformen und ihren Uebergangsformen sind noch zwei Arten der
Wolken erwähnenswerth: 1) der Stratus, 2) die grossen Wolkengebirge des lebhaft aufsteigenden Luftstromes.
In die Stratusform kann jede der typischen Wolkenformen sich ausdehnen, und da sich das Aussehen der
verschiedenen Höheustratus, wenn sie gleichmässig verbreitet sind, nicht unterscheiden lässt, so sind sie
durchschnittlich ausser Acht zu lassen. Nur wenn man zeitweise an einzelnen Stellen deutlich zu erkennen
vermag, aus welcher typischen Wolkenform der Stratus hervorgegangen, kann man selbigen gelegentlich
verwerthen. Um sicher zu gehen, misst man die projizirte Geschwindigkeit der erwähnten Stellen und die
des Stratus, der selten so gleichförmig ist, dass man nicht an einzelnen sich absetzenden Punkten seine
Bewegung verfolgen könnte. Stimmen beide projizirte Geschwindigkeiten überein, so ist es im allerhöchsten
Grade wahrscheinlich, dass jene Stellen mit dem sich daran schliessenden Stratus durchschnittlich in einer
Ebene liegen.
Bei den grossen Wolkengebirgen des aufsteigenden Luftstromes, welche, die unteren Wolkenschichten
durchbrechend, sogar noch über den Cirrus emporsteigen, muss, wenn man sie verwerthen will, jedesmal
Höhe und Geschwindigkeit besonders gemessen werden, was meist leicht zu bewerkstelligen ist.
Die hier angeführten Höhen der Wolkenschichten gelten für’s Jahresmittel. Sie ändern sich in den
Jahreszeiten. Die Schichten steigen in der wärmeren Jahreszeit, erreichen ihre grösste mittlere Höhe im