No. 4.
Die säkulare Variation der erdmagnetischen Inklination zu Wilhelmshaven.
Von Pr. M. Esclienlingen, Assistent des Kaiserlichen Observatoriums zu Wilhelmshaven.
Die absoluten erdmagnetisclien Messungen geschehen am Kaiserlichen Observatorium zu Wilhelmshaven
in der Kegel allmonatlich mindestens einmal, häutig werden dieselben mehrere Male angestellt, andererseits
sind namentlich in den ersten Zeiten während der Einrichtung des Observatoriums mehrfach Lücken
vorhanden.
Zur Beobachtung der Inklination diente gewöhnlich ein Nadel-Inklinatorium nach Kew’scliem Modell
(J. Dover No. 2B) mit 4 Nadeln, mehrfach auch ein Erd-Induktor von Meyer stein. Eine eingehende Dis
kussion dieser Beobachtungen zu geben, würde hier zu weit gehen, im Allgemeinen sind die Unsicherheiten
der absoluten Inklinations-Messungen noch zu gross, um derartige Betrachtungen, unterstützt durch genauere
Reduktionen mit Hülfe der Variations-Instrumente durchzuführen.
Es sind deshalb im Nachfolgenden sämmtliche beobachtete Werthe, wie dieselben in den „Annalen der
Hydrographie“ veröffentlicht werden, zusammengestellt, ohne irgend welche Reduktionen auzubringen. Es mag
erwähnt sein, dass die beiden Instrumente Nadel-Inklinatorium und Erd-Induktor unter sich recht gut über
einstimmende Werthe ergeben, wie folgende Beobachtungen zeigen, die mit Hülfe der Variations-Ablesungen
auf denselben Normal-Stand reduzirt worden sind:
1888 August 17.
ll h 9'“ a. m.
Erd-Induktor Nadel-Inklinatorium
67° 59.'9
11 54 a. m. 67 59. 2
4 27 p. m. 67° 59.'3 Nadel I
5 84 p. m. 67 58.9 „ II
Auf die Beobachtungs-Methoden im einzelnen soll hier nicht weiter eingegangen werden.
Da es für die Herleitung der säkularen Variation von Wichtigkeit ist, möglichst weit zurückliegende
Beobachtungen zu verwerthen, so wurde eine Beobachtung vor Erbauung des Observatoriums, angestellt im
Jahre 1872 vom damaligen Hydrographen der Kaiserlichen Admiralität, Professor Dr. Neumayer, in die
Reihe aufgenommen, ferner wurde in der Rechnung der Werth der Lamont’schen Karte, für das Jahr 1852.5
gültig, zu 68° 51.'0 benutzt. (S. Tabelle auf der folgenden Seite.)
Die Mittel der Beobachtungen eines Jahres dürfen mit einer gewissen Genauigkeit als den Mittelwerth
des Jahres darstellend und für die Mitte des Jahres gültig angenommen werden. Die Reihe dieser Jahres
mittel zeigt eine sichere Abnahme des Werthes der Inklination bis 1885, von da ab tritt eine Zunahme ein.
Die nächste Aufgabe ist, den Zeitpunkt der Umkehr möglichst genau zu ermitteln. Denken wir uns die
Jahreswerthe in einer Kurve dargestellt, deren Abscissen die Zeit, deren Ordinateli die zugehörigen Inkli
nationen vorstellen, so wird jener Umkehrpunkt als Scheitel einer Parabel um so sicherer bestimmt werden
können, wenn ausser dem absteigenden Zweige auch Punkte des aufsteigenden Astes gegeben sind. Eine
vollkommen sichere Rechnung wird demnach nur in späteren Jahren ausführbar sein. Es ist indess von
Interesse, schon jetzt die ungefähre Zeit des Ueberganges vom Abnehmen zum Wachsen zu kennen, da
anders keine sichere Berechnung der säkularen Variation ausgeführt werden kann.
Die einem bestimmten Zeitpunkte t entsprechende Inklination i lässt sich aus einem zur Zeit t 0 statt
findenden Anfangswerthe i 0 ableiten nach folgender Formel:
i = i 0 + a(t — t 0 ) + b(t—t o y
a und b sind die zu ermittelnden Konstanten der säkularen Variation, den gleichfalls unbekannten Anfangs-
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Archiv 1888. 4.