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Kleinheit der Thermometergefässe. Das kleine, frei dem Winde exponirte Gefäss eines Quecksilber-Thermo
meters mit dünnen Glaswänden bietet in Bezug auf das Verhältniss der Strahlung zur Leitung so günstige
Bedingungen dar, wie sie durch kein dasselbe umgebendes Gehäuse erreicht oder übertroffen werden, solange
man nur natürliche Ventilation anwendet. Bei einseitiger Strahlung kann indessen diese ausgeschlossen
werden, ohne die Luftbewegung allzusehr zu verringern, und zwar müssen dazu zwischen Strahlungsquelle und
Thermometergefäss, in genügender Entfernung vom letzteren, Objekte sich befinden, deren dem Thermometer
zugekehrte Seite nicht mehr wesentlich von der Strahlungsquelle beeinflusst wird, oder doch nur in dem
selben Maasse, wie die Lufttemperatur. Nicht zum Schutz gegen Strahlung, wohl aber zur Verhütung der
Benetzung und der Beschädigung der Thermometer empfiehlt sich allerdings eine Schutzvorrichtung, die aber
so einfach und luftig wie möglich sein sollte. Wir kommen damit auf die freie Aufstellung im Schatten eines
Gebäudes zurück, wie sie vor Einführung der künstlichen Beschirmungen in der Mitte dieses Jahrhunderts
üblich war. Allein wenn wir bei solcher Aufstellung von Strahlung nicht viel zu fürchten haben und die Tem
peratur der die Thermometerkugeln umspülenden Luft innerhalb der gewöhnlichen Genauigkeits-Grenzen ge
nügend erhalten, so ist doch die andere Frage: Ist diese Luft eine gute Probe der betr. Luftschicht in der weiteren
Umgebung? nur dann günstig zu beantworten, wenn das Gebäude sehr klein und die natürliche Luftzirkulation
sehr lebhaft ist; andernfalls ist die betr. Luft als eine lokal beeinflusste anzusehen, deren tägliche Temperatur-
Extreme abgestumpft und namentlich deren Nachmittags-Temperatur deprimirt ist, gegenüber dem Durch
schnitt dieser Luftschicht in der Umgebung. Mit dieser Frage werden wir uns weiter unten zu befassen haben.
Dass bei einer Aufstellung im tiefen Schatten, wie diejenige vor dem Beobachtungsfenster der Seewarte,
die Thermometer im kleinen Gehäuse vollständig mit jenen im grossen übereinstimmen, haben vergleichende
Beobachtungen im Jahre 1882 gezeigt. Vom 21. Juli bis zum 2. September 1882 war das kleine Gehäuse d
(vgl. oben) neben dem zu den regelmässigen Ablesungen dienenden grossen Gehäuse g in dem Jalousie-Verschlag
vor dem Beobachtungsfenster der Seewarte angebracht und wurden die Thermometer in beiden mehrmals
täglich abgelesen. Das Endergebniss stellt sich, nach Anbringung der Instrumental-Korrektionen, wie folgt
(+ bedeutet, dass das Thermometer im kleinen Gehäuse höher stand, — umgekehrt):
Zahl der Vergleiche
Differenz der Mittelwerthe j
Mittl. Differenz ohne Rück-1
sicht auf die Zeichen (
S“
zwischen
10“ und 1'
2 p
zwischen
3 p und G y
s*
Mittel
aller Beob.
troek. Therm.
35
27
36
18
28
144
feucht. „
29
26
28
16
23
122
trock. Thenn.
+ .04
+ . 02
o
o
— .04
— .03
O
O
feucht. „
+
o
+ .03
-.03
— . 01
+ .01
+ .01
trock. Therm.
. 14
. 11
. 09
. 07
. 12
. 11
feucht. „
. 11
. 14
. 14
. 11
. 11
. 12
Die Unterschiede liegen fast innerhalb der Grenze der Beobachtungsfehler resp. der Genauigkeit der In
strumental-Korrektionen. Ihr täglicher Gang weist immerhin auf die etwas grössere Trägheit der Thermo
meter im grossen Gehäuse hin.
c) Versuche bei heiterem Himmel am 26. und 27. August 1887 zu Berlin. Bei einer kurzen An
wesenheit am 26.—27. August 1887 in Berlin war mir durch das heitere Wetter und durch das Entgegen
kommen meiner dortigen Kollegen Gelegenheit geboten zur gemeinsamen Anstellung einiger Versuche, welche
trotz ihrer geringen Zahl wegen einiger interessanter Resultate einen Platz hier beanspruchen dürfen. Die
Beobachtungen wurden im Verein theils mit Herrn Dr. Sprung, theils mit Herrn Kiewei ausgeführt.
Die Versuche am 27., welche von ll h 15a.m. bis l h 40 p.m. auf der Beobachtungs-Plattform des Meteor.
Instituts auf dem Dache der „alten Bauakademie“ ausgeführt wurden, schlossen sich näher an die oben
geschilderten an und bestanden im Vergleichen der Angaben der Thermometer in einem neuen Blechgehäuse*)
und in dem Aspirations-Apparat von Dr. Assmann mit solchen, die frei in der Sonne hingen oder geschwun
gen wurden und einem solchen in einer improvisirten festen Aufstellung im Schatten eines Pfeilers. Das
Gehäuse war ähnlich jenem der Seewarte, jedoch unter Ersatz des äusseren Halbzylinders durch zwei be
*) Die Beschreibung dieses Gehäuses mit Abbildungen und Grundrissen findet man auf S. 16—17 und S. 22 der neuen
Instruktion des Ii. Preuss. Meteor. Instituts. Die Stellung der Schirme war jedoch eine andere, als dort vorgeschrieben, so
dass das Gehäuse offener war. Vgl. weiter unten!