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Full text: 10, 1887

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Stellung solcher Thermometer-Gehäuse angewandten Schatten die Strahlungs-Einflüsse überhaupt so gering 
sind, dass man sie in den meisten Fällen vernachlässigen darf. Es werden daher in der Regel die jetzt 
so beliebten Blechgehäuse keine merkliche Verschlechterung der Temperatur-Angaben verursachen; ihnen 
aber einen Werth als Schutz gegen Strahlung beizumessen, ist nach dem Obigen irrig; sie können nur zum 
Schutz gegen Regen und Beschädigungen dienen, und nur die allerluftigsten darunter können bei Quecksilber- 
Thermometern der gewöhnlich zu meteorologischen Beobachtungen verwandten Art auch gegen Strahlung 
einen, wenn auch nur kleinen Vortheil im Vergleich zur freien Aushängung des Thermometers bieten. Bei 
den Versuchen 5—6 und 10—11 am 21. and 23. August wurde das grosse Gehäuse bald im geschlossenen 
Zustande verwendet, bald zwischen den Beobachtungen offen gelassen, wobei die beiden Halbzylindermäntel 
so übereinander geschoben wurden, dass ihre Mittellinie in der Vertikal-Ebene der Sonne lag, so dass kein 
Sonnenschein in das Gehäuse fallen, aber von Westen und Osten die Luft fre-i durchstreichen konnte. Der 
Temperatur-Ueberschuss über die Luft-Temperatur war im letzteren Fall weit kleiner, als bei geschlossenem 
Gehäuse, aber dennoch bei dem Stabthermometer noch immer grösser, als in ganz freier Aufhängung da 
neben, beim Stations-Thermometer dagegen ein wenig kleiner als bei freier Exposition. Selbst im geöffneten 
Zustande verringert also das grosse Gehäuse die Empfindlichkeit der Thermometer gegen Strahlung im 
Allgemeinen nicht, trotzdem an der Sonnenseite die Blechwand nunmehr doppelt, mit Luftzwischenraum, 
ist. Die Ursache für dieses auffallend ungünstige Resultat muss wohl, ausser in der dunklen und rauhen 
Oberfläche des Gehäuses, in der Grösse desselben gesucht werden, da wie Aitken in einem höchst beachtens- 
werthen Aufsatz gezeigt hat,*) grosse Körper sich stärker in der Sonne erwärmen, als kleine, und zwar 
wegen der stärkeren Beeinflussung der daran vorbeistreichenden Luft. 
Ueber das Maass dieser Beeinflussung der Luft durch das Gehäuse geben einige Versuche Rechenschaft. 
Stabthermometer, frei am Draht 0.5 m vom grossen Gehäuse in der Sonne aufgehängt, gaben in Lee davon, 
je nach der Stärke der Strahlung, O.i bis 0.4° höhere Temperaturen, als in Luv. Um ungefähr so viel 
war also die ganze Luftmasse durch Vorbeistreichen an dem erhitzten Gehäuse erwärmt. Ferner zeigte 
von zwei kleinen Stabthermometern im grossen Gehäuse, deren eines mit den Kugeln in der Höhe der 
Stationsthermometer, das andere höher aufgehängt waren, das letztere durchschnittlich 0.2° mehr; da die 
Strahlung an beiden Stellen ungefähr dieselbe sein musste, ja sogar jene des erhitzten Erdbodens beim oberen 
Thermometer viel kleiner, ist dieser Umstand der Ansammlung wärmerer Luft oben resp. der Erwärmung 
der Luft während ihres Aufsteigens im Gehäuse zuzuschreiben. 
Dass bei Anbringung eines Bodens an das Gehäuse der Vortlieil einer Beschirmung gegen die Strahlung 
der Erdoberfläche unter den obwaltenden Umständen ganz aufgehoben wurde durch den Nachtheil der Ver 
ringerung der Luftbewegung, zeigen die Versuche mit dem neuen doppelwandigen Gehäuse /, bei welchem 
der Boden nach Belieben eingesetzt und herausgenommen werden kann. Obgleich derselbe einen flachen 
Kegel mit aufwärts gerichteter Spitze darstellt, welcher etwas unter die Seiten wände hinabgeht, so dass er 
zwar nicht von der Sonne* wohl aber von horizontalem Luftzug getroffen wird und diesen ins Gehäuse 
empordrängen muss, stieg die Temperatur des Thermometers sofort bei dessen Einsetzung. Während ohne 
Boden dieses Gehäuse, namentlich wenn das Gelass des Thermometers bis zur Ebene des unteren Randes 
hinabgelassen wird, den anderen überlegen ist, werden nach Einsetzung des Bodens die Abweichungen 
von der Lufttemperatur mehr als l‘/a mal so gross. Es ist sehr natürlich, dass dieses Resultat je nach 
der Stärke der Strahlung vom Boden sich modifizirt; bei späteren Versuchen, die nicht über Gras, sondern 
über Zementfussboden gemacht wurden, der zudem vom Winde nur wenig getroffen wurde, fand sich, dass 
das Einsetzen eines Bodens den Strahlungsfehler des Thermometers unter diesen Umständen um O.i bis 0.3° 
verringere. 
Das nächstliegende praktische Resultat aus den obigen Versuchen ist: Dass zur Verringerung der 
Strahlungseinflüsse auf Thermometer mit kleinem Gefäss Blechgehäuse, wenn sie gross oder sehr geschlossen 
sind, schädlich, und wenn sie klein und luftig, immerhin fast unwirksam sind. Es ist wahrscheinlich, dass 
Holzgehäuse insofern noch ungünstigere Resulte gegeben haben würden, als bei ihnen eine fernere Fehler 
quelle durch ihre Trägheit gegen Temperatur-Aenderungen hinzukommt, wie sie die Beobachtungen in der 
Hütte (7i) zeigen; ausserdem wird bei ihnen leicht die Luftbewegung noch mehr beeinträchtigt sein. Ver 
ringert wird der Strahlungsfehler vorwiegend durch möglichst freie Luftbewegung und durch möglichste 
*) Proceed, of the R. Soc. of Edinburgh, Session 1883—84, No. 111, p. 661—696: Thermometer Screens, by John Aitken. 
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Archiv 1S87. 2.
	        
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