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noch viel zu hohe Temperaturen. Es ergab sich im Durchschnitt von 10 Ablesungen am 9. Mai (ll h —12’ 1 a ),
von 20 Ablesungen am 20. August (12 1 /*—IV2 p ), von 7 Ablesungen am 29. August (12—2^) und von 8 Ab
lesungen am 30. August (9'/4—10“):
Zeit
Umstände
Oben in der
Wölbung
20 cm tiefer
50 cm tiefer
frei in der
Sonne
Lufttemp.
im Schatten
zo [ 12V4-12V
ohne Putter
18.4
—
16.5
16.4
15.0
l h 12—20
weiss gefüttert —
17.5
16.8
16.8
15.4
S. ( l h 22—36
ohne Futter
—
17.7
16.8
16.8
15.5
20. August \
i
22.0
—
23.4
21.1
29. „ l
neu
1 _
26.9
—
27.9
25.3
30. „ 1
gefüttert
| 25.8
—
25.3
26.1
24.6
Am 9. Mai zeigte demnach das unter dem Schirm hängende Thermometer sogar höher, als ein gleiches
frei in der Sonne hängendes; an den drei Augusttagen, wo ein anderer Schirm verwendet wurde, zeigte
das Thermometer unter dem Schirm zwar niedriger, aber immerhin noch erheblich zu hoch. Alle Ablesungen
unter dem Schirm wurden mit den mittelgrossen Thermometern der Sorte 3, vergl. folgende Seite, gemacht.
Am 20. August wurde auch ein Thermometer mit kleiner Kugel (Sorte 2) in der Sonne zugleich beobachtet,
dasselbe zeigte im Durchschnitt 22.6, die Wirkung durch Schutz des Schirms betrug also hier mehr, als
jener durch die Kleinheit der Kugel.
Aehnliche Resultate ergaben sich, wenn das Thermometer sowohl unter dem Schirm als in der Sonne
geschleudert wurde. Der Schirm war dabei so eingerichtet, wie in der zweiten dieser Abhandlungen beschrieben
werden wird, mit einer unter der Wölbung ausgespannten zweiten Decke und 60 cm Entfernung zwischen
der Wölbung und dem Thermometer. Am 30. August 1886 stellte sich auf dem Reservoir bei der Seewarte,
im Mittel von 5 Vergleichen zwischen 2 h 50 m und 3 11 36'", das Stabthermometer unter dem Schirm geschleudert
auf 28.1, in der Sonne geschleudert auf 28.4, im Schatten des Thürmchens, geschleudert sowohl als fest, auf
27.6, während das Thermometer in der Hütte*) 28.5 zeigte.
Um zu entscheiden, ob helle oder dunkle Zeug-Schirme besseren Schutz gegen Wärmestrahlung ge
währen, wurde eine Anzahl ähnlicher, aber verschiedenfarbiger, seidener Sonnenschirme im Zimmer geprüft,
indem sie nebeneinander im Sonnenschein auf einem Tisch ausgespannt wurden. Die Thermometer unter
den dunklen ergaben niedrigere Temperaturen, als unter den hellen. Die diffuse Reflexion nach unten
bei den letzteren überwindet also die günstige Wirkung der Reflexion an der Oberfläche, was man nicht
von vorn herein Voraussagen konnte.
Endlich muss noch eines Versuchs Erwähnung gethan werden, der durch die Korrespondenz mit
Herrn Dr. Assmann zur Zeit veranlasst wurde, als er mit der Konstruktion seines Aspirations-Thermometers
beschäftigt war. Zwei ineinander geschobene Glasröhren von 26 cm Länge, deren innere 18 mm weit ist,
wurden an ihrer einander zugekehrten Seiten versilbert bis auf einen Streifen, der zum Ablesen des Thermo
meters frei blieb, und die Ränder mit Siegellack verkittet. Es war so ein innen und aussen spiegelndes
Rohr gebildet, welches vor der Luft durch eine beiderseits je 0.7 mm starke Glasschicht geschützt war und
dadurch gute Gewähr für Unveränderlichkeit bot, ohne eine bedeutende Masse darzustellen. In diesem
Rohr wurde ein Stabthermometer befestigt, so dass sein Gefäss nahe dem einen Ausgang sich befand; auf
das andere Ende wurde ein Kautschukschlauch gesteckt, der zu einem Wasseraspirator führte. Der Stand
des Thermometers, wenn das Instrument in die Sonne gebracht wurde, erwies sich indessen am 15. Juli 1886
trotz der Aspiration viel zu hoch, 0.3° C. höher, als selbst der Stand eines ähnlichen Stabthermometers,
das gleichzeitig frei in der Sonne geschleudert wurde, welches doch schon 0.6° über der Temperatur im
Schatten war. Dieses ungünstige Ergebniss mag zwar z. Th. der Unvollkommenheit des angewandten
Aspirators zuzuschreiben sein. Doch konnte es nicht zur weiteren Verfolgung des Weges ermuthigen, und
in der That hat auch Herr Dr. Assmann eine ähnliche Konstruktion geprüft und als ungünstig verworfen.
Es entspricht diese Erfahrung ganz dem neueren Resultat von Sch ein er (Zeitsclir. für Instrumentenkunde 1887)
*) Siehe „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrg. VI, N0. 3, Seite 7 u. ff. sowie Jahrg. VII, N0. 2, Taf. 26;
im folgenden mit ¡1 bezeichnet.