accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 10, 1887

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1913. 
sollten zunächst ozeanographische und aerologische Arbeiten in Frage kommen 
und dementsprechend war die hierzu erforderliche Ausrüstung des Schiffes vor- 
gesehen und durch die Deutsche Seewarte in Hamburg beschafft, 
Die Vornahme solcher eigentlich rein wissenschaftlichen Arbeiten durch 
Spezialschiffe ist schon mehrfach erfolgt, und wenn die Kaiserliche Marine die Aus- 
veise S. M.S. »Möwe« nach Deutsch-Südwestafrika benutzt hat, diesem Fahrzeug eine 
Reihe von meereskundlichen Arbeiten, Tiefseeforschungen und aerologische Beob- 
achtungen, zu übertragen, so hat sie damit nur eine wissenschaftliche Betätigung 
bewiesen, die sie schon vor mehr als 40 Jahren begonnen und seitdem besonders 
im letzten Jahrzehnt gepflegt hat. Während die Untersuchungsfahrten S. M. Rad- 
dampfer Aviso »Pommerania« unter dem Kommando des Kapitänleutnants Hoff- 
mann in’ den Jahren 1871 und 72 und die in die Jahre 1881/82 und 1884 fallenden 
Expeditionen S. M. Kanonenboot »Drache« unter Korvettenkapitän Holzhauer sich 
lediglich auf spezielle Forschungen in der Nord- und Ostsee beschränkten, haben 
die Reisen S. M. Korvette »Gazelle« unter dem Kommando des Kapitäns zur See 
Frhr. v. Schleinitz in den Jahren 1874 bis 76 und S. M. S. »Planet« unter den 
Kapitänleutnants Lebahn und Kurtz 1906/07 sich zur Vornahme wissenschaft- 
licher Arbeiten weit über die Ozeane erstreckt, Die Arbeiten der beiden letzt- 
genannten Expeditionen, der »Gazelle« und des »Planet«, sind in dem vom da- 
maligen Hydrographischen Amt der Admiralität herausgegebenen Werke „Die 
Forschungsreise S, M, S. »Gazelle«“ und in dem vom Reichs-Marine-Amt heraus- 
gegebenen Werk „Die Forschungsreise S.M.S. »Planet« 1906/07“ in eingehendster 
Weise niedergelegt und bilden mit ihren sorgfältig bearbeiteten Resultaten wert- 
volle Bausteine zu dem großen Gebäude der wissenschaftlichen Erforschung der 
Weltmeere, 
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Expedition der Kaiserlichen 
Marine, wenn man die gelegentlich der Ausreise S. M. S. »Möwe« nach Südwest- 
afrika 1911 angestellten wissenschaftlichen Arbeiten so bezeichnen darf, liegen 
allerdings noch nicht völlig ausgewertet vor. Das, was aber bis jetzt in 
großen Zügen sich als Resultat übersehen läßt, bietet in verschiedener Hinsicht 
Interessantes genug. Es kann nicht die Aufgabe des Vortrags sein, er- 
schöpfend auf das rein Wissenschaftliche des gewonnenen ozeanographischen und 
aerologischen Materials einzugehen, aber die Gewinnung eben dieses Materials, 
die praktische Durchführung solcher Arbeiten auf einem modernen Vermessungs- 
schiff während einer Forschungsreise bietet auch für weitere Kreise manches 
Interessante. — Auf einer achttägigen Versuchs- und Probefahrt nach der nor- 
wegischen Küste wurden zunächst die verschiedenen wissenschaftlichen Maschinen 
probiert, um das Personal gleichzeitig in den einzelnen Disziplinen vorzubilden. 
Nach einer letzten Überholung der recht vielseitigen Ausrüstung lag dann die 
»Möwe« am 3. Mai 1911 mittags in der alten Einfahrt in Wilhelmshaven klar 
zum Antritt der Ausreise, Entsprechend der Forderung, das Schiff möglichst 
schnell in das eigentliche Vermessungsgebiet zu bekommen und mit Rücksicht 
auf den Aktionsradius des Schiffes war der Reiseweg so gewählt, daß nur wenig 
Abweichungen von der direkten Reiseroute zu machen waren. Überdies waren 
die allgemeinen morphologischen Verhältnisse des Atlantischen Ozeans durch 
zahlreiche frühere Expeditionen ja schon so weit bekannt, daß man sich auf die 
Untersuchung spezieller ozeanographischer Probleme beschränken durfte. Im 
allgemeinen dem Verlauf der afrikanischen Küste folgend, sollten darum in der 
Hauptsache die chemisch physikalischen Verhältnisse der afrikanischen Küsten- 
gewässer eingehend untersucht werden; der Plan hierfür war im einzelnen von 
der Deutschen Seewarte in Hamburg angegeben. 
Die Reise durch den Englischen Kanal und die Biskayasee verlief recht 
günstig und wurde in erster Linie mit vorbereitenden Arbeiten ausgefüllt. Zu- 
nächst galt es, einen genauen wissenschaftlichen Routinedienst einzurichten, Die 
meteorologischen Beobachtungen sollten während der ganzen Ausreise vierstünd- 
lich vorgenommen werden und erstreckten sich auf Notierungen der Luft- und 
Wassertemperatur, des Barometerstandes, der rechtweisenden Windrichtung, der 
jeweiligen Stärke des Windes nach der Beaufortskala, der Bewölkung und der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.