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schlag nicht dem Abstande der Wendekreise vom Aequator gleichkommen, weil die Luft am Aequator im
Mittel durchwärmter ist, und am Wendekreise die Sonne doch nur für kurze Zeit die Erdoberfläche senk
recht trifft und weil ferner in höheren Breiten die Temperatur durch den Luftaustausch aus benachbarten
kälteren Gegenden eine Temperatur-Verminderung erfährt. Während die Sonne in ihrem Stande von —23°
Süd nach 23° Nord, also um 46° sich verändert, verschiebt sich z. B. im atlantischen Ozean die Regenzone
im Laufe eines Jahres um nur etwa 16 Breitengrade. In der Tiefe, in Nähe der Erdoberfläche liegt aller
dings der Breitenkreis höchster Januar-Temperatur der Südhemisphäre von dem Orte höchster Sommer-
Temperatur der Nordhemisphäre um 30 Grad entfernt. Hieraus kann man jedoch nicht schlussfolgern,
dass die mittlere Luft-Temperatur aller Luftschichten in einem Jahre um die gleiche Amplitude von 30°
wandere, weil in jenen Breiten, welche eigentlich im Mittel die heissesten sein solten, Regen fällt und Be
wölkung vorherrscht, somit also den untersten Luftschichten Wärme entzogen wird. Wir können also sehr
wohl annehmen, dass der Maximalwerth der mittleren Temperatur der ganzen Luftsäule nur zwischen
Grenzen schwankt, welche 16° Abstand von einander haben, obwohl der Maximalwerth der Temperatur der
untersten Luftschicht eine Amplitude von 30° aufweist.
y. Die Trocken-Zone.
Die Trocken-Zone liegt in der Tafel (s. Anhang) zwischen dem 7 ten und 20 sten Grade; sie zeichnet sich
dadurch aus, dass vor allem daselbst erstens in den unteren Schichten bis zu etwa 8000 m Höhe absteigender
Luftstrom (Fallstrom) herrscht, durch dessen Einwirkung die Luft relativ getrocknet wird. Luft, welche aus
der Höhe in tiefere Schichten gelangt, woselbst der Luftdruck grösser ist, erleidet Kompressions-Erwärmung
und daher das Vermögen Wasserdampf höherer Spannung in sich aufzunehmen. Diese Luft wirkt trocknend
auf alle feuchten Körper, indem sie den Wassergehalt zur Verdampfung bringt. Auch Wolkenreste würden
in dieser Luft bald verdampfen und statt der Wolke heiterer Himmel sich einstellen. In äusserst grossen
Höhen über dieser Zone findet sich allerdings noch ein Steigestrom, jedoch ist derselbe so hoch, dass er
nur äusserst kalte Luftschichten umfasst, woselbst keine Feuchtigkeit von irgend welcher Bedeutung in der
Atmosphäre sich befindet und also auch keine wirksamen Niederschläge erzeugt w'erden können.
Zweitens ist besonders hervorzuheben, dass auf der Strecke vom 7 ten bis 20 sten , zumal aber am 9 ten
Breitenkreise in der betreffenden Skizze in allen Luftschichten die geringste Windgeschwindigkeit im Sinne des
Breitenkreises besteht und zwar, dass die Geschwindigkeit überall dieselbe, nämlich fast Null wird. Steigt
hier Luft von unten nach oben, oder fällt hier Luft von oben nach unten, dann ergiebt sich hieraus keine
wesentliche Aenderung der meridionalen Trägheits-Beschleunigung 2 v co sin cp, weil v in allen Höhenschichten
konstant ist. Es soll nun in dem Abschnitt d dargethan werden, dass eine Ungleichung in der Windstärke
der übereinander lagernden Luftschichten sehr wesentlich zur Ausbildung lokaler Steige- und Fallströme
beiträgt. Vom 9 ten Breitenkreise polwärts nimmt die Stärke dieser Störungen zu und wächst weithin bis
zum 50 sten oder 60 sten Breitenkreise. Selbstredend können diese Störungen nur dann Regenbildung herbei
führen, wenn entweder die Luft unten recht feucht ist, oder wenn jene Störungen Steigeströme bedeutender
Höhen-Erstreckung veranlassen. Ersteres trifft über dem Ozean zu, daselbst bedingen geringe Steigeströme
schon Niederschläge, denn die unterste der Meeresoberfläche auflagernde Luitschicht ist feucht, weil das
Meereswasser verdampft und also der Luft Feuchtigkeit zuführt. Ohne diese Zufuhr würden die geringen
Steigeströme am 15 ten bis 20 sten und 30 sten Breitenkreise noch keine Niederschläge herbeiführen, denn die
Luft ist ja aus der Höhe abwärts gesunken und erreicht die Tiefe in einem erwärmten trockenen Zustande.
Während über den Ozeanen vom 9 ten Kreise polwärts die Störungen und die entstehenden Steigeströme, an
Bedeutung zunehmend, wachsende Regenstärke erzeugen, werden über den Kontinenten die schwächeren
Steigeströme wohl Wind aber keinen Regen erzeugen. Die Luft, aus der Höhe herabgefallen, ist trocken
und bleibt trocken, sie findet an der dürren Erdoberfläche der Kontinente nicht Gelegenheit Feuchtigkeit
in sich aufzunehmen und kann diese Luft daher nachträglich wieder sehr hoch emporgehoben werden bevor
der Sättigungsgrad erreicht wird und Kondensation beginnt. Ueher den Kontinenten erstreckt sich die
Trockenzone aus diesem Grunde in bedeutend höhere Breiten hinauf, sie erreicht z. B. im westlichen Afrika
den 32 sten in Asien den 40 sten und 45 sten Breitenkreis.
Wo immer hohe Gebirge zu Störungen in der Luftbewegung Veranlassung bieten, entstehen stärkere
Vertikalströme und Regenfälle, so dass die Trockenzone vielfach durch Gebirgszüge eine Unterbrechung
erfährt. Hohe Gebirge üben überhaupt einen bedeutenden Einfluss auf das Klima der Nachbarländer aus,