accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 10, 1887

2

I.  Die  ablenkcnde  Kraft  der  Erdrotation.
Zum  Verständniss  des  Nachfolgenden  sei  an  die  Eigenart  der  Luftbewegung  unserer  Erdatmosphäre
erinnert,  nach  welcher  die  Winde  nicht  geradeaus  eilen  können.  Bewegte  Luft  wird  durch  die  Fliehkraft
der  Erdrotation  beständig  von  der  ursprünglichen  Richtung  abgelenkt  und  zwar  auf  der  Nordhemisphäre
nach  rechts,  auf  der  Südhemisphäre  nach  links.  Es  kann  z.  B.  ein  Wind  nur  dann  stetig  als  Westwind
wehen,  wenn  der  Ablenkung  die  Wirkung  einer  .Luftdruck-Differenz  entgegen  wirkt  und  die  Ablenkung  des
Windes  auf  hebt.  Die  Grösse  der  Trägheits-Kraft,  mit  welcher  bewegte  Luft  von  dem  Breitenkreise  ablenkt,
wenn  sie  ganz  sich  selbst  überlassen  ist,  wird  durch  den  Ausdruck  der  ablenkenden  Beschleunigung
v  (w  +  w')  sin  cj>  gemessen,  worin  v  die  Windgeschwindigkeit  in  Richtung  des  Breitenkreises,  o>  die  Winkelgeschwindigkeit ­
  der  Erdrotation,  m'  die  Winkelgeschwindigkeit  der  absoluten  Luftbewegung,  das  heisst
o/  —  01-h—,  r  der  Radius  des  Breitenkreises  und  <p  die  geographische  Breite  bedeutet.  Für  niedere  Breiten
weicht  in  obigem  Ausdruck  «'  von  w  so  wenig  ab,  dass  zunächst  die  Ablenkungs-Beschleunigung  meistens
2  v  .  m  .  sin  (f  geschrieben  werden  soll,  obwohl  strenge  genommen  dieser  letztere  Ausdruck  für  den  Werth
der  Ablenkungs-Beschleunigung  sich  auf  die  Abweichung  vom  grössten  Kreise  und  nicht  vom  Breitenkreise
bezieht.*)  In  jenem  Ausdruck  hat  2  «  folgenden  Werth.  Ein  bürgerlicher  Tag  hat  24  .  3600  ==  86400
Sekunden.  Die  Erde  dreht  sich  aber  nicht  in  einem  bürgerlichen  Tage,  sondern  in  einem  Tage  Sternzeit
einmal  um  ihre  Achse.  Dies  sind  86164  Sekunden.  Daher  ist  zu  setzen:
2  co  =  2  •  =  0,0000729.
86154
Beispiel:  für  v  =  20 ra  und  <p  =  30°  ist  2  v  m  sin  <p  =  2.20.0,0000729  .  %  =.  0,001458 m .
In  100  Sekunden  wird  also  der  Westwind  von  20m  Stärke  gegen  den  Breitenkreis,  welchen  derselbe
anfangs  verfolgte,  um
p  t 2  0,001458  •  100  •  100
s  =  -y-  =  — 1  ^  =  7 ’ 29  m
abgelenkt  worden  sein,  wenn  keine  störenden  Einflüsse,  z.  B.  Druck-Differenzen  vorhanden  sein  würden.
Solche  die  Ablenkung  theilweise  oder  ganz  aufhebende  Druck-Differenzen  sind  aber  immer  vorhanden,  so
dass  der  Wechsel  in  der  Bahnrichtung  des  Windes  stets  von  der  Differenz  der  Kräfte  Gradient  und  Ablenkung ­
  durch  Trägheit  abhängig  ist.
Eine  Ableitung  obiger  Formeln  findet  sich  in  No.  490  und  No.  506,  Jahrgang  1885,  der  „Deutschen
Bau-Zeitung.“
Zwischen  der  Trägheits-Ablenkung  und  dem  Gradienten,  d.  h.  der  jeweilig  in  der  Luft  vorhandenen
Druck-Differenz  besteht  eine  äusserst  innige  Wechselbeziehung,  indem  die  erstrebte  Ablenkung  stets  nach
der  Seite  der  Ablenkung  hin  Luft-Zusammendrückung  und  Druckdifferenzen  erzeugt,  welche  alsdann  als
Widerstand,  als  eine  Reaktion  auftreten  und  meistens  der  Ablenkung  theilweise  entgegen  wirken.

2.  Die  FSächen  gleichen  Druckes  (isobarische  Flächen)  und  die  horizontalen
Temperatur-Differenzen.
In  der  Folge  werden  die  nachstehenden  Erwägungen  benutzt  und  sollen  dieselben  daher  der  eigentlichen ­
  Abhandlung  voraufgehen.
Es  bestehe  am  Orte  A  der  Druck  p  +  Ap,  am  Orte  B  der  Druck  p.  Die  horizontale  Druckdifferenz  ilp
bewirkt  alsdann  einen  Antrieb  zu  horizontaler  Bewegung,  deren  Beschleunigung  durch  den  Ausdruck  p  gleich
Kraft  dividirt  durch  Masse
A  p  ■  F  kplo
P  ~  L  ‘  3
gemessen  wird.  Bei  Aufstellung  dieser  Gleichung  wurde  der  Bew'egungs-Zustand  einer  liegenden  Luftsäule
*)  Yergl.  Archiv  der  Deutschen  Seewarte,  II.  Jahrgang  1879,  „Studien  über  den  Wind  und  seine  Beziehungen  zum
Luftdruck“,  von  Dr.  A.  Sprung.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.