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die erstere die täglichen Extreme ab und erniedrigt ein wenig die Mitteltemperatur, die zweite übertreibt
die Extreme, wenn das Gehäuse dünnwandig ist, und verzögert sie (mit eventueller Abstumpfung) wenn dasselbe
sehr massig ist; in beiden Fällen erhöht diese Aufstellung das Mittel ein wenig über das wirkliche. Es ist
daher ein Mittelweg zu suchen, welcher aber zugleich an Freiheit der Luftbewegung womöglich beide Auf
stellungen übertrifft. Kann man den wahren Weg nicht vollständig treffen, so ist es aus praktischen Gründen
räthlicher, nach der Seite der Nordwand-Aufstellung von ihm abzuweichen, als nach jener der Hütten,
weil aus Bequemlichkeits-Rücksichten die Fensteraufstellung sich für lange hinaus nicht wird ganz ver
drängen lassen und die Vergleichbarkeit mit dieser (vorausgesetzt, dass sie im übrigen frei genug und
gut gewählt sei) nicht ganz aus den Augen gelassen werden darf.
11. Da die Temperatur einer beschatteten, frei nach dem Zenit ausstrahlenden Bodenoberfläche auch
um Mittag ein wenig unter die Lufttemperatur sinkt, so lässt sich durch passende Wahl der Winkelgrössen
des beschatteten und unbeschatteten Bodens, welcher zur Thermometerkugel strahlt, die Strahlung vom
Boden bis auf einen geringfügigen Betrag ausgleichen. Ebenso lässt sich durch Kombination eines
vertikalen Körpers (Pfeiler) mit einem horizontalen oder geneigten (Dach) die Winkelgrösse des Schattens
im Laufe des Tages ziemlich konstant halten.
12. Jede feste Aufstellung der Thermometer hat mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass wegen der
täglichen, zudem je nach der Jahreszeit verschiedenen Bewegung der Sonne eine Beschattung von vielen
Seiten, und also eine bedeutende Behinderung der horizontalen Luftbewegung nötliig ist. In der französischen
Aufstellung wird dies dadurch vermieden, dass ein vertikales Brett am Vormittag auf die Ost-, am Nach
mittag auf die Westseite gesetzt wird, und dass die Thermometer so nahe dem doppelten schrägen Dache
angebracht sind, dass keine Südwand nothwendig ist. Die Nähe des Daches sowohl als die unter Umständen
sehr starke Bodenstrahlung sind Uebelstände dieser Aufstellung; dennoch erscheint dieselbe unter den
vorhandenen als die empf'ehlenswertlieste.
13. Von denjenigen Aufstellungen, bei welchen das Thermometer je nach der Tageszeit verschieden
beschirmt resp. exponirt ist, kommen vor Allem in Betracht (a) die abwechselnde Ablesung von Thermometern
vor nach Ost und nach West gerichteten Fenstern, und (b) der Glaisher’sche drehbare Thermometer
stand. Der erstere Ausweg ist ein Nothbehelf, welcher unter Umständen gute Resultate geben kann,
welcher aber die Vergleichbarkeit der Beobachtungen nicht nur zwischen verschiedenen Stationen, sondern
auch in der Beobachtungsreihe selbst so sehr beeinträchtigt, dass er für eine allgemeine Einführung nicht
in Frage kommen kann. Denn die Temperatur zeitweise von der Sonne beschienener Hauswände ist auch
für viele Stunden nach Aufhören des Sonnenscheines in höchstem Grade von der Natur und Grösse dieser
Wände, der Stärke der Luftbewegung u. s. w. abhängig.
Der Glaisher’sche Stand leidet an zwei Uebelständen: dass die Thermometer gegen Regen fast
gar nicht geschützt sind, und dass er wegen ungenügender Dämpfung der Strahlungs-Einflüsse die
tägliche Temperaturperiode übertreiben, also zu hohe Maxima und zu tiefe Minima geben soll. Das
letztere —■ der zu niedrige Stand der Minima — scheint indessen noch nicht sicher nachgewiesen zu sein,
da es nicht sicher ist, ob nicht die damit verglichene Aufstellung eine Abstumpfung dieses Extremes
hervorbrachte. Das zu hohe Maximum dürfte darin seine Erklärung finden, dass 1) der Boden unter
dem Instrument fast gar nicht beschattet ist, 2) die ziemlich dünnen Bretter des schrägen Daches bis
zum Nachmittag von der Sonne durchwärmt werden, namentlich da dasselbe mitgedreht und dadurch stets
in der wirksamsten Stellung zu den Sonnenstrahlen gehalten wird.
Die Nachtheile von (a) und (b) werden zu einem grossen Theile vermieden, wenn man, entweder wie
bei den in No. 2 des Bandes 1885 beschriebenen Untersuchungen auf dem Reservoir bei der Seewarte
geschah, die Thermometer in einem kleinen luftigen Blechgehäuse jeweils auf der Schattenseite eines
kleinen Gebäudes von geeigneter Form beobachtet, oder wie es 1858—64 unter Dr. Neumayer auf dem
Flagstaff-Observatorium zu Melbourne stattfand, dem drehbaren Gehäuse etwas grössere Dimensionen und
eine die Thermometer und den Boden darunter stärker schützende Gestalt ertheilt. Bei den letzteren
Beobachtungen wurde zudem das Gehäuse kurz vor der Ablesung in den Wind gedreht, um unbeeinflusste
Luft zu erlangen.
14. Da eine Konzentration der beobachteten Instrumente viele grosse Vortheile bietet, •— weil sie die
Gründung und Instandhaltung einer Station erleichtert, die Güte und Zusammengehörigkeit der Ablesungen
befördert und deren Deutung sicherer macht —, so ist die Zusammenlegung der Thermometer-Aufstellung