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Full text: 10, 1887

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Diese Aeuderung ist um so grösser, je langsamer die Luftbewegung, je länger der Weg ist, den die Luft 
in der Beschirmung bis zum Thermometer zurücklegt, und je mehr sie dabei mit dieser in Berührung ist. 
Nur in letzterer Hinsicht können grössere Beschirmungen einen Vortheil vor kleineren bieten, indem sie 
Aussicht bieten, bei zweckmässiger Einrichtung einen zentralen Luftstrom, dessen Theilchen mit den Wänden 
in keine Berührung kommen, auf das Thermometer zu leiten; diesem Vortheil stehen aber zwei — soeben 
und unter 4. erwähnte — Nachtheile der grossen Beschirmungen entgegen. Gehäuse, welche nur du 
Thermometer-Gefässe umhüllen, die Skalen aber herausragen lassen, verbinden bis zu einem gewissen Grade 
die Vortheile grosser und kleiner Gehäuse und lassen zugleich eine scharfe und bequeme Ablesung zu. 
Für deren Gebrauch ist es nothwendig, dass der Abstand zwischen dem Gefäss und dem unteren Ende 
der Skala ziemlich gross gemacht werde und dass dafür gesorgt werde, dass bei deutschen Thermometern 
die Kugel nicht von der Temperatur der im Einschlussrohr enthaltenen Luft beeinflusst werden könne. 
8. Will man nicht die „Temperatur der Luft unter den und den Umständen“, sondern eine zur 
Vergleichung der grösseren klimatischen Unterschiede verwendbare Grösse, die „klimatische Temperatur“, 
haben, so wachsen die Schwierigkeiten noch bedeutend. Die Antwort auf die Frage, welche Luft man als 
gute Probe hierfür zu nehmen hat, kann verschieden ausfallen. Allein folgende Gesichtspunkte werden 
wohl von den Meisten als richtig zugegeben werden. Ein horizontal bewegtes Lufttheilchen wird, besonders 
an einem sonnigen Tage, fortwährend an Oberflächen verschiedener Temperatur vorbeistreichen und dadurch 
in fortwährenden kleinen Schwankungen um eine Mitteltemperatur begriffen sein; je rascher seine Bewegung, 
desto kleiner werden aber diese Schwankungen sein, und je mehr der Ort, an welchem wir die Luft- 
Temperatur messen, mittlere Verhältnisse aufweist, desto weniger wird die Temperatur des Lufttheilchens 
zur Zeit seines Vorbeistreichens am Thermometer-Gefäss von dieser mittleren Temperatur abweichen. Es 
muss daher die Erneuerung der Luftmassen in der Nähe des Thermometers möglichst wenig behindert sein 
und es sind bei der Aufstellung die Extreme, wie sie z. B. die Nordwand und die Südwand eines ausgedehnten 
Gebäudes, namentlich in ihren Einbuchtungen, bieten, zu vermeiden. Als die zu suchende „klimatische 
Temperatur“ dürfen wir die Temperatur bezeichnen, welche sich bei vollständiger Mischung der Luft der 
betreffenden Schicht aus einem gewissen Landstrich ergeben würde und sich bei starker Luftbewegung 
— wenn keine vertikalen Bewegungen hiuzukommen —, auch wirklich mehr oder weniger nahe ergiebt. Um 
die „klimatische Temperatur“ richtig zu ergeben, muss die Umgebung des Thermometers dem vorherrschenden 
Charakter des Landes entsprechen, und die Gegend auf 1 km im Umkreis ein Abbild dessen sein, was die 
nächsten — sagen wir — 50 km im Umkreis darbieten. Wenn also die ganze Gegend bebuscht ist, so 
werden auch Gebüsche in der Nähe der Thermometer-Aufstellung durchaus zulässig sein, während die 
Anbringung der Thermometer in einem künstlich gezogenen Dickicht in einem sonst baumlosen Lande 
keine ganz richtige Vorstellung von dem Klima jener Gegend zu geben vermag. 
9. Da die Temperatur der untersten Luftschicht, in welcher wir leben, dem Obigen zufolge in 
bedeutendem Maasse von der Temperatur der festen Objekte bestimmt wird, welche sie berührt, so ist die 
Kenntniss der Temperatur-Verhältnisse solcher fester Körper, namentlich der von der Sonne getroffenen, 
höchst wichtig. Diese Verhältnisse sind bisher nur beim Erdboden näher untersucht, und nur als 
Annäherung dürfen wir die an diesem gewonnenen Ergebnisse auch auf feste in die Luft hineinragende 
Objekte anwenden. Diese Ergebnisse sind: dass die Temperatur der der Strahlung ausgesetzten festen 
Oberflächen stärker im Laufe des Tages schwankt, als die Temperatur der angrenzenden Luft, dass jedoch 
die Differenz vorwiegend in der grösseren Höhe des Temperatur-Maximums in der festen Oberfläche, viel 
weniger in einer Depression des Temperatur-Minimums besteht, so dass die Mitteltemperatur des festen 
Körpers in der Kegel um einiges höher, als die der umspülenden Luft ist. Die Tiefe, in welcher die 
Amplitude der täglichen Schwankung ebenso gross ist, wie in der untersten Luftschicht, ist noch nicht 
näher untersucht, scheint jedoch ca. 5 cm zu betragen; *) doch ist die Periode hier nicht dieselbe, wie in 
der Luft, sondern zeitlich verschoben und insgesammt auf einen etwas höheren Mittelstand bezogen. 
10. Von den beiden gegenwärtig am meisten gebrauchten Aufstellungsarten — (a) an der Nordwand 
eines Gebäudes und (2>) in einer Hütte resp. einem Holzgehäuse, das frei in der Sonne steht — stumpft 
*) Nach den direkten Beobachtungen in Nukuss; die Temperatur-Schwankungen nehmen danach gleich unter der Ober 
fläche schneller ab, als nach der Formel log — A—Bp; würde man nach dieser für Nukuss zwischen den Beobachtungen 
in 0.0 und 0.4 m Tiefe interpoliren, so erhielte man 10 cm, nach Stapff’s neuen Beobachtungen in SW-Afrika in 0.0 und 
0.31 m Tiefe 8 cm für jene Tiefe.
	        
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