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1885, Punkt 9), um sich unabhängig zu machen vom Einfluss der Gehäuse. Folgendes sind die so gefun
denen „Korrektionen der in Stevenson’s Gehäuse in Hongkong beobachteten Temperaturen“, in Fahren
heit-Graden; auf welche Weise die Maxima und Minima für das Rotations-Thermometer abgeleitet wurden, ist
nicht angegeben.
1885
1886
Juli
August
Septbr.
Oktbr.
Novbr.
Dezbr.
Jan.
Febr.
März
April
Mai
Juni
Jahr
10 h a. m.
-0.6
-0.6
-1.5
-1.7
-2.2
-1.9
-1.4
-0.4
-0.4
-0.6
-1.0
-0.9
—1.1
4' 1 p. m.
-0.4
-0.1
-0.4
-0.6
-1.1
-1.3
-1.1
-0.5
-0.5
-0.6
-0.8
-0.4
-0.6
10 h p. m.
+0.2
+0.2
+0.4
+0.3
+0.5
+0.4
+0.2
+0.1
+0.1
0.0
+0.1
+0.1
+0.2
Maximum
-1.3
-1.1
—1.9
-2.4
-3.3
-3.2
-2.5
-1.4
-1.6
-1.4
-1.5
-1.2
-1.9
Minimum
+0.5
+0.4
+0.8
+0.6
+0.9
+0.6
+0.6
+0.2
+0.2
+0.2
+0.4
+0.8
+0.5
„Das Tempei’atur-Maximum, welches in Stevenson’s Gehäuse erhalten wird,“ sagt Direktor Doberck,
„ist zu hoch, besonders in den Monaten, wo der Himmel vorwiegend klar ist. Im November und Dezember
wird die Korrektion hier noch etwas verstärkt dadurch, dass das Gehäuse vor nördlichen Winden etwas
geschützt ist. Die Korrektion ist um 10 h a. m. grösser als um 4 h p. m. wegen der grösseren Strahlung,
welche das Gehäuse erwärmt, denn das geschwärzte Thermometer erreicht seinen höchsten Stand gewöhn
lich um oder kurz vor Mittag. Die Minimum-Temperatur ist zu niedrig, wegen des grossen Ausstrahlungs-
Vermögens des Bleiweisses, mit dem das Gehäuse gestrichen ist, wodurch auch der starke Thau bedingt
wird, welcher so häufig auf dem Gehäuse sich findet. Die Temperatur um 10 h p. m. ist aus derselben
Ursache zu niedrig. Der Fehler in den Temperatur-Angaben ist indessen viel grösser während des Tages,
als in der Nacht, wegen der Konvektionsströme vom erhitzten Erdboden.“
Wie man sieht, hat sich namentlich um Wild’s Thermometerhütte und Stevenson’s Gehäuse eine
ganze Literatur entwickelt. Dennoch ist ein abschliessendes Urtheil selbst über diese noch immer nicht
möglich und wird noch manches Jahr vergehen, ehe die Wärme-Oekonomie, die Wärme-Einnahme und
-Ausgabe dieser Beschirmungen und der Thermometer darin in jedem Momente des Tages einigermaassen
sicher festgestellt ist. Die noch vorhandene Unsicherheit und der Mangel an Vergleichbarkeit trifft freilich
das zu klimatologischen Zwecken vorwiegend benutzte Tagesmittel nur wenig, wohl aber die tägliche Amplitude
und die Momentwerthe. Da die störenden Einflüsse mit der Annäherung an den Erdboden rasch zunehmen
— durch lokale Erwärmung und Erkaltung der untersten Luftschicht, durch Verringerung der Wind
geschwindigkeit und durch Strahlung vom Boden —, so ist caeteris paribus eine höhere Aufstellung über
dem Boden vorzuziehen; es ist darum durchaus zu billigen, dass in dem grossen nordamerikaniscben Beob
achtungsnetz eine Höhe von 3—6 m über der Unterlage, und nicht die in England festgehaltene Höhe von
nur 4 Fuss, neuerdings vorgeschrieben worden ist.
In den letzten Jahren sind auch am Preussischen Meteorologischen Institut umfassende Untersuchungen
über die Frage der Bestimmung der Lufttemperatur angestellt worden, einerseits durch etwa ein Jahr lang
dreimal täglich fortgeführte Vergleichung verschiedener Thermometer-Aufstellungen, andererseits durch Er
findung und Erprobung des Assmann’schen Aspirations-Thermometers. Die Resultate der ersteren Unter
suchung sind noch nicht veröffentlicht; ein Eingehen auf das Instrument des Hrn. Dr. Assmann ist für den
Zusammenhang der vorliegenden Untersuchung nicht nothwendig und liegt ausserhalb ihres Programms. *)
*) Während, des Druckes dieser Abhandlung erhalten wir das Werk von CI. Abbe: „Treatise on meteorological
Apparatus and Methods, Washington 1888“, welches als zweiter Theil des „Annual Report of the Chief Signal Officer for 1887“
erschienen ist. Nach Seite 81 und 84 dieses Werkes hat Fourier bereits 1817 die Berechnung der Lufttemperatur aus den
Angaben eines gewöhnlichen und eines geschwärzten Thermometers nach der Formel t a = —G) vorgeschlagen, wo
bei er c = l U annahm (Ann. de China. Nov. 1817). Offenbar nur durch Druckfehler schreibt Verfasser diese Formel auf S. 84
ta = ti — c (ta — b) und defmirt er ebenda c als annähernd gleich ———, da nach der vorhergehenden Entwicklung c = kv ———•
— ct<l Ct\ — ü2
sein muss, worin cii und «2 die Absorptions-Koeffizienten der betr. Thermometer und lc der Koeffizient der Abkühlung durch
Konvektion für die Einheit der Luftgeschwindigkeit v ist, welches lc hier für beide Thermometer, da die Kugeln nach Grösse,
Form und Material gleich sein sollen, als gleich vorausgesetzt ist. Dieselbe Beobachtungs-Methode soll von CI. Abbe
in Pulkowa 1865 angewandt worden sein und ist von ihm in der Sitzung der Philosophical Society of Washington vom
24. März 1883 (vgl. deren „Bulletin“) in ihrer Anwendung auf feste und auf geschleuderte Thermometer beschrieben worden,
also vor Aitken und Hazen.