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6) Martin’s Beschirmung giebt nur in den eigentlichen Sommermonaten höhere, sonst fast dieselben
Maxima, wie die geschlossenen, seine Minima aber sind gewöhnlich sogar höher als in den letzteren.
7) Die Aufstellung an einer Hauswand (ausser wenn sie von direkten Sonnenstrahlen getroffen wird)
ist träge, und ihre Maxima sind erheblich tiefer, ihre Minima bedeutend höher, als jene der im Freien
stehenden Beschirmungen.
„Es schien wahrscheinlich,“ sagt Mr. Gaster, „dass diese Unterschiede nicht durch Trägheit in der
Registrirung wirklicher Aenderungen der Lufttemperatur auf Seiten der geschlossenen Beschirmungen bedingt
sind, und zwar aus folgenden Gründen:
1) Wenn die Wirkung der Sonne gering ist (im Winter und Spätherbst), stimmen die Ablesungen in
den geschlossenen Beschirmungen viel besser mit jenen in den offenen, als im Sommer.
2) „Die während dunkler Wintertage vorkommenden grossen und plötzlichen Schwankungen in der
Lufttemperatur scheinen (so weit diese Beobachtungen reichen) von den geschlossenen Beschirmungen ebenso
richtig wiedergegeben zu werden, wie von den offenen.
3) „Im Verhältniss, wie die täglichen Wirkungen der Sonnen- und Erdstrahlung wachsen, nehmen
auch die Divergenzen zwischen den Beschirmungen zu.
„Da es nun die Instrumente in den offenen Beschirmungen sind, welche am meisten der Strahlung und
Reflexion von Wärme unterliegen, so komme ich zu dem Schluss, dass es die ersteren sind, welche fehlen,
indem sie eine zu grosse Temperatur-Amplitude angebeu, nicht die letzteren durch Angabe einer zu kleinen.
.... „Es soll jedoch selbst von dem Stevenson-Gehäuse, keinen Augenblick behauptet werden, dass
dasselbe Alles biete, was man wünschen kann. Im Gegentheil liegen zwei Thatsachen vor, welche bedeu
tende Zweifel in seiner Genauigkeit erzeugen. (‘) Beim Vergleichen der Zahlentabellen sieht man, dass die
mittleren Maxima auf dem Glaisher’sclien Stand jene im Stevenson-Gehäuse um einen grösseren Betrag
übertreffen, wenn der Himmel bedeckt ist, als wenn er klar ist; und dieses scheint zu zeigen, dass, während
das Stevenson-Gehäuse wegen mangelhaften Luftwechsels bei trübem Wetter das wahre Maximum nicht
erreicht, diese Wirkung hei Sonnenschein maskirt wird durch einen gewissen Betrag von Durchwärmung
der Luft in diesem Gehäuse. ( 2 ) Es zeigt sich aus denselben Tabellen, dass die am Glai sh er’schen Stand
abgelesenen Minima zu allen Jahreszeiten und bei jedem Wetter niedriger sind, als jene im Stevenson-
Gehäuse. Dies kann wohl kaum das Resultat übermässiger Strahlung sein, mindestens nicht, wenn der
Himmel bedeckt ist; und man ist daher versucht, anzunehmen, dass es von ungenügender Zirkulation der
Luft*) durch den Stevenson herrühre. Es scheint dennoch, dass das Stevenson’sche Gehäuse und jenes
von Kew weniger Mängel haben, als die anderen, und dass das Stevenson’sclie, obwohl etwas klein, das
im Ganzen geeignetste und allgemein verwendbarste ist.
„Auf Grund einiger eigener Versuche glaube ich, dass seihst Stevenson’s Gehäuse hei heiterem
warmem Sommerwetter höhere Maxima giebt, als die wahre Lufttemperatur erreicht hat; über die Minima
kann ich zur Zeit nichts sagen. Es scheint zudem sehr wahrscheinlich, dass ein gewisser Betrag von
Wärme hei solchem Wetter vom Boden zurückgeworfen wird und die Thermometer sowohl in Stevenson’s,
als im Kew-Gehäuse zu hohe Temperaturen angeben lässt . . . .“
„Ich fühle, dass diese Untersuchung den Gegenstand in einem unbefriedigenden Zustand zurücklässt.
Wir wissen selbst jetzt nicht, wie weit v.on der Wahrheit die Ablesungen an irgend einer Beschirmung
sind, sondern nur, wie weit sie von einem gewissen Vergleichswerthe abweichen, welchen selbst wir für
etwas fehlerhaft ausehen. Ein erfreuliches Resultat indessen zeigt sich, und das ist: dass, wenn die Be
schirmungen ähnlich aufgestellt sind, die Tagesmittel der Temperatur an den offenen und den geschlossenen
nur ganz unerhebliche Differenzen zeigen.“
Die Hütten von Stevenson und von Wild unterscheiden sich weniger im Prinzip, als in der Grösse;
jedoch auch darin, dass bei Wild ein inneres Blechgehäuse vorhanden ist, die äussere Holzbeschirmung
aber nach N und nach unten offen ist. Ein Vergleich zwischen diesen beiden Aufstellungen ist zu Kew
1V-2 Jahre lang (Juni 79 bis November 81) durchgeführt und kürzlich (1888), von Whipple diskutirt, ver
öffentlicht worden (S. Quart. Weather Report 1880, App. II). Die Wild’sche Hütte wurde nach den Angaben
im Rep. 6 ausgeführt. Gleichzeitig wurde auch die einfache Beschirmung geprüft, welche Hr. W. DeLaRue
für Leuchtschiffe vorgeschlagen hat: ein doppeltes Schild von Zinnblech, unter welches die Thermometer
*) Resp. überhaupt Zurückhaltung der Wärme oder des Wärmemangels. W. Ii.