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umgekehrt werden, und der Zugkamin sich unterhalb des Thermometers befinden, da in der Nacht die
Strahlung einen fallenden Luftstrom im Rohr bewirkt.
In seinem letzten Vorschlag (Proc. 17. Januar 1887, Seite 62) verzichtet Aitken auf den Zugkamin
und überlässt die Erneuerung der Luft am Thermometer den horizontalen Luftströmungen. Dieses durch
Fig. C dargestellte Gehäuse hat Aehnlic.hkeit mit dem von mir vor einigen Jahren empfohlenen (siehe
oben, S. 5, d. e.), besteht jedoch nicht aus Metall, sondern aus Holz. Wenn die Strahlen der tiefstehenden
Sonne nicht bereits durch ferne Gegenstände abgehalten werden — was vorteilhafter ist — so sollen sie
durch die schrägen Schirme o o verhindert werden, das untere Gehäuse zu treffen; da diese Schirme aber
die Luftzirkulation etwas behindern, so meint Aitken, dass das Gehäuse vielleicht zu anderen Tageszeiten
ohne sie besser wirken werde. In der ziemlich nach allen Richtungen hin von Räumen umgebenen
Lokalität, wo Aitken seine Versuche anstellte, wurden die Angaben des Thermometers in diesem Gehäuse
nicht merklich verändert, wenn auch das ringförmige Holzstück um die Thermometer-Kugel entfernt wurde.
Stets zeigte das Gehäuse C bei Sonnenschein um 0.2° bis l.o° C. niedrigere Temperaturen, als die möglichst
vergleichbar in der Nähe aufgestellten Stevenson-Gehäuse. Von letzteren waren zwei aufgestellt mit
beweglichem Roden, sodass bald das eine, bald das andere ohne Boden beobachtet wurde. Es zeigte sich,
dass der Ueberschuss des letzteren über das Gehäuse C etwa doppelt so gross war, als jener des ersteren,
sodass also in diesen Fällen der Bretterboden des Gehäuses einen ausgesprochen günstigen Einfluss auf
die Angaben hatte, trotzdem die Versuche spät im Jahre, vom 15. September bis Ende November, angestellt
wurden. Die meisten der Vergleichungen beziehen sich übrigens nur auf die täglichen Maxima nach
Extrem-Thermometern; auf die Prüfung der Instrumental-Fehler war grosse Vorsicht verwendet worden.
Der Unterschied zwischen den Ste venso n’sehen Gehäusen mit und ohne Boden zeigte sich nicht nur au
klaren, sondern auch an trüben Tagen. Am 25. September war der Himmel ganz bedeckt mit einer dicken
Wolkenschicht; dennoch war die Temperatur der Gras - Oberfläche volle 12° F. höher als die der Luft f! ?)
und der Stand des Thermometers im offenen Gehäuse 0.5° bis 0.6° F. höher als in jenem mit Boden.
Was den Unterschied der Stevenson-Gehäuse gegen das Gehäuse Fig. C und gegen das versilberte
Thermometer betrifft, so meint Aitken, dass derselbe im Winter nicht selten eben so gross sein dürfte,
als im Sommer.*) Die Diathermansie der Luft und also die Intensität der Sonnenstrahlung bei gleich
hoher Sonne sei im Winter viel grösser, und ebenso die Ruhe der Luft an geeigneten Tagen eine weit
vollständigere. Der Fehler in den Thermometer-Angaben werde jedoch in dieser Jahreszeit wesentlich
durch die Bestrahlung der Jalousie-Wände und nur wenig durch Strahlung vom Boden bewirkt.
Gleichzeitig mit den Thermometern in den Gehäusen wurde auch dasjenige mit versilbertem Gefäss
abgelesen; seine Angaben waren mit jenen des Thermometers im Gehäuse C fast identisch, nur folgte es
den Aenderungen der Temperatur-rascher. Mit dieser Frage der „Inertia“ beschäftigt sich Aitken etwas
eingehender auf Seite 54—61 seines vierten Artikels. Das Resultat ist ein wenig erfreuliches, während er
in seinem ersten Artikel (Seite 664) noch die Abstumpfung aller raschen Temperatur-Aenderungen durch
die Gehäuse als zwar unvermeidlich, aber wenig bedenklich bezeichnet hatte.
Als Mittel zur näheren Bestimmung der wahren Luft-Temperatur und zu Vergleichungen mit den
Gehäusen hat Aitken, neben der Verwendung des mehrfach erwähnten Thermometers mit versilberter
Kugel auch den kräftigen Luftstrom eines Zentrifugal-Gebläses (fan apparatus) und auch vorübergehend
das Schleuder-Thermometer (sling thermometer)**) angewandt. Beim Schleudern eines Thermometerpaares
mit gewöhnlicher und mit versilberter Kugel in der Sonne fand er, dass das gewöhnliche Thermometer
mindestens I o F. höher zeigte, als das versilberte; das letztere zeigte dabei nur eineu Bruchtheii eines
Grades höher, als das aspirirte Thermometer im Schatten; da auch das Letztere wohl etwas über der
Lufttemperatur stand, so schätzt Aitken den Fehler des gewöhnlichen Schleuder-Thermometers in der
Sonne auf U/z —2° F. (also I o C., wie auch wir ihn oben Seite 26 gefunden haben). Fernere Experimente
zeigten, dass das Schleudern in der Sonne minder gute Angaben liefert, als das Aufhängen eines Thermo
meters im Schatten, selbst wenn der Wind nur leicht ist; höchstens bei ganz stillem Wetter könnte die
*) Proceed. Januar 1887, S. 74—77. Derselbe war im Mittel aller heiteren Tage im Dezember noch +1.4° F. (ib. S. 81).
**) Ucber dem ursprünglichen französischen Namen dieses Instruments —• thermomètre-fronde — waltet ein gewisser
Unstern. Herr Aitken nennt dasselbe (Proc. 1883/84, S. 668, 689) „Froude“, und Herr Wild bezeichnete es im Reper
torium VI, No. 9, konsequent als ..thermomètre h frond“. Das in der Geschichte berühmt gewordene Wort fronde bedeutet
eine Schleuder.