accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext : 10, 1887

33

Lager  heisser  Luft,  welches  vom  Winde  entlang  getrieben  wird  und  durch  seine  unvollständige  Mischung
mit  der  kühleren  Luft  darüber  zu  einer  Reihenfolge  kalter  und  warmer  Luftmassen  Anlass  giebt.  Die  von
vertikalen  Oberflächen  absorbirte  Strahlungswärme  vertheilt  sich  über  eine  viel  mächtigem  Schicht  und
wird  leichter  und  vollständiger  von  der  vorbeistreichenden  Luft  aufgenommen.  Ebenso  sollen  diese
Schwankungen  auf  dem  Ben  Nevis  fehlen.  —  Aitken  glaubt  deshalb,  dass  die  kurzen  Schwankungen  des
Thermometers  von  kalten  und  warmen  Luftmassen,  und  nicht  von  Aenderungen  in  der  Strahlung  herrühren.*)
Doch  muss  hervorgehoben  werden,  dass  diese  Schwankungen  bei  einem  frei  in  der  Sonnenstrahlung
hängenden  Thermometer  nach  meinen  Beobachtungen  bedeutend  mehr  hervortreten,  als  bei  einem  solchen  im
Schatten;  dies  kann  theilweise  davon  herrühren,  dass  in  so  ziemlich  jeder  Schattenaufstellung  das  Thermometer ­
  mehr  von  festen,  ihre  Temperatur  langsam  ändernden  Körpern  beeinflusst  wird,  als  in  der  Aufhängung
an  dem  zwischen  entfernten  Objekten  ausgespannten  Draht  in  der  Sonne;  allein  ein  Theil  dieses  Unterschiedes
dürfte  doch  jedenfalls  dem  Umstande  zuzuschreiben  sein,  dass  das  so  empfindliche  Gleichgewicht  eines
bestrahlten  Thermometers  sowohl  von  Aenderungen  in  der  Temperatur  der  umspülenden  Luft,  als  von
solchen  in  der  Strahlung  und  der  Windgeschwindigkeit  beeinflusst  wird.
Die  weiteren  Versuche  Aitkens  beschäftigten  sich  vorwiegend  mit  der  Wirkung  der  Beschirmungen
auf  das  Thermometer.  Wenn  das  Thermometer  am  unteren  Ende  eines  als  Zugkamin  wirkenden,  von  der
Sonne  beschienenen  eisernen  Rohres  angebracht  wurde,  so  zeigte  es  offenbar  zu  hohe  Stände,  obwohl  dieses
Ende  äusserlich  mit  Holz-Jalousien  beschattet  und  innerlich  mit  mehreren  konzentrischen  Röhren  aus
schlechten  Wärmeleitern  versehen  war,  durch  deren  Zwischenräume  Luft  hindurchstrich.  Die  Ursache
dieser  zu  hohen  Angaben  sieht  Aitken:  1)  in  der  Wärme,  welche  vom  Gehäuse  empfangen,  von  Rohr  zu
Rohr  weitergestrahlt  und  von  der  durchstreichenden  Luft  nur  unvollständig  weggenommen  wird;  und  2)  in
der  Wärmestrahlung  durch  das  offene  untere  Ende  des  Mittel-Rohres.  Was  die  letztere  betrifft,  so  fand
Aitken  (II,  S.  632),  dass  die  Einführung  kleiner  Schirme  in  das  Rohr  unterhalb  des  Thermometers  die
Angaben  in  diesem  Gehäuse  nicht  verbesserte;  die  eintretende  Luft  schien  ebensoviel  durch  die  Schirme
erwärmt  zu  werden,  wie  die  Thermometer-Kugel  durch  die  direkte  Strahlung.  Den  'erster  en  Einfluss
dagegen  suchte  Aitken  durch  Anwendung  poröser  Schirme  und  einer  zentrifugalen  Bewegung  der  Luft
aufzuheben  (ib.  S.  633).  Diese  Versuche  stellte  Aitken  im  Laboratorium  an  mit  Hülfe  eines  Zugkamins,
dessen  unterster  Theil  doppelwandig  ist  und  durch  warmes  Wasser  auf  einer  hohen  Temperatur  gehalten
werden  kann,  während  im  oberen  eine  Lockflamme  die  Luft  ansaugt.  Die  Kugel  des  Thermometers  ist
von  einem  inneren  Gehäuse  umgeben,  welches  aus  mehreren  Lagen  eines  Gewebes  besteht;  alle  Luft,
welche  in  den  Zugkamin  gesogen  wird,  tritt  zuerst  in  den  Innenraum  dieses  Gehäuses  und  passirt  durch
die  Maschen  dieser  Gewebe  in  die  äussere  Umhüllung  resp.  in  den  Kamin.  Während  also  bei  der  ersten
Einrichtung  die  Luft  längs  den  Hüllzylindern  dahinstrich,  so  dass  sie  an  deren  oberem  Theile  schon
erwärmt  ankam,  kann  hier  die  erwärmte  Luft  nur  auf  die  äusseren  Hüllen  wirken,  da  sie  durch  die  Hüllen
nach  aussen  durchgesogen  wird.  Die  Erwärmung  des  Gewebes  ist  gering,  weil  das  Volumen  des  einzelnen
Fadens  minimal  ist.  Dieser  Apparat  gab  im  Laboratorium  sehr  gute  Resultate:  wenn  die  äussere  Metall-Hülle
  durch  Wasserdampf  auf  100°  gehalten  wurde,  so  genügten,  als  diese  Hülle  aus  blankem  Metallblech
bestand,  1  Lage  Drahtgeflecht  oder  2  Lagen  Musslin,  um  die  Angaben  des  Thermometers  bis  auf  0.2°  der
Lufttemperatur  zu  nähern,  während  es  ohne  solchen  Schutz  6°  über  der  letzteren  stand.  Da  nun  die
Erhaltung  des  Gehäuses  in  blankem  Zustand  auf  die  Dauer  nicht  möglich  ist,  so  entschloss  sich  Aitken,
den  Versuch  unter  möglichst  ungünstigen  Verhältnissen  anzustellen,  und  strich  die  Innenseite  der  Metall-Hülle
  schwarz  an.  Jetzt  stellten  sich  die  Differenzen  so:

0

1

Musslin

18.2

7.5

Eisendraht-Netz

18.7

10.3

Messingdraht-Netz..  .

18.9

10.6

Baumwolle  (Watte?)  .

18.6

0.0

Zahl  der  Schichten.

2

4

8

12

16

4.0

0.35

—

0.0

.—

7.2

2.7

0.6

0.05

0.00

6.4

2.5

0.4

0.05

0.00

(üeberschuss  über  die
Lufttemperatur  in
Fahrenheit-Graden.)

*)  proceed.  17.  Januar  1887,  S.  57,  äussert  Aitken  die  Ansicht,  dass  auch  die  kurzen  Schwankungen  in  den  Angaben
des  Bolometers,  welche  Langley  auf  dem  Mt.  Whitney  fand,  aus  dieser  Ursache  und  nicht  aus  Schwankungen  in  der
Strahlung  zu  erklären  seien.

Archiv  1887.  2.

5
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.