32
welche entsteht, wo der Luftstvom zuerst den Körper trifft, au der Oberfläche vorbei und bildet gewisser-
maasseu eine warme schützende Hülle für alle Theile der Oberfläche, die leewärts von diesem Punkt in
geringer Entfernung liegen. Zweifellos wird diese warme Luftschicht an Dicke zunehmen während ihres
Streichens über eine grosse Oberfläche, aber dieses Dickenwachsthum wird, nachdem eine sehr kleine
Entfernung durchlaufen ist, höchst gering; dieses habe ich in meinen letzten Beobachtungen über Staub
festgestellt. “
Um die Richtigkeit dieser Betrachtung zu prüfen, stellte Herr Aitken folgendes Experiment au:
drei Zinnbüchsen, deren Durchmesser */2, 2 und 4 Zoll betrugen, während die Länge übereinstimmend
8 Zoll war, und welche gleichmässig schwarz angestrichen waren, wurden mit je einem Thermometer darin
unter dem Schattendach angebracht; daneben wurden ein geschwärztes und ein blankes Thermometer
gehängt. Die gleichzeitigen Angaben dieser Thermometer waren in drei Beispiels-Fällen wie folgt:
blankes
schw.
Vi zoll. '
2 zöll.
4 zöll.
Therm.
Therm.
Büchse
Büchse
Büchse
( 67
68
69.5
71.3
74.1° F.
Schatten *
\ ?!
72
74.2
76
79 „
Sonne
78
80.5
84
89.5
95 „
Die Resultate waren nicht wesentlich anders, ob die Instrumente im freien Felde oder an einem mehr
geschützten Platze hingen, und ob die Büchsen mit Luft oder mit einer Flüssigkeit gefüllt waren. Als
Herr Aitken ein Thermometer in ein dickes Holzstück so einkittete, dass das Gefäss unmittelbar an der
Oberfläche lag, und diese dann schwärzte, stieg dasselbe in der Sonne auf 105° F., während das freie
Thermometer mit geschwärzter Kugel nur auf 78° stieg — was Herrn Aitken Veranlassung giebt, jene
Kombination als ein billiges Radiations-Thermometer vorzuschlagen. Auch an trüben und sonnenlosen
Tagen steht dies Instrument 10—15° F. über der Lufttemperatur.
In diesen Umständen liegt nach dem Verfasser auch die Erklärung dafür, warum der in der Luft
schwebende Staub im Brennpunkt einer Linse nicht verbrennt, und kleine Insekten in der grössten Sonnen-
gluth flattern, wenn andere Thiere Schatten suchen; doch können wir den Einwand nicht unterdrücken,
dass in diesen beiden Fällen die betr. kleinen Körper von der Luft getragen werden und also der Luft
wechsel an ihrer Oberfläche — so weit es sich um Massenbewegung handelt — nicht gross sein kann.
Ein feines Thermometer, dessen Gefäss bei 55mm Länge nur 2—3 mm Durchmesser hat, zeigte in
der Sonne etwa 1° F. höher, als ein beschattetes und künstlich ventilirtes Thermometer, und V2 0 niedriger,
als ein daneben hängendes Thermometer „von gewöhnlichen Dimensionen“. Wenngleich Aitken glaubt,
dass durch weitere Verkleinerung des Gefässes der erstere Unterschied noch weiter verringert werden
könne, zieht er aus folgender Betrachtung den Schluss, dass derselbe bei Thermometern der gewöhnlichen
Art nie zum Verschwinden gebracht werden könne. Die strahlende Wärme werde nicht nur an der Ober
fläche, sondern in der ganzen Dicke des Glases absorbirt, die Wärme der inneren Theile des Glases könne
aber nur durch Rückleitung bis zur Oberfläche an die Luft abgegeben werden. Die natürliche Konsequenz
dieser Ueberlegung war: die Oberfläche mit etwas zu bedecken, wodurch die strahlende Wärme nicht
durchdringen kann und welches dieselbe wenig absorbirt; hierzu bot sich naturgemäss das Silber dar. —
Herr Aitken bedeckte daher das Gefäss und einen Theil des Schaftes jenes Thermometers mit einem
Niederschlag von Silber aus einer Nitratlösung. Das Ergebniss war ein sehr zufriedenstellendes. Im
Zimmer stieg das versilberte Thermometer im Sonnenschein nur um ‘/2 bis 1° F. über die Temperatur der
Luft, während das gewöhnliche Thermometer daneben 4 bis 4 72° F. Ueberschuss hatte. Sogar wenn man
das gewöhnliche Thermometer beschattete, zeigte es, durch die indirekte Strahlung, höher als das versilberte
im Sonnenschein. Natürlich war es indessen auch hierbei sehr schwierig, die wahre Luft - Temperatur
festzu stellen.
Mit diesem empfindlichen Thermometer traten die fortwährenden Oscillationen sehr deutlich hervor,
welchen die Luft-Temperatur unterliegt. In seiner letzten Mittheilung bemerkt Aitken, dass diese schnellen
Schwankungen im Winter (im Schatten) fast ganz fehlen, was er der anderen Art der Wärme Wirkung der
Sonne auf die Luft in dieser Jahreszeit zuschreibt. Wenn die Sonne tief steht, so wird der Boden nur
wenig von ihren Strahlen erwärmt, und es findet sich an seiner Oberfläche nicht, wie im Sommer, ein