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fallenderweise bringt er keine Beobachtungen aus der warmen Tages- und Jahreszeit bei. Wie weit dies
Resultat von der verschiedenen mittleren Windstärke bei verschiedenen Bewölkungsgraden beeinflusst ist,
lässt sich nicht entscheiden.
Wir wenden uns nun zunächst der Reihe von Abhandlungen zu, welche Prof. Aitken in den Schriften
der „Royal Society of Edinburgh“ veröffentlicht hat. Es sind dies folgende:
John Aitken: Thermometer-Sereens. Proceedings of the R. Soc. of Edinburgh. Part I in
Session 1883—1884, p. 661 — 676; P. II ibid. p. 676—696; P. III in Session 1885—1886, p. 632—642;
P. IV in Session 1886—1887, p. 53—84, Addition ibid. p. 428—432.
In diesen vier Abhandlungen hat der scharfsinnige schottische Gelehrte die Ueberlegungen und Ex
perimente geschildert, welche er während der Jahre 1883—1887 in der schwierigen Frage des Schutzes der
Thermometer vor strahlender Wärme angestellt hat. Dieselben sind so reich an instruktiven Einzelheiten,
und die Phasen, welche die Untersuchung während der vier Jahre durchgemacht hat, sind so mannigfaltige,
dass das Referiren darüber keine leichte Aufgabe ist. Ich will indessen versuchen, die Hauptpunkte dem
Leser vorzuführen.
Durch die ganze Untersuchung ziehen sich, mehr oder weniger zusammenhängend, zwei Richtungen
hin, deren eine auf die Zerlegung der Wirkungen, denen ein von Strahlung getroffenes Thermometer
unterliegt, in ihre einzelnen Elemente, deren andere auf die Ausfindung eines praktischen Thermometer-
Schutzes gerichtet ist. Wir halten die erstere Richtung im gegenwärtigen Stadium der Frage für die
besonders wichtige, umsomehr, als in derselben fast Niemand arbeitet; wir wollen uns zunächst diesem
Theil der Untersuchungen von Aitken zuwenden.
In dem höchst wichtigen Schluss-Abschnitt des ersten Theiles (Seite 668—676, gelesen am 2. Juni 1884)
behandelt Herr Aitken die Temperatur von Körpern verschiedener Grösse. „Nehmen wir an, der Himmel
sei mit einer dicken und gleichförmigen Wolkendecke bedeckt, eine frische Briese wehe, und die Temperatur
sei seit einiger Zeit konstant gewesen; unter diesen Bedingungen hat die Oberfläche aller Körper in der
freien Luft, mögen sie gross oder klein sein, ungefähr dieselbe Temperatur. Nun möge der Himmel auf
klaren und heller Sonnenschein eintreten. Das Temperatur-Gleichgewicht ist bald zerstört und die Ober
flächen verschiedener Körper nehmen rasch verschiedene Temperaturen an, alle werden dabei mehr oder
weniger wärmer als die Luft. Der Grad, bis zu welchem die verschiedenen Körper erwärmt werden, hängt
ab von 1) ihrer Exposition gegen die Sonne, 2) ihrer Exposition gegen den Wind, 3) der Absorptions-
Fähigkeit ihrer Oberflächen für die Wärme, 4) ihrer Leitungs-Fähigkeit und 5) ihrer Wärmekapazität.
Aber ausser diesen Umständen hat, wie ich finde, die Grösse des Körpers, oder vielmehr die Ausdehnung
seiner Oberfläche, einen sehr -wesentlichen Einfluss. Diese Bemerkungen beziehen sich auf Körper, die sich
im Schatten befinden, so gut wie auf jene im Sonnenschein.“
Auf diesen Einfluss wurde Herr Aitken zuerst aufmerksam, als er einen engen metallenen Zugkamin
aufgestellt hatte, dessen unteres Ende 1 Fuss unter ein hölzernes Schattendach hinabreichte. Wenn er
das Thermometer in dieses Rohr hineinzog, zeigte es stets etwa I o F. höher, als wenn seine Kugel heraus
hing; wurde der Luftzug im Kamin abgesperrt, so stieg die Differenz auf 2° F. Dass dies nicht die Wirkung
der Strahlung oder Leitung vom oberen, besonnten (2 Fuss langen) Theil war, wurde dadurch festgestellt,
dass ein Erhitzen dieses Theiles durch eine Flamme im Zimmer die Angaben des Thermometers nicht
erhöhte. Da auch die Absorption der blanken Metalloberfläche des Rohres nicht wesentlich grösser sein
konnte, als jene des Thermometer-Gefässes, so blieb zur Erklärung jener Differenz nur die verschiedene
Grösse beider Körper — Rohr 3 Zoll, Thermometerkugel ‘/4 Zoll im Durchmesser — übrig.
„Wenn die Sonne scheint, werden alle Gegenstände, die ihren Strahlen ausgesetzt sind, erwärmt, und
strahlen ihrerseits Wärme nach allen Richtungen aus. Alle Oberflächen, auch wenn sie beschattet sind,
erhalten also einen grossen Betrag strahlender Wärme; und wenn diese Wärme nicht von der Luft weg
getragen würde, so würden die Oberflächen im Schatten nahezu dieselbe Temperatur annehmen, wie jene
im Sonnenschein. — Nun gehört nur wenig Ueberlegung dazu, um einzusehen, dass die Luft viel rascher
die Wärme fortführen kann von kleinen Oberflächen, als von grossen. Wenn ein Luftstrom in Berührung
kommt mit einer heissen Oberfläche, so wird die Luft dort, wo sie die Oberfläche zuerst berührt, schnell
erwärmt, und eine Haut oder Schicht warmer Luft wird an dieser Oberfläche gebildet. Ist der Körper
klein, so wird diese Schicht schnell fortgeschwemmt und macht sie Platz einer neuen kalten Schicht,
welche ihrerseits weitere Wärme entzieht; an einem grossen Körper aber streicht die heisse Lufthaut,