28
jedoch zum Theil grosse Fabriken enthalten; nur der sogenannte „Galeerenhafen“ ist ein ziemlich zusammen
hängender Häuserkomplex.
Die Temperatur war im Mittelpunkt der Stadt, mit wenigen Ausnahmen,*) stets höher, als am
Physikalischen Zentral-Observatorium, und zwar betrug der durchschnittliche Ueberschuss in °C:
Thermometer im Gehäuse freies Thermometer
10“
5 P
IO?'
Min.
10®
5 P
iop
21.—28. Februar
1.2
0.6
—
0.8
1.3
0.6
—
1.—31. März
1.4
0.8
1.2
1.1
1.9
1.1
1.7
1.—29. April
1.5
1.6
1.4
2.8
2.1
1.8
1.4
1,— 9. Juni
2.1
—
1.8
1.5
—
—
—
Die Thermometer-Angaben einer im
Innern
der
Stadt
gelegenen Station,
unter nicht ungünstigeren
Bedingungen, als sie sich auf vielen
durch
ihr Alter
und die Bearbeitun
g, die
ihren Resultaten zu Theil
geworden ist, sehr wichtigen meteorologischen Stationen finden, weichen also im Mittel um mehr als 1 Grad
von jenen einer am Rande der Stadt gelegenen Station ah, und zwar nimmt der Unterschied vom Winter zum
Sommer zu, so dass in Gegenden mit stärkerer Sonnenstrahlung und schwächerer Luftbewegung der
Unterschied noch grösser zu erwarten ist — wie dieses auch die neueren Beobachtungen zu Calcutta erweisen.
Nach den neueren gleichzeitigen Beobachtungen am Physikalischen Zentral-Observatorium und an
dem, von einem Stadteinfluss so gut wie ganz freien, Filial-Observatorium in Pawlowsk ist aber die am
Physikalischen Zentral-Observatorium gemessene Temperatur im Allgemeinen erheblich höher, als diejenige
auf dem freien Lande. Allerdings ist, bei der bedeutenden Entfernung der beiden Stationen, ein Theil des
Unterschiedes nicht dem Einfluss der Stadt, sondern der verschiedenen Lage zum Finnischen Meerhusen
zuzuschreiben, dessen Wirkung das Physikalische Zentral-Observatorium weit mehr exponirt ist, als
Pawlowsk. Da aber das letztere direkt südlich von Petersburg gelegen ist, so sollte es mindestens im
Jahresmittel nicht kühler sein als Petersburg, was doch die Beobachtungen thatsächlich ergeben. Im
siebenjährigen Mittel 1878—84 ist die Jahres-Temperatur der Station „Petersburg“ 4.1, die der Station
„Pawlowsk“ 3.4 (beides Mittel aus 7, 1, 9> l ) und beträgt der Ueberschuss der ersteren im Einzelnen während
der ersten Jahreshälfte (in welche ja die Vergleiche von 1873 fallen):
Januar
Februar
März
April
Mai
Juni
7» a. m.
"”(L7
~o/f~
~’o.l~
l h p. m.
0.3
0.2
0.0
—0.4
—0.7
—0.3
9 h p. m.
0.6
0.7
1.0
1.1
0.8
1.4
Der im Frühling und Sommer abkühlende Einfluss des Meeres streitet in diesen Zahlen mit dem stets,
und besonders in der wärmeren Jahreszeit, erwärmenden Einfluss der Stadt, und hat im Mai die Oberhand.
Das Zentrum der Stadt scheint im März, wo dieser Einfluss etwa neutral ist. ungefähr 2° C. wärmer zu
sein, als die ländliche Umgebung.
d) Vergleichende Temperatur-Beobachtungen in Eimsbüttel
und an der Seewarte im Jahre 1878—79.
Um einen Beitrag zum Studium der Lokal-Einflüsse
auf die Lufttemperatur zu liefern, habe ich mit Unter
stützung von meiner Frau ein Jahr lang die Angaben
eines Psychrometers aufgezeichnet, welches vor dem nach
NE gerichteten Fenster eines ungeheizten Raumes unserer
Wohnung, Eimsbütteler Chaussee 64 II, 10 m über dem
Boden, in dem kleinen Blechgehäuse d (S. 5) aufgestellt waren,
und zwar um 8“, 2 P und 8 ?) , jedoch mit vielen Lücken..
Die beistehende Skizze veranschaulicht die Lage des Beob
achtungspunktes. Die jetzt völlig verbaute Umgebung war
*) Die bedeutendste Differenz —2.2° ist am 22. Februar abends; es war plötzlich SW mit Tbauwetter eingetreten,
während in der Stadt die kalte Luft noch stagnirte.