27
Thermometer-Ablesungen in der nächsten Umgebung des Wohnhauses angestellt. Die erwähnte Beobachtungs
reihe war grösstentheils an einem Thermometer gewonnen, das in einem kleinen, kaum 2 cm tiefen und
nach vorn nur durch Draht geschlossenen Holzrahmen nur 1 cm von der steinernen NNW-Mauer des Hauses
entfernt, angebracht war, zum kleineren Theile an einem Fenster der WSW-Seite desselben Wohnhauses.
Im folgenden Täfelchen sind diese Lagen mit a und c bezeichnet; die Rubrik b wurde vor einem Fenster in
nächster Nähe des Kästchens a an derselben NNW-Wand gewonnen; d an einem Thermometer auf der
Schattenseite des Eckpfostens einer offenen Veranda an der Ostecke eines anderen Hauses, welche von
einer einzeln stehenden Eiche beschattet ist; e endlich an einer etwas vorspringenden Stelle des allgemeinen,
ziemlich steil nach Südost abfallenden Hanges, an dem beide Häuser liegen, im luftigen Eichenschatten,
in einem improvisirten Gehäuse von ca. 35 cm Höhe und 25X25 cm Querschnitt, welches ich aus einem
Blechkasten durch vielfaches Durchschneiden und jalousieartiges Abbiegen der Wände hergestellt hatte.
Diese letztere Aufstellung hielt ich für die beste und auch im folgenden Täfelchen sind die übrigen Daten
in Abweichungen von e angegeben; jedenfalls war die Aufstellung die am wenigsten lokal beeinflusste von
allen, wenn auch vielleicht die Temperaturen um Mittag durch Strahlung um 2 bis 3 Zehntel erhöht sein
können. Alle Thermometer waren in Augenhöhe über dem Boden angebracht.
Tageszeit 8—10°
10—12«
0—2 P
2—4P
4—6P
6—8P
ss. ]
s<
11
GO -
10—12P
0—2“
a. NNW-Wand —1.0
—1.6
—2.2
—1.5
—0.7
—0.4
—0.1
+0.2
+0.2
b. Fenster daselbst —1.7
—2.0
—2.1
—1.2
—0.6
—0.0
+0.5
+0.5
+0.2
c. WSW-Fenster —0.8
—1.5
—2.1
—0.1
0.0
+ 0.1
d. Veranda-Pfeiler —0.4
—0.6
—0.4
0.0
— 0.2
—0.2
—0.1
+0.4
0.0
e. Luftiges Blechgehäuse i ^
im Baumschatten j
0.0
0.0
0.0
0.0 ■
0.0
0.0
0.0
0.0
Zahl der Beobachtungen 14
14
16
7
11
9
7
7
4
Die Temperatur eines an
der Nord-
und West-Seite des
Hauses,
sei es
an der
Mauer, sei
es vor
dem Fenster, in beiden Fällen in nur etwa 1 cm von der Wand resp. der Scheibe angebrachten Thermometers
in IV2 m Höhe ist also in einem sonnigen Klima, wie das der Südküste der Krim, bei hohem Sonnenstände
um ca. 2° C. unter derjenigen der Lufttemperatur ausserhalb des Einflusses des Hauses.
c) Vergleichende Temperatur -Beobachtungen im Zentrum und am Rande von St. Petersburg im
Jahre 1873. Obgleich eine grosse Anzahl meteorologischer Stationen in und bei grossen Städten gelegen
ist, gab es bis vor wenigen Jahren noch fast gar keine systematischen Beobachtungen über die Temperatur
innerhalb und ausserhalb der Stadt. Freilich war man schon längst auf den erwärmenden Einfluss der
Stadt aufmerksam geworden, wie denselben schon z. B. Kämtz in „Repert. f. M.“ an zwei Beobachtungs-
Stationen in Cilli demonstrirte. Allein trotzdem galten zwei Stationen an demselben Ort im Allgemeinen
als ein unzweckmässiger Luxus und ging das Streben vorwiegend nach einer gleichförmigen Vertheilung,
aber weniger nach einer gleichförmigen Placiruug der Stationen im Lande. Erst in neuester Zeit ist die
Frage an verschiedenen Stellen systematisch in Angriff genommen, z. B. in Wien, Berlin, Calcutta,
London u. s. w. -
Auf meine Bitte hat im Jahre 1873 mein Bruder Fr. Th. Koppen an zwei Fenstern seiner im
Zentrum von Petersburg — Grosse Morskaja, nahe der Erbsenstrasse — belegenen Wohnung Temperatur-
Beobachtungen vorgenommen. In einem viereckigen Jalousie-Blecligehäuse, wie solche damals noch an
vielen Stationen des Physikalischen Zentral-Observatoriums in Anwendung waren, zwei Treppen hoch, in
einem massig engen Hofe, waren ein Quecksilber-Thermometer, in '/ b ° getheilt, und ein Minimum-
Thermometer in ‘/2 m Entfernung vor dem einen Doppelfenster angebracht; diese Instrumente waren von
Herrn Direktor Wild bereitwilligst leihweise überlassen. Ausserdem wurde gleichzeitig ein frei etwa
4 cm vor der Scheibe eines anderen Fensters angebrachtes Thermometer abgelesen, bis das letztere (nach
SSE exponirte) vom 20. April an während eines Theils des Tages von der Sonne getroffen wurde. Die
Ablesungen geschahen um 10 h a. m., 5 h p. m. und 10 h p. m., allerdings mit öfteren Auslassungen.
Indem ich diese Ablesungen, nach Anbringung der Instrumental-Korrektionen, mit den gleichzeitigen
Aufzeichnungen des Thermographen am Physikalischen Zentral-Observatoriums verglich, erhielt ich folgende
Resultate; das letztere liegt am Rande des kontinuirlich bebauten Stadtterrains und hat nach Westen von
sich, nach dem Meere zu, nur mehr zerstreut zwischen weiten Höfen und Feldern liegende Gebäude, die