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Bericht des Obersteuermannes L. Fe Ilm er von der Englischen Bark „Chateaubriand“ über Sommer
reisen von Japan nach dem südlichen Theile von China:
Auf unserer letzten Reise von Japan nach Takao (Formosa), wohin wir bestimmt waren, um eine
Ladung Zucker zu holen, verliessen wir Yokohama am 12. Juni 1885. Durch frische südwestliche Winde
wurden wir veranlasst, in der Kaneda-Bai zu Anker zu gehen, und verblieben dort bis zum 18. Juni, an
welchem Tage wir eine massige Briese aus NE erhielten. Dieselbe brachte uns klar von der Redfield-Bank;
dann setzte nach 12stündiger Windstille der SW-Monsun wieder ein. Zugleich hatten wir einen starken
Strom entgegen, indem der Kuro-Siwo mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 40 Sm. im Etmal
nach ENE setzte.
In Yokohama war trotz aller Mühe, die sich der Führer des „Chateaubriand“, Kapt. Edwards, gegeben
hatte, keine Karte des nordwestlichen Theiles des Stillen Ozeans zu erhalten gewesen. Wir hatten nur die
Imray’schen Karten „Eastern Passages to China and Japan“ an Bord. Aus diesem Grunde wollten wir
nicht in den Ozean hinaus stehen. Unser Versuch, nach der Van Diemen-Strasse aufzukreuzen, war
indessen mit grossen Schwierigkeiten verknüpft. Nach etwa 14tägigem Kreuzen gegen etwas veränderlichen,
aber frischen SW-Monsun waren wir erst bis 33° N-Br. und 136° O-Lg. gekommen.
In dieser Position hatten wir am l.Juli 1885 einen schweren Taifun zu überstehen, über dessen
Verlauf die nachstehenden Aufzeichnungen Aufschluss geben. Die Barometerstände sind an einem un-
verglichenen Aneroid abgelesen. (Die in englischen Zollen gegebenen Ablesungen sind in Millimeter um
gerechnet worden.)
Beobachtungen an Bord des Englischen Schiffes „Chateaubriand“, Kapt, Edwards, am 1. und
2. Juli 1885 in 33° N-Br. und 136° O-Lg.
Datum
1885
Stunde
Barometer
unreduz.
und
unvergl.
Wind
W etter
Segelführung
Juli 1
4 11 a.
740.1 1 )
SE 8
Regenböen
Untermarssegel und Fock
6 h a.
735.3
SE 9
Regen
U ntermars s egel
8 h a.
731.5
SE 10
»
Leeschothorn vom Grossuntermarssegel
10 h a.
726.4
SE Orkan
55
Topp und Takel
Mittag
720.1
55
>5
>5
l h p.
717.0
y>
55
55
2 h p.
713.7
SEzS Orkan
2 h 30 m p.
712.2
SSE Orkan
3 h p.
716.3
SzE Orkan
55
J5
4 h p.
719.6
S 10
55
Leeschothorn vom Grossuntermarssegel
6 h p.
725.2
SzW 9
55
55 55 55
8 h p.
10 h p.
Mittern.
729.0
732.0
734.1
SSW 8
SWzS 8
SW 7
n
55
abklarend
Untermarssegel
*) Die Barometerablesungen sind wahrscheinlich um 10 bis 15 mm zu niedrig.
Bis 1 Uhr nachmittags schien das Zentrum des Taifuns, nach dem raschen Fallen des Barometers
und dem stetig zunehmenden, unverändert aus derselben Richtung wehenden Winde zu rechnen, recht auf
uns zuzukommen. Erst gegen 1 Uhr begann der Wind sich nach rechts zu drehen, ein Zeichen, dass wir
südlich von der Sturmbahn, an der rechten Seite derselben standen. Wir lagen auf den verkehrten,
B-B.-, Halsen. Das Schiff auf die anderen Halsen zu legen, daran war jedoch nicht zu denken, einmal
wegen der ungeheueren See und dann auch der Gefahr wegen, dass der Ballast übergehen möchte. Nach
dem niedrigen Stande des Barometers scheint das Zentrum in grosser Nähe von uns. passirt zu sein;
andererseits deutet die langsame Richtungsänderung des Windes auf einen grösseren Abstand vom Zentrum
hin, oder auf ein sehr langsames Fortschreiten desselben. (Während unserer Anwesenheit in Takao erfuhr
ich, dass die Deutsche, der Firma H. A. Petersen & Co. in Amoy gehörende Bark „Franzisca“ und die
Englische Bark „Androklos“, welche beiden Schiffe am l.Juli etwa 120 Sm. nordöstlich von uns standen,
ebenfalls von dem Taifun betroffen und entmastet in Yokohama eingeschleppt worden waren.)