Neuere Veröffentlichungen,
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Vernachlässigung der Reduktion auf das Geoid den
Seemessungen ein Vorzug gegenüber denen auf dem
Lande zukommt, Bei der vom Verf, benutzten
Methode (Mehrpendelmethode) darf allerdings die
Schiffsbewegung nur gering sein; daher mußten
durch Untertauchen mit dem Unterseeboot — an der
Überfläche nur gelegentlich in durch Eis geschützten
Gewässern -— möglichst rubige Wasserschichten auf-
gesucht werden, Die dadurch nötig gewordene
kleine Reduktion soll leicht und einwandfrei durch-
zuführen sein. Es wird nun über die vom Verf.
und von anderen Forschern mittelst der Mehr:
pendelmethode auf den verschiedensten Meeren usw.
erzielten Ergebnisse berichtet, die schließlich eiu-
gehend diskutiert werden. Herrvorgehoben sei nur,
daß das Heckersche Ergebnis, wonach im großen
und ganzen mit leidlicher Annäherung auf dem
Meere Isostasie herrscht, bestätigt wird,
Ohr. Jensen.
ratur und der spezifischen Feuchtigkeit (genauer:
der potentiellen Temperatur für den Partialdruck
trockener Luft und des Mischungsverhältnisses des
Wasserdampfs) abbildet, bietet gegenüber dem von
Schinze benutzten Theiagramm — Ääquivalent-
yotentielle Temperatur in Abhängigkeit von der
Höhe -— einige wesentliche Vorteile. Sie vermag
nicht nur, den Betrag von Temperatur und Feuchte
vrenucnd, auf den Umwandlungsprozeß der Luft-
körper Licht zu werfen, sondern sie ist auch vom
Standpunkte der Thermodynamik (für die Er-
kenntnis der Di-kontinnitäten, der Stabilitätsver-
hältnisse, der vertikalen Durchmischung) wohl zu
gebrauchen, Demgegenüber wiegt allerdings für
den an die übliche Darstellung von Zustands-
kurven — mit der Höhen- oder Druckskala als
Ordinste — Gewöhnten der Mangel des festen ver-
tikalen Bezugsystems im Rossby-Diagramm ziemlich
schwer.
Unter den wiedergegebenen Diagrammen finden
sich außer den „charakteristischen Kurven“ zus-
gewählter Einzelaufstiege auch, als Analogon zu
den Schinze’schen „Vyp-Homologen* die kenn-
zeichnenden Mittelkurven der äquivalent-potentiellen
Temperatur für «ie verschiedenen Luftkörper, und
zwar getrennt für die verschiedenen Aufstiegsorte
und getrennt nach Jahreszeiten. Den mit kaum
unterschiedenen Kurven und Zahlen z, T, reichlich
beladenen Diagrammen hätte man nur von der
klaren Ubersichtlichkeit der wiedergegebenen Wetter.
karten gewünscht, deren Inhalt übrigens die dortige
graße Wertschätzung der Wolkenzug-Beobachtungen
erkennen läßt,
Das Schwergewicht von Willett’s Unter.
suchung taht auf der — nach Möglichkeit immer
erklärenden — Beschreibung der Eigenschaften
der Luftkörper von ihrer Quelle bis zur „Aus-
mündung“. X. h. der Verfasser geht von den
Verhältnissen &@n der Bildungsstätte des Luft-
körpers aus und verfolgt dann die Umwandlung
des Luftkörpers über den Vereinigten Staaten, sich
dabei immer mit den Ursachen der Veränderung
und ihren Wirkungen auf das Wettergeschehen
auseinandersetzend, Die auf die meteorologiseben
Verhältnisse rückwirkende großzügige Einfachheit
von Umriß und innerem Aufbau des nordamerika-
nischen Kontinents kommt ihm dabei sehr zustatien,
and die Lage der aerologischen Stationen erlaubt
ihm, die Figenschaften der Luftkörper ziemlich
nahe ihrer Quelle zu studieren (z, B. der tropischen
Golfiuft in Groesbek, Tex., der kanadischen Polar-
Juft im Ellendale, N. D.). Soweit dem Verfasser
mitteleuropäische Luftkörperwerte nach den
Schinze’schen Arbeiten vorlagen, werden diese
zum Vergleich gestellt und die Unterschiede erörtert,
Zu erwähnen ist, daß Willett auf die von
Bergeron dem ursprünglichen Schema hinzu-
refügten Begriffe der arktischen Luft und der
Äquatoriallufz für die amerikanischen Verhältnisse
verzichtet, nach Ansicht des Referenten mit Recht,
(Es entsprechen. die Werte seiner „kontinentalen
Polarluft“ über Boston etwa den Schinze’scben
Werten der maritim-arktischen Luft für Mittel-
europa.) Vielleicht wird man von der Sonder-
benennung dieser beiden Frisch formen von Polar
jufe und Tropikluft überhaupt wieder mehr ab-
kommen, weoan man auch die arktische Front und
die äquatoriale Front, die als Interpolar- bzw
Intertropikfront besondere Erscheinungen sind,
weiterhin gelten lassen muß, .
Die von Willett angewandte Methode, die
.Luftkörper wirklich auf ihrem Wege zu verfolgen
Willett, H. C.:;: American Air Mass Properties,
Papers in Physical Ocecanography and Meteoro-
logy, publ. by Mass, Inst, of Techn, and Woods
Hole Vecennogt, Inst, In contin, of Mass, Inst,
of Techn, Meteorol, Papers Vol, IL, No. 2. Cam-
bridge, Mass, June 1933,
Der Vorkämpfer der „Bergener Schule“ und
ihrer Methode der Wetterkartenanalyse in den Ver-
sinigten Staaten, bekannt durch seine synoptischen
Arbeiten zur Nebel-Klassifikation (Monthl. Weath
Rev. 1928; Met. Papers, Mass Inst, of Techn, 11),
gibt in seiner neuen Arbeit (84 Seiten Text, dazu
ein Anhang von zahlreichen Diagrammen und
Karten) eine Einteilung. und eingehende Beschrei-
dung der in Nordamerika auftretenden Laftkörper,
Eine dem Hefte beigegebene Karte Nordamerikas
mit Höhenschichten in Vielfarbendruck ist zur
Veranschaulichung der . geographischen Bedingt
heiten von Quelle, Weg und Wandlung der Luft-
massen dienlich; aus ihr ist außerdem die Luge
der im Text vielzitierten nerologischen Stationen
ersichtlich.
Der Untersuchung liegt ein winterlicher Zeit-
raum (Dex, 1929-— März 1930) und ein sommer.
licher Zeitranm (Juli— Aug, 1930) zugrunde, so daft
die für die verschiedenen Luftkörper gefundenen
typischen Werte der Struktur und des Wärme-
inhalts bei Erweiterung des Materials immerhin
noch einige Auderungen erfahren können, Dafür
aber sind die ausgewählten Zeiträume mit außer.
ordentlicher Gründlichkeit behandelt worden: Außer
der sorgfältigen Analyse der zweimal täglich ge
zeichneten Bodenwetterkarten, von der die gerebenen
Beispiele zeugen, ist eine hulimassenmäßige Ver.
arbeitung des gesamten aerologischen Materials
vorgenommen worden, indem x. B, mehr als
1500 Temperaturaufstiege zu „charakteristischen
Kurven“ nach dem Rossby-Diagramm ausgewertet
wurden. Zwei durchgeführte Beispiele von Wetter-
antwicklungen, die für Sommer und Winter den
Kampf der Luftmassen über Nordamerika ver:
Anschaulichen, geben zugleich einen Kinblick in
das für den Einzelfall drüben vorliegende synop-
tische Maicrial von Boden und Höhe,
Wie von G. Schinze im Thetagramm (vgl
#4. B, G. Schinze, Die praktische Wetteranalyse,
Arch. der D, &. Bd, 52, Nr. 1, S, 26 ff.) ist auch
von Willett die äquivalent-potentielle Temperatur
als konservative Größe zur Kennzeichnung deı
Luftmassen verwendet worden. Ihre Wiedergabe
im Rossby-Diagramm, das die äquivalent-potentielle
Temperatur als Funktion der potentiellen Tempe-