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Volltext : 8, 1885 (1889)

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kleinen  Zunahme  der  Feuchtigkeit  von  Juni  bis  Juli  und  Abnahme  von  Dezember  bis  Januar,  ändert  sich
die  Feuchtigkeit  im  2.  Sommer-  und  Winter-Quartal  wenig,  die  Periode  der  Zunahme  um  5.6  mm  fällt  in
das  Frühjahr,  die  der  Abnahme  um  5.2  mm,  also  um  fast  den  gleichen  Betrag,  in  die  1.  Winterhälfte;  beide
Hälften  von  Sommer  und  Winter  sind  in  Beziehung  auf  die  Sonnenwirkung  nahe  kongruent:  Es  scheint
hiernach,  als  ob  dies  Verhältniss  der  Niederschläge  durch  den  jährlichen  Gang  der  Luftfeuchtigkeit  seine
Erklärung  finden  könnte,  und  eine  weitere,  anderweite  und  umfangreichere  Untersuchung  wird  vielleicht
anknüpfend  die  vorgelegte  Frage  zu  beantworten  vermögen.  Da  auf  der  andern  Seite  gleiche  Monate  mit
hohen  Niederschlagsmengen  nicht  allgemein  durch  hohe  Feuchtigkeit  der  Luft  ausgezeichnet  sind,  so  scheint
die  Hypothese,  dass  der  Gang  der  Feuchtigkeit  eine  Folge  der  Niederschläge  sei,  ausgeschlossen.
So  lange  der  Boden  im  Frühjahr  mit  Schnee  bedeckt  ist,  kann  die  Temperatur  des  Tages  sich  nicht
wesentlich  über  0°  erheben,  da  nach  unserem  heutigen  Wissen  die  Temperatur  der  Luft  von  der  der  Bodenoberfläche ­
  abhängig  ist.  Wenn  der  Schnee  in  der  Ebene  unter  den  Strahlen  der  Sonne  weicht  und  die
Sonne  festen  Fuss  fassen  kann,  so  ist  der  Winter  mit  einem  Schlage  überwunden.  Die  dann  eintretende
mächtige  Steigerung  der  Temperatur  ist  besonders  begünstigt  1)  durch  die  noch  auf  hohen  Punkten  lagernden ­
  Schneemassen,  welche  der  Luft  Feuchtigkeit  zuführen,  so  ein  Steigen  der  Nacht-Temperaturen  bewirken,
und  dadurch,  wenn  auch  im  geringeren  Grade,  das  Steigen  der  Tages-Temperatur  beschleunigen,  2)  durch
den  geringen  Wasserdampfgehalt  der  Luftsäule  und  die  dadurch  gesteigerte  Durchlässigkeit  für  die  Sonnenstrahlen, ­
  wodurch  die  Strahlung  des  Bodens  gesteigert  und  die  Temperatur  der  unteren  Luftschichten  gehoben ­
  wird;  hierbei  ist  zu  beachten,  dass  bei  der  von  unten  nach  oben  schreitenden  Erwärmung  der  Luftsäule ­
  die  Feuchtigkeit  der  unteren  Schichten  der  der  oberen  relativ  voraneilt,  und  somit  die  Absorption
der  dunklen  Wärmestrahlen  des  Bodens  relativ  begünstigt  erscheint.  Diese  nach  Winters  Ende  eintretende
Erwärmung  wird  um  so  beträchtlicher  sein,  je  länger  das  Schwinden  des  Schnees  sich  verzögert  hat,  und
je  kräftiger  also  die  Einwirkung  der  Sonne  plötzlich  eintritt.
Die  Dauer  dieser  warmen  Periode  hat  zur  Folge:  1)  das  allmähliche  Schwinden  der  Winterniederschläge
vom  Boden  und  somit  das  Aufhören  dieser  aussergewöhnlicben  Feuchtigkeits-Quelle;  2)  eine  allmähliche
Durchwärmung  des  Luftmeeres  und  dadurch  einen  gesteigerten  Entzug  von  Feuchtigkeit  aus  den  unteren
Luftschichten;  beide  Ursachen  bewirken  zunächst  in  den  unteren  Schichten  eine  geringere  Zunahme  und
dann  eine  Abnahme  der  Luftfeuchtigkeit  und  somit  einen  Rückgang  der  Nacht-Temperatur  und,  wenn  auch
von  geringerem  Grade,  der  Tages-Temperatur;  3)  eine  Durchfeuchtung  der  Atmosphäre  und  somit  grössere
Absorption  der  Wärmestrahlen;  4)  die  stärkere  Entwicklung  des  aufsteigenden  Luftstromes  und  somit
Wolkenbildung.
Die  durch  eine  Periode  heisser  Tage  geförderte  Entwicklung  des  aufsteigenden  Luftstromes  wird  in
den  meisten  Fällen  wieder  kälteres  Wetter  herbeiführen.  Indem  die  feuchte  Luft  in  die  Höhe  geführt
wird,  finden  Kondensationen  statt  und  die  erzeugte  Wolkendecke  bewirkt  den  Rückgang  der  Temperatur,
theils  durch  ihren  Schutz  gegen  die  Sonnenstrahlen,  tlieils  durch  die  ihr  entstammenden  Niederschläge,
welche  kalte  Luft  mit  herabführen  und  beim  Verdunsten  Wärme  binden;  in  höherem  Grade  noch  wird  der
Rückgang  der  Temperatur  gefördert  werden,  wenn  eine  Zyklone  in  das  aufgelockerte  Gebiet  ihren  Weg  nimmt.
Allmählich  löst  die  Sonne  den  Wolkenschleier,  die  Temperatur  steigt  wieder  und  es  entstehen  in  dieser
Weise  naturgemäss  Serien  von  Tagen  mit  zunehmender  und  abnehmender  Temperatur  durch  Vermittelung
der  Luftfeuchtigkeit.
In  dem  besonderen  Falle,  wo  auf  die  erste  Frühjahrs-Erwärmung  eine  Erkaltung  folgt,  kommen  noch
die  anderen  genannten  Faktoren  hinzu,  um  den  Rückschlag  zu  verstärken.  Dank  der  Zunahme  der  Feuchtigkeit ­
  in  den  oberen  Schichten  des  Luftmeeres  erscheint  die  thermische  Wirkung  der  Sonne  relativ  geschmälert,
bis  dieselbe  mit  zunehmender  Sonnenhöhe  wieder  gleiche  erwärmende  Kraft  gewinnt.  Das  Sinken  der  Temperatur ­
  des  Tages  fördern  also  mehrfache  Ursachen,  und  dieses  unterstützt  wieder  den  Rückgang  der  Nacht-Temperatur,
  indem  bei  dem  in  den  unteren  Schichten  zunächst  vorzugsweise  auftretenden  Temperaturrückgang ­
  diese  gegen  die  höheren  relativ  feucht  werden  und  ihre  Feuchtigkeit  daher  in  höherem  Grade  an
die  oberen  Schichten  abgeben  müssen,  da  die  Anordnung  der  Feuchtigkeit  nach  der  Temperatur  erfolgt.
Vor  Allem  aber  ist  dieser  Rückgang  der  Nacht-Temperatur,  wie  hervorgehoben,  eine  Folge  der  Versiegung
der  aussergewöhnlichen  Feuchtigkeits-Quelle.  Der  starke  Rückschlag  ist  also  eine  Nothwendigkeit  der  vorangegangenen ­
  anomalen  Witterung.  Das  Ende  dieses  Kälterückfalles  wird  ausser  durch  die  zunehmende
Intensität  der  Sonne  noch  durch  das  allmähliche  Erwachen  der  Vegetation  und  deren  Wasserexhalation
            
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