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die von der Loggia zu der Plattform führt; auch sieht man darauf die kleine Hütte E, welche um den
Eingang von der Loggia in das Innere des Gebäudes errichtet ist. Wendeltreppe wie Eingangshütte sind
bei sämmtlichen Thürmen in der gleichen Weise angebracht und sind deren respektive Lagen aus den
einzelnen Grundplänen zu ersehen. Es besteht die Absicht, auf der Plattform dieses Thurmes ein Elektro
meter nach Mascart-Thomson aufzustellen, was alsbald geschehen soll, wenn über Zweckmässigkeit der
Konstruktion, namentlich in Beziehung auf die Registrir-Vorrichtung des Elektrometers die wünschenswerthen
Erfahrungen gemacht sein werden.
Das Sextanten-Prüfungs-Häuschen ist aus starkem Eisenblech konstruirt und mit dem Boden der
Loggia fest verbunden. Eine eiserne Schiebethür gestattet den Eingang in das Innere des Häuschens,
welches, sobald die Thür geschlossen, vollen Schutz gegen jede Witterung gewährt. In der Mitte befindet
sich eine starke gusseiserne Säule fest in den Boden eingelassen. Ein Holztritt gestattet bequemen Aufstieg
zu dem auf den oberen Theil geschraubten Stativ für Sextanten-Prüfung nach Neumayer’s Konstruktion
(s. Tafel27).*) Oben in der Wandung des Häuschens bei s, s, s, s, . . . s befinden sich metallene Schieber,
die nach unten entfernt werden können, um freie Visirlinien nach genau bestimmten Objekten zu erhalten.
Die Zwischenräume zwischen den Schiebern, oder eigentlich deren Rahmwerk, sind mit starken konvexen
Spiegelglasscheiben ausgefüllt, durch welche sowohl wie durch einige in dem flachen Dache des Häuschens
angebrachte Glasscheiben genügend Licht zur Beleuchtung des inneren Raumes fällt. Eine Stellung dieses
Häuschens zentrisch zur Loggia war nicht angängig, weil man sich in diesem Falle in der freien Visirung
nach den gegebenen Objekten und an den Pfeilern vorbei behindert gefunden haben würde.
Der Ostthurin, wovon gleichfalls Längen- und Querschnitt auf Tafel 16 gegeben sind, trägt auf der
oberen Plattform ein aus starkem Wellblech konstruirtes Haus mit einer Meridianspalte. Die Stärke der
Wandung, sowie die Befestigung derselben an dem Boden sind dermaassen stark gewählt, dass die
schwersten Winde, die hier oben (nahezu 50 m über der Elbe) eine ganz besondere Gewalt auszuüben ver
mögen, keinen Schaden thun können. Der Verschluss der Thüren, sowie der Klappen an der Meridian
spalte ist mit besonderer Sorgfalt bewirkt und hat sich gemäss der Erfahrungen von 4 Jahren sehr gut
bewährt. Der Mechanismus zum Oeffnen, bezw. Schliessen und Oeffnen der Klappen ist der denkbar ein
fachste und bedarf einer näheren Beschreibung nicht. Auf der Säule S steht oben auf einer dicken Marmor
platte ein von Frank von Liechtenstein (Hamburg) augefertigtes Durchgangs-Instrument. Die Säule S
geht frei durch die Decke der Loggia und wird am oberen Theile von einem tonnenartigen nirgends die
selbe berührenden Mantel umgeben, der wieder durch einen ihn umschliessenden Holztritt Festigkeit erhält.
In dem Beobachtungsraume befinden sich sonst noch ein Chronograph C, welcher mittels elektrischer Leitung
mit einer Uhr, die im Beobachtungshause auf dem Nordthurm aufgestellt ist, in Verbindung steht, und
einige Börter L, L zum Auflegen von Beobachtungsbüchern, Lampen etc.
Die Errichtung fester, für genaue Beobachtungen genügender Pfeiler bot einige Schwierigkeiten und
soll hier die Art der Ueberwindung derselben in Kürze geschildert werden; das hier zu Sagende gilt für
die beiden Thürrne, auf welchen zu astronomischen Zwecken bestimmte Instrumente aufgestellt sich befinden.
Eine aus 4 starken Stücken Pitch-pine konstruirte Säule von einer Gesammtdicke von O.Bom geht der Länge
nach von t bis zur Unterkante der oben bezeichneten Marmorplatte. Das untere Ende derselben ruht bei t
in einem schweren eisernen Schuh, der wiederum mit 2 neben einander liegenden 0.30 m hohen T-Schienen
stark verbunden (verspannt) ist. Diese T-Schienen sind in das Hauptmauerwerk an beiden Enden einge
lassen und haben mit dem Fussboden der Loggia keinerlei direkte Verbindung; es bedarf wohl kaum der
Erwähnung, dass die Holzsäule frei durch den letzteren geht. Ein metallener Kragen k, k schützt gegen
das Eindringen von Niederschlägen und das von der Säule ablaufende Wasser. 8 Streben aus demselben
Holze T, T, T, welche aus mehreren Stücken zusammengesetzt sind, stützen die eigentliche Säule oben in
der Nähe der Decke der Loggia, woselbst dieselben eingezapft sind. Das untere Ende derselben liegt in
gusseisernen Schuhen, welche in die Hauptmauern eingelassen sind, und zwar in solcher Weise, dass sie
in gewissem Sinne die Säule (den Pfeiler) zu heben streben. Durch eiserne Anker a, a, a, welche zum be
liebigen Spannen mit Muffeln versehen, und einerseits an den eisernen Schuhen, andererseits an schweren
eisernen Bändern am Fusse der Säule festsitzen, wird das ganze Gerüst zu einem Systeme verbunden. Aus
den Zeichnungen der beiden Thürrne geht Konstruktion und Anordnung der einzelnen Theile zur Genüge
hervor und mag nur noch erwähnt werden, dass die einzelnen Holztheile, welche zu den Pfeilern oder
*) Siehe „Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte“, Jahrg. I., No. 1, Seite 10.