Jahresbericht Nr. 20/1965
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Zur Frage der Verschmutzung des Meeres durch industrielle Abfallproduk
te wurde in Zusammenarbeit mit der Bundesforschungsanstalt für Fischerei,
Hamburg, und der Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, ein die Grund
sätze festlegendes Gutachten angefertigt, das bei der Beurteilung von Ein
zelanträgen jeweils zugrunde gelegt werden kann.
Die Überwachung der Gamma-Aktivität des Oberflächenwassers wurde mit den
auf mehreren Schiffen eingebauten, kontinuierlich registrierenden Meßgerä
ten fortgeführt. Im Berichtsjahr registrierten wir im Oberflächenwasser an
den deutschen Nord- und Ostseeküsten keine über dem Normalpegel liegenden
Werte der Radioaktivität des Wassers.
Die von Bord des FFS "Anton Dohrn" aus seit 1961 bei Fahrten in die
Barents-See regelmäßig entnommenen Wasserproben wurden bis 1964 aufgear-
beitet. Der Gehalt an Strontium 90 und Cäsium 137 ist gegenüber 1963
leicht angestiegen, liegt aber, obwohl in den Jahren 1961/62 bei Nowaja
Semlja Atomwaffenversuche unternommen wurden, noch weit unter dem des Ober
flächenwassers der Nordsee. Die höhere Aktivität des Nordseewassers dürfte
im wesentlichen auf dem starken Zustrom von Frischwasser aus den großen
Flußgebieten (Elbe, Weser, Rhein, Themse), durch den ein großer Teil des
auf das Festland fallenden radioaktiven Niederschlags dem M e er zugeführt
wird, beruhen. Dazu kommt das im Verhältnis zum freien Ozean kleine Volu
men der Nordsee.
Die Aufarbeitung der 1964 im Elbmündungsgebiet mit Hilfe einer Durch
laufzentrifuge aus dem Wasser abgetrennten Trübungsstoffe wurden abge
schlossen. Die entnommenen Wasserproben wurden auf Brutto-Beta-Aktivität,
Strontium 90 und Cäsium 137 untersucht, die Sedimente und Bodenproben auf
ihre Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung sowie den Kaliumgehalt. Darüber
hinaus wurden - soweit möglich - von den Proben Gammaspektren aufgenommen
und die Verteilung des Cer 144 und des Ruthenium 103/106 untersucht.
Die 1961 begonnenen Aktivitätsmessungen in situ am Meeresboden wurden
in der westlichen Ostsee (Kieler und Lübecker Bucht) und in der Deutschen
Bucht fortgesetzt. Zur näheren Untersuchung im Laboratorium wurden Wasser-
und Bodenproben entnommen.
Insgesamt wurden in der Ostsee 37 Bodenmessungen in situ sowie 37 Boden-
und 15 Wasserproben und in der Nordsee 465 Bodenmessungen in situ sowie
466 Boden- und 11 Wasserproben durchgeführt oder entnommen. Die Reisen des
FS "Meteor" in den Indischen und den Atlantischen Ozean erbrachten darüber
hinaus 18 Wasserproben für radiologische Untersuchungen.
Die Entwicklung einer Nachweismethode für Kobalt 60, Zink 65 und Mangan
54 in Seewasser konnte bis zur Laboratoriumsreife abgeschlossen werden.