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Die bedeutende Zunahme der zur Prüfung eingelieferten ärztlichen Thermometer im Jahre 1883 ver-
anlasste die Direktion, wie schon im vorjährigen Jahres-Berichte (Seite 29 und 30) ausgeführt wurde, zur
gänzlichen Einstellung der Prüfung spezifisch ärztlichen Zwecken dienender Thermometer. Wenn dieser
Einstellung ungeachtet die Zahl der im Berichts-Jahre an der Seewavte untersuchten ärztlichen Thermometer
auf die Höhe von 846 steigt, so hat dieses seinen Grund darin, dass einmal 258 Stück noch als ungeprüft
aus dem Vorjahre mit herüber genommen wurden, dann aber aucji der Umstand Berücksichtigung fand,
dass Mehrere der Fabrikanten Kommissionen auf Lieferungen von Thermometern unter der Bedingung der
Beigabe von amtlichen Attesten abgeschlossen hatten und nun geltend machen konnten, sie würden in ihrem
Geschäfte schwer geschädigt, wenn die Seewarte nicht noch ausnahmsweise die nachträgliche Prüfung der
bereits kontraktmässig zugesagten Thermometer übernähme.
Bezüglich der Normal-Thermometer ist eine nicht unerhebliche Steigerung zu konstatiren. Es sind
hier natürlich nur diejenigen als Normal-Thermometer bezeichnet, welche zu Siedepunkt-Bestimmungen sich
eigneten. Die Beschattung eines zu diesen Bestimmungen geeigneteren Apparates, als es der bisher benutzte
ist, wäre in’s Auge zu fassen und besteht die Absicht, im Laufe des nächsten Jahres mit der Konstruktion
eines solchen vorzugehen. Die rasche, einfache und sichere Bestimmung der Siedepunkts-Korrektion bei
Normal-Thermometern ist eine Sache von der grössten Bedeutung und soll demnächst eine eingehende Be
rücksichtigung erfahren. Mit den Normal-Thermometern der Seewarte konnten auch im Berichts - Jahre
Nullpunkts-Bestimmungen in frisch gefallenem Schnee vorgenommen werden; es geschah dies am 26. Novbr.
durch die Herren Koldewey, Eylert, Lauenstein und Di\ Kleemann, wobei es sich nach dem
übereinstimmenden Resultate aus alten mehrfach wiederholten Beobachtungsreihen ergab, dass die Null
punkts-Korrektion seit dem 6. Dezember 1888 sich geändert hatte bei dem Normal-Thermometer.
1. Fuess Patent von —0.17° in —0.19°,
2. Aktien-Gesellschaft 97 von —0.47° in —0.60°,
3. Aktien-Gesellschaft 122 von —0.34® in —0.41°.
Die B eschaffung von meteorologischen Instrumenten. Es wurden im Jahre 1884 beschafft:
3 Normal- und Stations-Barometer, 3 Marine-Barometer, 0 Aneroide, 96 Marine-Thermometer, 0 Psychro-
Thermometer für Seegebrauch, 1 Psychro - Thermometer für Land - Stationen, 0 Maximum-Thermometer,
0 Minimum-Thermometer, 0 Schleuder-Thermometer, 1 Schleuder-Psychrometer, 3 Rotations-Psychrometer
nach Rung.
Der Bestand an Barometern am Ende des Jahres 1884 belief sich auf:
8 Normal-Barometer nach Koppen,
2 Fortiu’schc Barometer,
1 Normal-Gefass-Barometer von Adie,
3 Heber-Barometer nach Fuess-Wild,
1 Normal-Heber-Barometer von Greiner,
33 Stations-Barometer,
157 Marine-Barometer.
Da weiter unten eine Zusammenstellung der geprüften und von der Prüfung ausgeschlossen Instrumente
erfolgt, ohne Rücksicht auf die Art der Instrumente, so mag hier eine ähnliche Aufstellung nur für die
meteorologischen, wie bei No. 2 für die nautischen und astronomischen Instrumente einen Platz finden.
Es wurden an meteorologischen Instrumenten im Jahre 1884 1251 eingeliefert, 1176 geprüft, 26 wegen
Zeitmangels nicht geprüft, 49 wegen Fehler nicht geprüft, oder, in Prozenten aasgedrückt, bezw.: 100, 94.o,
2.1, 3.9.
Die Bedienung der in dem Kellerraume No. 4 und auf dem Reservoir in dem Thermometerhause (siehe
Jahres-Bericht 1879, Seite 7—10) aufgestellten Registrir-Apparate, sowie die Berechnung der Registrirungen
derselben, wie endlich die Kontrolle der als Normaluhr der Seewarte dienenden Pendeluhr Nieberg mittels
des auf dem Thurrae des Kaiser-Quais fuuktionirenden Zeitballes fielen im Berichts-Jahre, wie früher, der
Abtheilung II zu. Ausser den täglichen Aufzeichnungen von Temperatur und Luftdruck am Schreiber’schen
Barothermographen wurden vom 1. Juli ab, zunächst für die Dauer eines halben Monats, auch die Registrir
ungen des auf dem Reservoir aufgestellten Hipp’schen Thermographen berechnet und zur Vergleichung der
Temperaturen an den resp. Aufstellungs - Orten mit den am Schreiber’schen gewonnenen herausgezogen.
Es ergaben sich beispielsweise für die sehr warmen Tage vom 8.—8. Juli 1884 folgende Vergleichs-Resultate: