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zunehmen, welche letztere unter Anderem eine Funktion der Temperatur ist. Leitet man aber aus einer
längeren Reise in beiden Hemisphären Mittelwerthe von ~ und y- ab, so hat die Erfahrung gezeigt, dass
in Folge der erwähnten Umstände nur so geringe Schwankungen um den mittleren Werth dieser Grössen
Vorkommen, dass deren Betrag für die Praxis fast verschwindet. In wiefern solche Schwankungen Funk
tionen der einzelnen obwaltenden Umstände (Temperatur, Sonnenstrahlung an einer Seite, Feuchtigkeit
u. s. w.) sind, bleibt einer späteren genauen Diskussion der Abweichungen zwischen den berechneten und
beobachteten Wertlien von 23 und <5 zu ermitteln Vorbehalten.
Ueber die Veränderungen der Koeffizienten 23 und (5 mit der Orts- und Kurs-Veränderung des Schiffes
vergleiche „Populärer Leitfaden für den Unterricht in der Deviationslehre“ u. „Der Kompass an Bord“. Ueber
diejenigen, welche vom halbfesten Magnetismus allein herrühren ganz besonders: „Archiv der Seewarte 1879,
No. 4.“ In den genannten Werken finden sich auch Vorschriften über die mit Rücksicht auf jene Aender-
ungen einzurichtende Kompensation von 23 und ß. Das daselbst über die Vorzeichen von A- und i- Ge-
/« /»
sagte wird nunmehr durch einen Blick auf die Figuren 6 und 9 besonders leicht verständlich sein.
Es möge hier nur noch Eins Erwähnung finden.
Will man aus den an Bord eines Schiffes angestellten Deviations-Beobachtungen die Koeffizienten
jp Q c f v v f
— t -r-i ~~z i -T-» — ableiten,*) so hat man aus den beobachteten Deviationen die Koeffizienten B
/. X X X XX
und C, hieraus die Koeffizienten 23 und ß nach den Formeln:
23 — sinB^ l +
ß = sin C (l —
zu bestimmen und erhält dann die gesuchten Koeffizienten in Theilen des Radius.
Berechnen wir nun umgekehrt aus diesen 6 Koeffizienten die Grössen 23 und ß, so erhalten wir diese,
wenn wir, wie in der Praxis gebräuchlich, die 6 Koeffizienten in Bogenmaass umgewandelt hatten, ebenfalls
in Bogenmaass.
Um dann B und C zu finden, hätten wir noch bezw. durch 1 ■
s in D
und 1
sin D
zu
dividiren.
Sofern D den Werth 4° nicht übersteigt und B und C nicht über 16° hinausgehen, kann der hierdurch
entstehende Fehler nicht mehr als einen halben Grad betragen, weshalb man in der Praxis meistens von
dieser letzten Umwandlung absieht.
Berechnung' von À.
H'
X ist der mittlere Werth von cos ö [Gleichung (8)]. Sobald also Beobachtungen über Deviation und
H' H'
auf aequidistanten Kursen vorliegen, ist der mittlere Werth von -g cosò ohne Weiteres = X. Hat
TU'
man also nur auf 2 genau entgegengesetzten magnetischen Kursen -g- und d bestimmt, so ist für jeden
jft
Kurs -jj- cos d zu bilden und das Mittel beider
X zu setzen.
H'
H ’
oder das Verhältnis der Richtkraft der
Magnetnadel am Kompassorte zur Horizontal-Komponente des Erdmagnetismus wird nach dem Pendelgesetze
gefunden durch das umgekehrte Verhältnis der Quadrate der Schwingungsdauern einer und derselben
Magnetnadel am Kompassorte und an einer eisenfreien Stelle am Lande. Bezeichnen wir also die
Schwingungsdauer einer Magnetnadel am Kompassorte mit T', und die Schwingungsdauer derselben Nadel
an einer eisenfreien Stelle am Lande mit T, so ist:
JT _
E ~ T' 1
*) Ueber das auf der Seewarte hierbei angewandte Verfahren vergl. „Aus dem Archiv der Seewarte 1879, Xo. 4.“