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durch Hervorbringung eines d vom entgegengesetzten Vorzeichen. Sollte eine derartige Kompensationsstange
nicht wohl anzubringen sein, so kann man 31 und 6 in dem erwähnten Falle in ihrer Wirkung auf den
Kompass nur durch Hervorrufung eines b von dem Vorzeichen abschwächen, dass der grössere dieser beiden
Koeffizienten zu Null wird. Ist also 31 der grössere Koeffizient, so wird einem -\-d ein + &, einem —d ein
—h entgegenzusetzen sein; ist aber © der grössere Koeffizient, so ist einem + d ein —b und einem —d
ein +6 entgegenzusetzen. Man hat jedoch dann den Nachtheil, dass man bei der Kompensation von +31
die Richtkraft im ersten und dritten Quadranten ausser durch +d nun auch noch durch das zur Kompen
sation hervorgehrachte +& schwächt, während bei einer Kompensation von (5 die Richtkraft in allen
4 Quadranten durch 31 und © ganz unverändert bleibt. — Man sollte daher niemals eine Kompensation von
3(, wohl aber in einzelnen Fällen eine solche von © vornehmen. Die mittlere Richtkraft X wird natürlich
durch 31 und ©, da dieselben nur Funktionen von d und b sind, nicht beeinflusst.*)
3. 33 und (£.
Es ist: 39 = ~~ g- + lang &
£ = yy + y ian 9
In diesen Formeln sind c und / die Induktions-Koeffizienten der Vertikal-Ivomponente des Erdmagne
tismus bezw. in der Längsschiffs-Richtung und in der Dwarsscliiffs-Richtung. P und Q bezeichnen das Maass
des während der mathematischen Betrachtung des Verhaltens der Deviation auf verschiedenen Kursen als
fest anzusehenden Magnetismus im Schiffe, und zwar P die Längsscliiffs-Komponente, Q die Dwarsschiffs-
Komponente desselben. P und Q bezeichnen also die Summe aller derjenigen magnetischen Kräfte im Schiffe,
welche völlig unverändert bleiben würden, wenn man das Schiff plötzlich auf einen anderen Kurs und in
eine andere magnetische Breite versetzen könnte. Es ist demnach klar, dass P und Q in zwei Theile
hauptsächlich zu zerlegen sein werden, nämlich in einen Tbeil, der seine Stärke unter keinen Umständen
ändert, und in einen Tbeil, welcher mit der Zeit Aenderungen unterworfen ist. Ein Theil des beim Bau
des Schiffes aufgenommenon Magnetismus verschwindet erfahrungsgemäss im Laufe der Zeit und zwar zum
grössten Theil schon in den ersten Monaten nach der Infahrtsetzung des Schiffes, später immer langsamer,
so dass diese Abnahme des Magnetismus schon nach einem oder höchstens zwei Jahren ihre Bedeutung für
die Praxis zu verlieren pflegt, obgleich sie hei sorgfältiger Diskussion guter Deviations-Beobachtungen oft
noch mehrere Jahre hindurch konstatirt werden kann. Gegenwärtig erscheint es durchaus unmöglich,
diesen Theil von P und Q einer mathematischen Behandlung zu unterziehen. Wir nehmen demnach an,
die erwähnte Abnahme habe bereits in soweit stattgefunden, dass sie sich der praktischen Bedeutung ent
ziehe, d. h. wir schliessen ganz neue Schiffe aus. Alsdann werden ausser denjenigen Theilen von Pund Q,
welche zu allen Zeiten und an allen Orten gänzlich unverändert bleiben, und die wir von jetzt an
durch Pund Q bezeichnet denken, nur noch diejenigen magnetischen Pole im Schiffe in Betracht zu
ziehen sein, welche zu ihrer Entstehung und zu ihrem Verschwinden eine gewisse Zeit erfordern.
Bezeichnen wir bezw. die Längsscliiffs-Komponente und die Dwarsschiffs-Komponente derselben mit
V und V, so wird
„ P 1 V 1 c ,
® ~ X H + X H + x tan9 ^
O 1 V 1 i
*) Die Darstellungen in manchen Lehrbüchern der Deviation, als ob zwischen 35 und (5 ein Zusammenhang bestehe, da
beide in der Deviation sformcl in Verbindung mit Funktionen des doppelten Kurswinkels auftreten, ist, wie aus den
vorhergehenden Erläuterungen erhellt, unrichtig, da 25 aus a und e, <S aber aus d und b zusammengesetzt ist. Veran
lassung zu dieser unrichtigen Darstellung hat vielleicht eine mathematische Spielerei auf Seite 114 des „Admiralty
Manual“ gegeben, wo für T> sin 2%+Ecos 2£ aus der Näherungsfoimel (13) gesetzt worden ist: Y~ K 1 sin( 2"+ß),
E
in welchem Falle fang ß = ^ ist.