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sein soll. In dem Falle also, wo das Nordende der Kompassnadel nach vorne gezogen wird, ist X positiv,
wo es nach Steuerbord gezogen wird ist Y positiv und wo es nach unten gezogen wird ist Z positiv.
Man ist nun im Allgemeinen nicht zu der Annahme berechtigt, dass die magnetischen Induktions-Axen
des Schiffes zusammenfallen mit den durch den Kompass nach den drei Dimensionen des Schiffes gelegten
Axen. — Man zeige am Modell, wie der induzirte Südpol (die positive Kraft nach obiger Definition) bald
an der einen, bald an der anderen Seite des Kompasses und meistens unterhalb desselben liegen wird! —
Es werden daher die Kräfte «T, uT und a"T wiederum zu zerlegen sein nach den 3 durch den
Kompass gelegten Axen. Es wird dann derjenige Theil der Kraft a T, welcher vom Kompass aus in der
Längsschiffs-Richtung wirkt, proportional X, derjenige, welcher in der Dwarsschiffs-Richtung wirkt, propor
tional Y und derjenige Theil, welcher in der Vertikalebene wirkt, proportional Z sein, so dass:
a T = aX + bY+cZ, und ebenso
a T — dX -\-e Y-\-fZ, und
a”T = gX+hY+kZ ist.
Unsere drei Gleichungen (a), (b) und (c) gehen demnach über in:
(1) X' = X+aX+bY+cZ+P
(2) Y' — Y+dX+eY+fZ+Q
(3) X' = Z+gX+hY+kZ+B,
worin a, b, c, d, e, f, g, h, k die Induktions-Koeffizienten des Schiffes in Bezug auf die 3 Kompo
nenten X, Y, Z der gesammten magnetischen Erdkraft und nach den 3 Dimensionen desselben (Länge,
Breite und Tiefe) bedeuten.
Da diese 3 Gleichungen zuerst im Jahre 1824 von Poisson für den speziellen Fall der Kompass-
Deviation aufgestellt worden sind, bezeichnet man sie mit dem Namen „Poisson’sche Grundgleichungen“.
In diesen Grundgleichungen sind die beiden ersten der 3 Komponenten X, Y, Z, in welche die ge-
sammte Erdkraft nach den Dimensionen des Schiffes zerlegt wurde — da sie sich auf die Längsschiffs- und
Dwarsschiffs-Richtung beziehen — offenbar Funktionen des magnetischen Kurses f, auf welchem das Schiff
gerade anliegt, und zwar wird sein, wenn wir uns T in eine horizontale Komponente II und in die vertikale
Komponente Z zerlegt denken:
X = PI cos f, und
Y = —PL sin £.
Die horizontale Komponente H ist dann offenbar die eine horizontale Magnetnadel nach Norden
richtende Kraft.
Das Vorzeichen minus in der letzten Gleichung erklärt sich einfach aus folgender Betrachtung:
Das Schiff (Modell) liege, wie durch nebenstehende Figur angedeutet, auf
einem Kurse des ersten Quadranten (NO) an. Der gesammte horizontale Theil PL
der auf den Kompass einwirkenden magnetischen Kraft der Erde T wirkt in der
Richtung nach magnetisch Nord (also hier nach N). — (Durch die Stellung der
Holzschiene, welche zur Aufnahme des Magnets dient, 4 Strich nach Backbord, am
Modell anzudeuten, indem der Buchstabe N mit Kreide auf dieselbe geschrieben
wird.) — Zerlegen wir diese Gesammtkraft in die beiden Komponenten X und Y
nach Längsschiffs- und Dwarsschiffs-Richtung — (am Modell ist ein Lineal von N
nach A zu legen und der Buchstabe A mit Kreide auf das Deck des Modells zu
schreiben!) — so wird AO = X, und als eine vom Kompass 0 aus nach A, d. h.
nach vorn gerichtete Kraft positiv, während AN = Y eine nach Backbord
wirkende, also negative Kraft ist.
Die Komponente Z ist vom magnetischen Kurse des Schiffes unabhängig. Um
sie aber auch durch H ausdrücken zu können, zeigt uns das Parallelogramm der
Fig. 1.
X