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längsschiffs gerichteten Eisenmasse mit ihrer ganzen Ausdehnung vor dem Kompass vorhanden, so würden
diese zwar eine ebenso gestaltete Deviation, aber im entgegengesetzten Sinne zu der eben betrachteten,
bewirken.
Zweiundzrvanzigstes Experiment. Legen wir z. B. die Stange mit ihrem achteren Ende neben die Mitte des Kom
passes, während sie längsschiffs nach vorn gerichtet ist und an Backbordseite liegt, so sehen wir, wenn wir wieder das
Modell rund um den Kompass schwaien, wie jetzt eine Deviation entsteht, welche überall westlich ist und nur auf Ost-
und West-Kurs wieder Null wird. (Auszuführen!) Die Stange ebenso an Steuerbordseite plazirt, ruft überall östliche
Deviationen hervor. — Ein seitlich an Steuerbord aufgestellter Kompass könnte also in Bezug auf die jetzt in Kede
stehende Deviation durch eine mit ihrer ganzen Ausdehnung vor dem Kompass an Backbordseite befindliche Eisenmasse,
ein seitlich an Backbord aufgestellter Kompass durch eine solche Eisenmasse vor dem Kompass an Steuerbordseite
kompensirt werden, wenn wir annehmen, der vordere Pol sei der am stärksten auf ihn einwirkende; anderenfalls würde
es genau umgekehrt sich verhalten.
Untersuchen wir jetzt, ob auch dwarsscliiffs gerichtete Eisenmassen, deren Induktions-Axe exzentrisch zum Kompass
liegt, eine ebenso gestaltete Deviation hervorrufen, wie wir sie bei unseren letzten Betrachtungen fanden. Nehmen wir
zuerst an, eine solche Masse sei an Backbord vor dem Kompass befindlich. (Auf dem Deck des Modells ist eine Eisen
stange an Backbordseite mit ihrem Ende genau vor der Mitte des Kompasses hinzulegen!) Auf Nord-Kurs wird in dieser
Stange kein Magnetismus induzirt sein, da dieselbe Ost und West gerichtet ist. Auf NO-Kurs wird in dem Ende, welches
der Mittschiffs-Linie und somit dem Kompass zugekehrt ist, ein Südpol induzirt sein, welcher das Nordende der Kompass
nadel nach vorn, d. h. nach Ost ablenkt, also Ost-Deviation hervorruft. Auf Ost-Kurs ist ein Maximum von Süd-Magne
tismus in demselben Ende der Stange induzirt und tritt daher ein Maximum der östlichen Deviation ein. Auf SO-Kurs
hat die Intensität des in der Stange durch die Horizontal-Komponente der Erdkraft induzirten Magnetismus und damit
auch die Grösse der durch sie bewirkten Deviation abgenommen. Auf S-Kurs liegt die Stange wieder Ost-West und ist
daher in ihr kein Magnetismus induzirt und ruft sie somit keine Deviation hervor. Auf SW-Kurs ist das mittschiffs liegende
Ende der Stange mit N-Magnetismus induzirt, und es wird daher der ihm zugewandte Südpol der Kompassnadel nach
vorn angezogen und wiederum Ost-Deviation bewirkt. Diese erreicht auf W-Kurs ihr Maximum, um auf NW-Kurs ab
zunehmen und aufN-Ivurs wieder zu verschwinden. Eine solche Stange (Masse) ruft demnach dieselbe Deviation hervor,
wie eine an Backbordseite, längsschiffs, achter dem Kompass befindliche Eisenmasse und die entgegengesetzte zu einer
an Backbordseite vor dem Kompass längsschiffs gerichteten. Plaziren wir jetzt die Stange ebenfalls an Backbordseite,
aber achter dem Kompass, so zeigt die Wiederholung des vorigen Exxreriments, dass jetzt überall westliche Deviation
und nur auf N- und S-Kurs keine Deviation auftritt. Ebenso zeigt uns eine nochmalige Wiederholung des Experiments,
dass eine an Steuerbordseite vor dem Kompass befindliche, dwarsscliiffs gerichtete Eisenmasse auf allen Kursen mit Aus
nahme von N und S eine westliche Deviation, und eine ebenso gerichtete, ebenfalls an Steuerbordseite, aber achter dem
Kompass befindliche Eisenmasse mit derselben Ausnahme überall eine östliche Deviation hervorruft.
Bei jeder anderen, in Bezug auf ihre Induktions-Axe exzentrisch zum Kompass gerichteten Eisenmasse
können wir offenbar die in ihr induzirte magnetische Kraft so zerlegen, als ob ihre Wirkung von einer
längsschiffs und einer dwarsscliiffs gerichteten Stange (Axe) herrühre. — Wir sahen aber, dass sowohl
längsschiffs als dwarsscliiffs gerichtete Eisenmassen, dereD Induktions-Axe exzentrisch zum Kompass ge
richtet ist, eine Deviation hervorrufen, welche in ihrem ganzen Verlaufe rund um den Kompass ihr Zeichen
nicht wechselt. Es ist jedoch die durch längsschiffs gerichtete Induktions-Axen hervorgerufene Deviation
von der durch dwarsscliiffs gerichtete Induktions-Axen hervorgerufenen dadurch verschieden, dass im ersten
Falle das Maximum der Deviation auf N- und S-Kurs, im zweiten Falle aber auf 0- und W-Kurs eintritt.
Versuchen wir nun beide Arten der Deviation in unsere allgemeine Formel einzureihen, so zeigen uns die
graphischen Darstellungen beider Fälle, dass dieselben nicht durch ihr Maximum und den sin oder cos des
Kurses darstellbar sind, da eben diese trigonometrischen Funktionen in ihrem Verlaufe durch die vier
Quadranten ihr Vorzeichen wechseln, was die in Kede stehende Deviation nicht thut. Untersuchen wir zu
nächst den ersteren Fall, den der längsschiffs gerichteten Induktions-Axe, so ist klar, dass wenn wir unseren
Ausgangspunkt der Rechnung (Zählung) der Deviation verlegen, wenn wir unsere Deviationen nicht mehr
von „Null-Deviation“ ab an rechnen, sondern von einem bestimmten Betrage derselben, etwa von der An
zahl Grade ab an zu zählen beginnen, welche die zuletzt betrachtete Deviation auf den Interkardinal
strichen NO, SO, SW und NW erreicht; oder mit anderen Worten, wenn wir von allen Deviationen den
Betrag der in Rede stehenden Deviation auf den Interkardinalstrichen subtrahiren (algebraisch), was ja
graphisch geshieht, wenn wir die Null-Linie (die abgewickelte Kompass-Theilung) um diesen Betrag, den
wir A nennen wollen, verschieben (An der Tafel auszuführen, indem die Null-Linie um diesen Betrag nach
der Ost-Seite hin verschoben wird, indem man dabei den Fall einer östlichen Deviation annimmt!), dass
alsdann unsere zuletzt betrachtete Deviation in eine viertelkreisförmige übergegangen ist, welche ebenso
wie die vom Koeffizienten D abhängige durch eine trigonometrische Funktion des doppelten Kurses dar
stellbar sein muss.