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eine Kompensation wohl selten gelingen dürfte, ist der übrig bleibende Theil dieses Koeffizienten durch
Einführung des Gliedes Dsin2£' in die Formel (13) in Rechnung zu ziehen.
Wir haben bei den bisherigen Betrachtungen immer angenommen, dass die Richtung, in welcher die
magnetische Induktion des Schiffseisens erfolgt, genau zentrisch zum Kompass gerichtet sei; d. h. dass der
eine durch magnetische Induktion im Schiffe gebildete Pol vom Kompass-Mittelpunkte aus immer genau
diametral entgegengesetzt zum anderen liege. Dem wird aber nicht immer so sein. Es kann auch der
Fall eintreten, wo die Richtung, in welcher die Induktion erfolgt, nicht zentrisch zum Kompass ist. So
wird das z. B. immer der Fall sein, wenn der Kompass nicht in der Mittschiffs-Linie aufgestellt ist, da
alsdann beispielsweise auf Nordkurs — Am Modell zu zeigen, indem man den Ort eines etwa an Steuerbord
seite aufgestellten Kompasses durch eine der Platten bezeichnet! — der magnetische Nordpol des Schiffes
insoweit derselbe von dem durch die Horizontal-Komponente des Erdmagnetismus induzirten flüchtigen
Magnetismus herrührt, vor dem Kompass, aber an Backbordseite, und der durch dieselbe Kraft induzirte
Südpol des Schiffes achter dem Kompass ebenfalls an Backbordseite liegt. Auch wird der in Rede stehende
Fall stets eintreten, wenn sich eine Eisenmasse (Gräting u. s. w.) in der Nähe des Kompasses befindet, deren
horizontale Ausdehnung nicht zentrisch zum Kompass gerichtet ist. In allen diesen Fällen macht sich eine
Deviation bemerkbar, die wir jetzt gesondert zu betrachten haben.
Einundzwanzigstes Experiment. Nehmen wir zunächst an, der Kompass sei an Steuerbordseite aufgestellt, dann
liegt, wie schon erwähnt, der in der Längsschiffs-Richtung auf Nordkurs induzirte Pol an Backbordseite und zwar möge
der vordere Pol, ein Nordpol, der am stärksten wirkende sein. "Wir können nun die Kraft desselben in zwei Komponenten
zerlegen, eine längsschiffs und eine dwarsschiffs gerichtete. Der in der Längsschiffs-Richtung liegende Theil wird, wie
vorhin erläutert, unter den Koeffizienten D fallen, während der dwarsschiffs gerichtete Theil auf Nordkurs eine östliche
Deviation hervorruft. Drehen wir das Schiff (Modell) bis nach NO-Kurs, so wird der in der Längsschiffs-Richtung in
duzirte Pol und somit auch seine Dwarsschiffs-Komponente an Intensität abgenommen haben, immerhin aber wird der
vordere Pol noch eine östliche Deviation bewirken. Auf Ostkurs aber ist der Pol aus der Längsschiffs-Richtung völlig
verschwunden, und es findet auch keine Deviation statt. Auf SO-Kurs ist in der Längsschiffs-Richtung vorn Süd-
Magnetismus induzirt und dessen Dwarsschiffs-Komponente wird das Nordende der Kompassnadel nach Backbord, d. h.
wieder nach Ost ablenken. Auf S-Kurs tritt wiederum ein Maximum der Deviation, auf W-Ifurs keine Deviation, und
auf N-Kurs endlich wieder das Maximum der östlichen Deviation ein. Wir können diese Erscheinungen auch am Modell
zur wirklichen Anschauung bringen, indem wir eine Eisenstange an Backbordseite längsschiffs so hinlegen, dass ihr
vorderes Ende neben der Mitte des Kompasses sich befindet. Alsdann haben wir auf Nordkurs im vorderen (wirksamen)
Ende der Stange einen Nordpol induzirt, welcher, da er an Backbordseite liegt, das Nordende der Kompassnadel nach
Steuerbord abstösst und somit eine östliche Deviation bewirkt. — Wir wollen uns nun während unseres Experiments
gleich den Verlauf dieser Deviation rund um den Kompass wieder aufzeichnen. (Auszuführen!) Auf N-Kurs haben wir
also in diesem Falle ein Maximum der östlichen Deviation. Auf NO-Kurs ist immer noch ein Nordpol in der Stange
wirksam, und wird daher die östliche Deviation nur abgenommen haben. Auf Ost-Kurs ist dagegen kein Magnetismus
in der Stange induzirt und somit auch keine Deviation vorhanden. Auf SO-Kurs ist im vorderen Ende der Stange ein
Südpol induzirt, welcher das Nordende des Kompasses nach der Backbordseite ablenkt, also wiederum Ost-Deviation hervor
ruft. Dieser Südpol, und somit auch die durch ihn bewirkte Deviation, erreicht auf Süd-Ivurs ein Maximum, verschwindet
um so mehr, je westlicher der Kurs wird und ist auf W-Kurs = Null. Auf NW-Kurs ist endlich im vorderen Ende der
Stange wieder ein Nordpol induzirt, welcher das Nordende nach Steuerbord abstösst, also wiederum O-Deviation bewirkt.
Die so von 4 zu 4 Strich aufgezeichnete Deviations-Kurve zeigt uns deutlich, dass die entstandene Deviation in ihrem
Verlaufe rund um den Kompass ihren Namen (Zeichen) nicht wechselt, also von der bisher betrachteten halbkreisförmigen
und viertelkreisförmigen Deviation durchaus verschieden ist.
Hätten wir die Annahme gemacht, der Kompass sei an Backbordseite des Schiffes aufgestellt, so
würden wir offenbar den Verlauf der Deviationen rund um den Kompass am Modell nachahmen und er
läutern, wenn wir die Stange an Steuerbordseite, im Uebrigen aber wie früher angebracht hätten. Alsdann
erhalten wir, wie die Wiederholung des vorigen Experiments zeigt (Auszuführen!) auf allen Kursen rund
um den Kompass West-Deviation, nur auf Ost- und West-Kurs wird dieselbe wieder Null. Ebenso lassen
sich diejenigen Fälle am Modell illustriren, wo der achtere Pol der auf den Kompass am stärksten ein
wirkende ist.
Aber nicht allein das Schiff als Grosses und Ganzes, sondern auch jede einzelne Eisenmasse in der
Nähe des Kompasses, in welcher die Induktion nicht zentrisch (exzentrisch) zum Kompass erfolgt, ruft
eine ebenso gestaltete Deviation hervor. Wir haben das schon in Bezug auf längsschiffs gerichtete Eisen
massen gesehen, indem wir beobachteten, wie längsschiffs gerichtete Eisenstangen, deren ganze Ausdehnung
achter der Mitte des Kompasses lag, dieselben Deviationen bei einem mittschiffs aufgestellten Kompass
bewirkten, wie das ganze Schiff auf einen seitlich aufgestellten Kompass. — Wären nun etwa solche