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wieder umgekehrt proportional der Richtkraft des Kompasses ).H sein, folglich ist für jeden beliebigen
Ort der Erde:
D
dH
).H
und da
H
H
1 ist,
wird somit D überall = d/h d. h. gleich gross sein. — In Worten ausgedrückt können wir auch sagen:
Ist an irgend einem Orte der Erde die Horizontal-Komponente des Erd-Magnetismus H gross, so wird
dieselbe vielen flüchtigen Magnetismus im Schiffe hervorrufen, alsdann verleiht aber dieselbe Horizontal-
Komponente dem Kompass eine in demselben Maasse grössere Richtkraft, so dass sich derselbe durch die
grössere Kraft des Schiffs-Magnetismus nun nicht mehr ablenken lassen wird, als an einem anderen Orte
der Erde, wo in Folge der kleineren Horizontal-Komponente weniger Magnetismus im Schiffe induzirt war,
aber dafür der Kompass auch eine in demselben Maasse kleinere Richtkraft hatte.
Der Koeffizient D ändert sich also mit der Orts-Veränderung des Schiffes nicht, er hat also an allen
Orten der Erde beständig denselben Werth und wird daher auch ein konstanter Deviations-Koeffizient
genannt.
Der von der Horizontal-Komponente der Erdkraft induzirte flüchtige Magnetismus bewirkt, wie wir
vorhin des Weiteren ausgeführt haben, auf allen Kursen eine Schwächung der Richtkraft des Kompasses.
Auch ändert sich die durch denselben hervorgerufene Deviation auf den verschiedenen Kursen von Strich
zu Strich ungemein schnell, da sie rund um den Kompass 4 Mal ihr Maximum erreicht und 4 Mal
wieder zu Null wird. Eine schnelle Aenderung der Deviation bringt aber den Uebelstand mit sich, dass
Kurs-Aenderungen und namentlich Abweichungen vom aufgegebenen Kurse (Gieren des Schiffes) nicht genau
nach demselben erkannt werden können. Beträgt z. B. der Unterschied zwischen den Deviationen auf
einem Kurse und dem um einen Strich davon entfernt liegenden Kurse etwa 5°, so wird der Kompass,
wenn das Schiff um diesen Strich von seinem Kurse abgelenkt wird, entweder eine Kurs-Aenderung von
11?*2 -(- 5° = 16?2 oder von 11?2 — 5 = 6?2 angeben. Beides ist aber gleich schlimm! Im ersteren Falle
wird jedes Gieren des Schiffes am Kompass übertrieben erscheinen, und dadurch die Leute am Ruder ver
anlasst, fortwährend mit demselben zu drehen, wodurch mindestens die Fahrt des Schiffes gehemmt wird.
Im letzteren Falle werden die Leute am Ruder ein immerhin beträchtliches Gieren des Schiffes am Kompass
gar nicht merken. Aus beiden Gründen, namentlich aber aus dem ersteren (Schwächung der Richtkraft
des Kompasses) ist eine Kompensation des Koeffizienten D sehr wünschenswerth. Da aber das Maass des
im Schiffe induzirten flüchtigen Magnetismus von der Grösse der induzirenden Kraft abhängig, also an
jedem Orte der Erde verschieden ist, so ist klar, dass die Wirkung desselben auf den Kompass und somit
der Koeffizient I), nicht durch eine feste Kraft, wie sie ein Magnet besitzt, kompensirt werden kann. Wir
werden also zu dem Mittel greifen müssen, den Koeffizienten D durch Eisen zu kompensiren, in welchem
von der Horizontal-Komponente des Erd-Magnetismus stets der entgegengesetzte Pol zu dem im Schiff vor
handenen und auf den Kompass wirkenden induzirt wird, und welches dem Kompass soweit genähert wird,
dass es mit derselben Stärke auf den Kompass einwirkt, wie der Pol des Schiffes. Ein solches Mittel der
Kompensation bieten uns horizontal gerichtete Eisenmassen an einer Seite des Kompasses. Jede in der
Längsschiffs-Richtung oder in der Dwarsschiffs-Riclitung an einer Seite des Kompasses angebrachte, horizontal
gerichtete Eisenmasse verstärkt die Richtkraft des Kompasses.
Neunzehntes Experiment. Man schiebe eine Eisenstange a in den vor dem Kompass befindlichen Träger! — Liegt
das Schiff auf N-Iiurs, so wird, wie wir gehört haben, der vor dem Kompass im Schiffe durch die Horizontal-Komponente
der Erdkraft induzirte magnetische Nordpol die Richtkraft des Kompasses schwächen. Ebenso wie im Schiffe geht auch
in der Eisenstange die Induktion vor sich, hier liegt aber der Südpol dem Kompass zugekehrt und vor demselben. Dieser
Südpol zieht das Nordende des Kompasses an, verstärkt also die Riclitkraft desselben. Dieselbe Erscheinung zeigt sich
auf Süd-Kurs (das Modell S anzulegen!). Jetzt wird die Richtkraft des Kompasses wiederum durch den im Schiffe in
duzirten Pol geschwächt, der dem Kompass zugekehrte Nordpol der Eisenstange aber verstärkt die Richtkraft. — Dieselbe
Erscheinung beobachten wir, wenn wir die Eisenstange achter dem Kompass anbringen (Auszuführen!). Nun wird auf
N-Ivurs der Nordpol der Stange dem Südpol des Kompasses zugewandt sein, daher die Richtkraft des Kompasses ver
stärkt werden, während auf S-Ifurs der Südpol der Stange dem Nordpol des Kompasses zugewandt ist und daher wiederum
die Richtkraft verstärkt wird. — Bringen wir eine Eisenstange horizontal dwarsscliiffs z. B. hier am Modell an Steuerbord
seite an, so wird auf Ost-Kurs der Nordpol der Eisenstange dem Südpol der Kompassrose, auf "West-Kurs der Südpol
der Eisenstange dem Nordpol des Kompasses zugekehrt sein. Folglich ist die Richtkraft des Kompasses wiederum ver
stärkt. Dasselbe tritt ein, wenn wir die Stange an Backbord anbringen (Auszuführen!), wo auf Ost-Ivurs der Südpol der
Stange dem Nordpol des Kompasses, auf W-Kurs der Nordpol der Stange dem Südpol des Kompasses zugewandt ist.