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in den Eisenmassen desselben sich entwickelt. — Die Stärke des dadurch entstehenden Poles wird propor
tional sein:
1) Der Länge der Zeit, während welcher die Erschütterungen stattfanden (abgesehen davon, dass die
Entwickelung anfänglich schneller erfolgt als später);
2) der Stärke der Erschütterungen;
3) der Stärke der induzirenden Kraft, welche hier offenbar die Totalkraft des Erdmagnetismus ist.
Was den ersten Punkt angeht, so hat die Erfahrung gelehrt, dass bei Dampfschiffen nach 24 Stunden,
bei Segelschiffen nach Zurücklegung eines Weges von ca. 200 Seemeilen keine für die Praxis noch in Be
tracht kommende Zunahme des halbfesten Magnetismus mehr beobachtet wird. Es ist daher anzunehmen,
dass bei einem in Fahrt befindlichen Schiffe nach Verlauf dieses Zeitraumes ein Maximum von halbfestem
Magnetismus eingetreten ist, welches hierauf im Verlauf der Reise an Intensität nur noch in Folge des
Punktes 2), wegen der verschiedenen Stärke der Erschütterungen, welchen das Schiff ausgesetzt ist, gerin
gen Schwankungen unterworfen sein würde, wenn es nicht in Folge des Punktes 3), der überall auf der
Erde verschiedenen Totalintensität noch erhebliche Veränderungen erlitte. In Folge des Punktes 2) wird
man in der Praxis nur mit einem Mittelwerthe des Maximums, d. h. mit demjenigen Maximum, welches
eintritt, wenn mittelstarke Erschütterungen stattgefunden haben, rechnen können. Bezeichnen wir lein
solches Maximum, welches etwa an dem Orte der Erde statthätte, wo die Totalintensität der magnetischen
Erdkraft 1 gesetzt wird mit u, so wird, an irgend einem anderen Orte der Erde, wo die Totalintensität
= T ist, uT — die Stärke des Maximums vom halbfestem Magnetismus bezeichnen. — Die Lage des Pols
dieses halbfesten Magnetismus wird sich nach dem Kurse richten, welcher während der Zeit, wo der Mag
netismus aufgenommen wurde, gesteuert ist. Wäre also bis zu dem in Frage kommenden Zeitpunkte, für
welchen man die Deviationsbestimmung wünscht, überhaupt nur ein Kurs gesteuert, so würde dieser die
Lage des Pols bedingen, d. h. es würde dahin, vom Kompass aus, ein Nordpol liegen, wohin der nördliche
Pol der Erde lag, oder da wir in Bezug auf Deviation nur mit der in der Horizontal-Ebene des Kompasses
liegenden Komponente desSchiffsmagnetismus rechnen: Es würde dieser Nordpol genau dorthin liegen,
wohin während der Aufnahmezeit des halbfesten Magnetismus „Magnetisch Nord“ vom Kompass aus lag.
Dreizehntes Experiment. Dieser Schiffspol ist durch eine der beiden Platten für irgend einen beliebig angenommenen
vorher gesteuerten Kurs, z. B. NO, zu bezeichnen! — Machen wir aber die Annahme, es sei nur anfangs dieser Kurs
gesteuert, später aber z. B. OSO, so werden wir uns denken können, es sei anfänglich ein Pol an dem von uns bezeich-
neten Orte entstanden. Nachdem denn das Schiff auf OSO-Kurs gebracht war, verschwand dieser Pol allmählich, dafür
aber entstand in der durch den neuen Kurs bedingten Richtung (ebenfalls durch die andere Platte zu bezeichnen!) ein
neuer Pol, welcher immer mehr an Stärke zunahm, oder mit anderen Worten: es wird, da anfänglich noch beide Pole
in Rechnung zu ziehen waren, so lange die Resultirende aus beiden Polen in Betracht zu ziehen sein. Diese nähert sich
aber im Verlaufe der Zeit immer mehr der letzteren Richtung, da die Intensität der Kraft in ersterem Punkte abnimmt,
im zweiten aber zunimmt. Hiernach ist wohl klar, dass man in Fällen, wo mehrere Kurse während des in Betracht zu
ziehenden Zeitraums gesteuert wurden, stets mit der Resultirenden zu rechnen hat, d. h. mit dem general-missweisenden
Kurse der letzten 24 Stunden resp. 200 Seemeilen Distanz.
Aber auch hier greifen wir der bequemeren Rechnung halber wieder zum Mittel der Zerlegung einer
Kraft in ihre Komponenten und sagen: das Maximum der überhaupt in der Längsschiffs-Richtung zu indu
zirenden Kraft des Pols vom halbfesten Magnetismus sei v T, dasselbe Maximum in der Dwarsschiffs-Richtung
sei v' T, dann werden diese Maxima bezw. nur eintreten können, wenn der vorher gesteuerte Kurs bezw
N und S, oder 0 und W war. Für irgend einen beliebigen vorhergesteuerten Kurs wird dann bezw.
die aufgenommene Kraft des halbfesten Magnetismus in der Längsschiffs-Richtung vTcos£ P und in der
DwarsschiffsRichtung des Schiffes = v' Tsin 'C r , sein. Hierbei ist aber zu bedenken, dass, wenn wir unsere
Kurse, wie überhaupt in der Deviationslehre allgemein üblich, vom N-Punkte an durch Ost und Süd herum
rechnen wollen, zu berücksichtigen bleibt, wie auf N-Kurs vor dem Kompass ein Nordpol entsteht, welcher
in den ersten beiden, positiven, Quadranten, d. h. in den Quadranten, wo nach unserer praktischen Regel
die aufzuschlagende Abweichung Ost, also positiv sein würde, eine westliche, also negative Deviation be
wirkt, wie dieses am Modell sofort zu zeigen ist. (Auszuführen!) Wir müssen also sagen: Die Längsschiffs-
Kraft des halbfesten Magnetismus sei —vTcosip, während, wie am Modell sofort ersichtlich, bei Ost-Kurs
an Backbordseite der Nordpol entsteht, welcher in den nördlichen, positiven Quadranten eine positive De
viation bewirkt (nördlicher Breitenunterschied nach unserer Regel). Desslialb wird die Dwarsschiffs-Kraft
zu bezeichnen sein durch -+■ v' Tsin Die Wirkung dieser Kräfte auf die Ablenkung des Kompasses