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Eine Hypothese muss die Eigenschaft haben, dass man mittels derselben die beobachteten Erschein
ungen durch Rechnung darstellen kann. Sehen wir, wie sich unsere Hypothese dazu verhält.
Jeder Körper besteht aus einer unendlich grosssen Anzahl kleiner Theilchen, welche ihrerseits durch
mechanische Mittel nicht weiter zerlegbar sind und Moleküle heissen. Dieselben werden durch eine
Naturkraft, welche den Namen Kohäsion führt, zusammengehalten. Die Moleküle gewisser Körper, d. h.
derjenigen, welche magnetische Erscheinungen zeigen können, haben nun das Bestreben, unter dem Ein
flüsse einer erregenden (induzirenden) Kraft sich in eine bestimmte Lage einzustellen. Befinden sie sich in
dieser Lage, so äussert der Körper magnetische Erscheinungen. Je nach dem Grade der Härte der Masse
(Eisenmasse) sind die Moleküle leicht oder schwer beweglich, d. h. sie besitzen das Vermögen, sich leicht
oder schwer in die erforderliche Lage, in welcher sie magnetische Erscheinungen bewirken, einzustellen.
Wir nennen diese Lage schlechthin die magnetische Lage. Je härter das Eisen, desto grösser ist die Kraft,
welche der Bewegung der Moleküle Widerstand leistet (Magnetische Koerzitifkraft), je weicher das
Eisen, desto geringer ist diese Kraft. Den Molekülen wohnt jedoch auch eine gewisse Trägheitskraft inne,
d. h. sie haben das Bestreben, in diejenige Lage zurückzukehren, aus welcher sie durch eine erregende,
induzirende Kraft gebracht wurden, wenn diese aufhört auf sie einzuwirken. — Durch die Erschütterung
des Eisens wird die Koerzitifkraft verringert. Wird daher Eisen erschüttert, so vermögen mehr Moleküle
der induzirenden Kraft Folge zu leisten und die magnetische Lage anzunehmen, dasselbe Quantum Eisen
nimmt dann mehr Magnetismus auf.
Hauptgrundsatz: Dieselbe Kraft, welche erforderlich ist, die Moleküle in diejenige Richtung zu
bringen, in welcher sie magnetische Eigenschaften äussern, ist auch erforderlich, sie wieder in eine in
differente, oder die durch eine neue Quelle der Induktion bedingte Lage zu bringen.
Starke Erschütterungen bannen eine Anzahl von Molekülen in der Lage, in welcher sie sich gerade
befinden, fest; daher werden diejenigen Moleküle, welche sich während solcher Erschütterungen in der mag
netischen Lage befanden, theilweise in derselben verharren und anhaltend magnetische Eigenschaften äussern.
Hartes Eisen, Stahl. —
Wir gliedern die unendliche Anzahl von Molekülen mit verschiedener Bewegungsfähigkeit gegenüber
der Magnetismus erregenden Kraft in 3 Gruppen: 1) festgebannte und daher unter gewöhnlichen Umständen
gar nicht aus der magnetischen Lage zu bringende Moleküle; 2) schwer bewegliche Moleküle; 3) leicht
bewegliche Moleküle. — Dass der Uebergang von der einen zur anderen Gruppe allmählich stattfindet, ist
selbstverständlich. Demgemäss unterscheiden wir auch 3 Gruppen (Arten) von Magnetismus im Eisen:
1) Fester (permanenter),
2) Halbfester (remanenter),
3) Flüchtiger (transienter) Magnetismus.
Die Induktion des flüchtigen Magnetismus ist bereits im dritten Experiment gezeigt worden.
Siebentes Experiment. Nachwirkung. Man bringe eine Eisenstange (hierzu wählt man stets dieselbe, um den
Grad der Weichheit der andern nicht zu vermindern, und hat sich diese ein für allemal mit einem Schnitt bezeichnet) in
die Richtung der magnetischen Erdkraft, unterstütze sie und schlage sie dann einige Male leicht mit einem Hammer
und zeige, dass nun der Magnetismus nicht sofort wieder aus derselben entweicht, indem die Stange horizontal 0—W
gehalten, andauernd den Kompass ablenkt. Ein ebenso starkes Hämmern in entgegengesetzter Richtung der Stange
bringt den Magnetismus wieder zum Verschwinden. (Es ist klar, dass man zum exakten Gelingen des Experiments das
letzte Hämmern etwas weniger stark ausführen muss, als das erste Mal). Dasselbe, was man durch Hämmern in entgegenge
setzter Richtung erzielt, kann man auch dadurch erreichen, dass man statt der während des ersten Hämmerns wirkenden
induzirenden Kraft der Erde eine erheblich stärkere Kraft — welche nun nicht durch Hämmern unterstützt wird — im
entgegengesetzten Sinne induzirend wirken lässt. Man hämmere zn dem Zwecke die völlig entmagnetisirte Stange in
der Richtung der magnetischen Erdkraft abermals, zeige dass wiederum in dem unteren Ende ein Nordpol zurückge
blieben ist und nähere dann dieses Ende dem Nordpol eines künstlichen Magnets und zeige, wie nun der Pol wiederum
verschwunden ist. (Zum Gelingen des Experiments hat man sich vorher die Entfernung experimentell festzustellen und
zu markiren, in welcher man bei der innezuhaltenden Anzahl von Hammerschlägen die Eisenstange vom Magnet etwa
2 Sekunden lang zu halten hat, was bei einiger TJebung leicht gelingt). Hält man nun abermals in derselben Lage die
Stange an den Magnet und zwar etwa wieder 2 Sek., so kann man zeigen, wie dann schon ein Südpol entstanden ist,
wo früher ein Nordpol war.
Was also einer induzirenden magnetischen Kraft an Stärke abgeht, kann man durch Länge der Zeit
ersetzen. Hier kann man, wenn genügende Zeit zur Verfügung steht, auch das Experiment wiederholen
und zeigen, wie man in etwas grösserer Entfernung vom Magnet die Eisenmasse nur umsolänger der