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Full text: 6, 1883

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Erdoberfläche, die wir Sammelpunkte nennen wollen; ein Blick auf eine Karte der magnetischen Erd 
kraft macht dieses Verhältniss am anschaulichsten. 
Eine andere Folge der ungieichmässigen Vertheilung des Magnetismus im Erdkörper ist, dass auch 
die Richtung der erdmagnetischen Kraft nicht an allen Orten genau nach dem Pole zu zeigt. Diese Rich 
tung der magnetischen Kraft wird durch eine im Raume frei schwebende Nadel bestimmt und hat man 
dieselbe für sehr viele Orte der Erdoberfläche festgestellt. Der Winkel, welchen dieselbe an einem Orte 
mit der Horizontal-Ebene macht, führt den Namen „Neigung der Nadel“ oder „magnetische Inklination“. 
Nach den darüber angestellten Beobachtungen ist die Karte der magnetischen Inklination angefertigt, auf 
welcher alle diejenigen Orte, an welchen die Richtung der magnetischen Kraft denselben Winkel mit der 
Horizontal-Ebene bildet, durch Linien (Isoklinen) mit einander verbunden sind. Die Neigung der Nadel 
nimmt nach den Polen hin zu, nach den Aequatorial-Gegenden ab ; die Linie ohne magnetische Neigung 
heisst der magnetische Aequator. 
Den Winkel, welchen die durch die Richtung der magnetischen Kraft gelegte Yertikal-Ebene mit der 
astronomischen Nord- und Südrichtung bildet, nennt man die „magnetische Deklination“ (Miss 
weisung, auch Variation). Die Vertikal-Ebene selbst nennt man den magnetischen Meridian. Die magnetische 
Deklination ist daher der Winkel zwischen dem astronomischen und magnetischen Meridian an einem Orte. 
Auch diese, die magnetische Deklination, ist auf der Erdoberfläche sehr verschieden und wurde durch zahl 
reiche Beobachtungen für viele Orte festgestellt. Auf der Deklinations-Karte hat man diejenigen Orte, an 
welchen die frei schwebende Magnetnadel (die vertikale Ebene durch dieselbe) denselben Winkel mit der 
Nord-Süd-Richtung bildet, durch Linien (Isogonen) verbunden.*) 
Die Kraft des Erdmagnetismus, deren Vertheilung über die Erdoberfläche wir auf der Karte der Ge 
summt- oder Total - Intensität dargestellt sehen, pflegt man gewöhnlich in zwei Komponenten zu zerlegen, 
eine horizontale und eine vertikale. (Man erläutere die Zerlegung einer Kraft in ihre Komponenten durch 
ein Beispiel aus der Stromschifffahrt!) 
Aus der Total-Intensität T und der magnetischen Inklination J findet man die Horizontal-Komponente 
H nach der Formel: H = T cos J und die Vertikal-Komponente Z nach der Formel: Z — TsinJ. (Bei 
spiel aus der Schifffahrt: Distanz mal Cosinus des Kurses giebt Breiten-Unterschied, Distanz mal Sinus des 
Kurses giebt Abweichung.) 
Die Horizontal-Komponente (H) hat in der Lehre von der Anwendung des Magnetismus in der Navi 
gation eine besondere Bedeutung, weil sie es ist, die eine, eine horizontale Lage einnehmende Kompass 
nadel richtet'. Die Vertikal-Komponente Z wird durch passende Lage des Aufhängungspunktes der Nadel 
(der Rose) über dem Schwerpunkte derselben oder durch Gegengewichte unwirksam gemacht. 
Eine weitere Betrachtung des nebenstehenden Parallélogrammes, in welchem AB 
D die Total-Intensität, <CBAB die magnetische Inklination, AB die Horizontal-Komponente 
und DB = AC die Vertikal-Komponente der magnetischen Erdkraft bedeuten, lehrt, 
dass: 
B DB Z 
^ j j j tun ff J f 
AB T . 
i-w =• rr — secJ ist. 
AB H 
Diejenigen Orte der Erde, an welchen dieselbe Horizontal-Intensität des Erdmagnetismus herrscht, 
werden auf Karten ebenfalls durch Linien verbunden, w r elche den Namen Horizontal-Isodynamen führen. 
Es ist einleuchtend, dass die Werthe der Horizontal-Komponenten nach den Polen im Allgemeinen ab-, 
nach dem Aequator hin aber zunehmen, d. h. die den Kompass richtende Kraft ist nach den Polen zu 
schwächer als in der Gegend des Aequators. (Es sind diese Verhältnisse an einer Karte zu erläutern!) 
Das Wesen des Magnetismus ist uns wie das aller Naturkräfte unbekannt. Zur Erklärung der durch 
Beobachtung wahrzunehmenden magnetischen Erscheinungen giebt es verschiedene Hypothesen. Wir 
wählen die folgende: 
*) Siehe Karten der erdmagnetischen Elemente für 1880,0, herausgegeben von der Deutschen Seewarte, Abtheilung II. 
Hamburg, bei L. Friederichsen & Co. Darauf sind die Linien ohne Abweichung (Agonische Linien) von besonderem Interesse.
	        
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