Jahresbericht der Deutschen Seewarte tür 1904.
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und Gezeitenströme für die Nordsee und die britischen Gewässer“, der nur von
ihr allein bearbeitet worden ist, sehr viel Zeit, wie auch die gegen Ende des
Berichtsjahres in Angriff genommene Neuausrüstung der Hauptagenturen und
Agenturen mit nautischen Büchern und Seekarten. Außer den mit anderen Ab
teilungen gemeinsam zu erledigenden Sachen wurden von ihr allein 576 Nummern
bearbeitet.
g, Personalveränderungen.
Da die beiden der Abteilung nach Abkommandierung des größeren Teils
nur noch verbliebenen Assistenten nicht im Stande waren, die der Abteilung zu
fallenden Arbeiten zu bewältigen, so wurde ihr arn 15. Mai noch der Hülfsarbeiter
v. d. Becke überwiesen, gleichzeitig aber der Assistent Kapitän Krause zunächst
für die Hälfte der Dienstzeit, vom 1. Oktober an aber ganz der Abteilung II zu
geteilt. Am 1. November erhielt die Abteilung V in dem Schiffsoffizier Espe
provisorisch eine Hülfskraft.
XII. Bericht über die Tätigkeit der Meteorologischen Abteilung.
Dem Meteorologen der Seewarte, Prof. Dr. Koppen, lag die Leitung des
Drachendienstes der Seewarte, die Redaktion des Internationalen Dekadenberichts,
die Ausarbeitung des meteorologischen Teiles von Segclhandbüchcrn und die Er
ledigung von Gutachten und Antworten über meteorologische Gegenstände ob, die
teils innerhalb der Seewarte, teils durch Anfragen von außen nötig wurden.
Im Berichtsjahre wurden die meteorologischen Abschnitte der Segelhand-
bücher des Reichs-Marine-Amts für die Nord- und Westküste Spaniens und Por
tugals sowie für die Ostküste Spaniens, Südküste Erankreichs und Korsika fertig-
gestellt.
Im Aufträge des Reichs-Marine-Amts nahm Prof. Koppen an der Zusammen
kunft der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt teil, die
in den Tagen vom 29. August bis zum B. September zu St. Petersburg stattfaud.
Das Personal der Abteilung bestand außer ihm aus dem Hülfsarbeiter
Dr. Perlewitz und den drei im Abschnitt IV genannten Arbeitern der Drachen
station.
a) Drachen Station. Nachdem im vorigen Jahre der Bau und die Ein
richtung der Dracbenstation zu Groß-Börstel erfolgt waren, ist 1904 das erste
Jahr regelmäßiger Arbeit auf dieser Station gewesen. Die Aufgabe der Station
bestand vor allem in der Feststellung von Temperatur, Eeucbtigkeit, Windgeschwin
digkeit und Windrichtung in den unteren 2 bis 4000 m über dem Boden, soweit
tunlich an jedem Wochentags-Vormittag, und in der rechtzeitigen Mitteilung der
Ergebnisse an die Seewarte zur sofortigen Veröffentlichung.
Das Dienstgebäude, wenngleich sehr knapp bemessen, hat sich als aus
reichend erwiesen. Das drehbare Windenhaus mußte, nachdem der künstliche
Hügel sich gesetzt hatte, Ende Mai einen Konkretkranz unter die Riugschiene er
halten, auf der es ruht, und genügt nunmehr den daran zu stellenden Ansprüchen.
Die Motorwinde mußte während des Berichtsjahres einmal wegen Umbau
und viermal wegen Reparaturen außer Gebrauch gesetzt werden. Während dieser
Zeiten, nämlich vom 5. bis 17. März, 14. Mai bis 4. Juni, 14. bis 28. November
und vom 11. Dezember an mußte der Betrieb mit der Handwinde aufrecht er
halten werden, insgesamt also während mehr als zweier Monate. Im Dezember
wurde übrigens die Handwinde notdürftig zum Betriebe mittels des Motor zugerichtet.