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Full text: 6, 1883

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3) Auf südlichen magnetischen Breiten ist der Kompensations-Magnet für den Krängungsfehler umzu 
kehren, und in dieser Lage, mit dem Südpol nach oben, dem Kompass umsomehr zu nähern, auf je 
höhere magnetische Südbreite das Schiff gelangt. 
Der durch die Kompensation nicht aufgehobene, bezw. durch die Breitenänderung des Schiffes wieder 
auftretende Theil des Krängungsfehlers sollte bestimmt und in Rechnung gezogen werden, wie vorhin 
erläutert. 
In den meisten Fällen und überall da, wo der erste, vom festen Magnetismus herrührende Theil des 
Krängungsfehlers kompensirt ist, wird das Nordende der Kompassnadel auf Nord-Breite nach luv, auf Süd- 
Breite nach lee gezogen und der Krängungsfehler selbst in der Nähe des Aequators Null werden. Lässt 
man nun einen solchen Krängungsfehler unberücksichtigt, so wird man sich auf allen Kursen, bei denen 
eine Verminderung der geographischen Breite stattfindet nach lee, auf allen Kursen, durch welche die 
geographische Breite des Schiffsortes vermehrt wird, nach luv versetzt finden, gleichviel in welcher Hemisphäre 
sich das Schiff befindet, und zwar umsomehr, je näher der Kurs an Nord oder Süd liegt und in dem Falle, 
wo nur der vom festen Magnetismus herrührende Theil des Krängungsfehlers kompensirt ist, auch umsomehr, 
je grösser die magnetische Breite des Schiffsortes selbst ist. 
Für Steuerkompasse handelt es sich weniger um eine genaue Bestimmung des Krängungsfehlers und 
um die Inrechnungnahme desselben, als darum, den Krängungsfehler innerhalb so kleiner Grenzen zu halten, 
dass ein Wildwerden des Kompasses in Folge dessen nicht zu befürchten ist, und somit das Schiff immer 
gut nach demselben gesteuert werden kann. Man wird sich also in der Praxis bei diesen Kompassen am 
leichtesten immer dadurch helfen können, dass man bei ihnen einen Kompensations-Magnet für den Krängungs 
fehler in einer solchen Entfernung von der Rose anbringt, bezw. die Entfernung des schon vorhandenen 
so ändert, dass der Kompass auch auf nahe nördlichem oder südlichem Kurse bei stark rollendem Schiff 
stets ruhig bleibt.*) Im Allgemeinen wird natürlich auch dieser Magnet auf Nord-Breite den Nordpol nach 
oben haben und bei Annäherung an den Aequator immer weiter von der Rose entfernt werden müssen. 
Auf südlichen Breiten wird der Magnet umzukehren (Südpol nach oben) und nun bei zunehmender Breite 
immermehr wieder der Kompassrose zu nähern sein. 
In solchen Fällen, wo ein Anbringen des Kompensations-Magnets für den Krängungsfehler genau unter 
der Mitte des Kompasses in Folge der Aufstellung desselben (auf einer Metallsäule u. s. w.) unmöglich ist, 
kann man auch zu demselben Zweck einen Magnet in einem Bügel über der Mitte des Kompasses in ver 
tikaler Lage anbi’ingen und ist alsdann als praktische Regel zu merken, dass für die Lage der Pole genau 
dieselbe Vorschrift gilt, als läge der Magnet unter dem Kompass. 
Achtundzwanzigstes Experiment. Denn ein Südpol unter dem Kompass wird wenn sich das Schiff z. B. nach Steuer 
bord überlegt an Backbordseite vom Kompass zu liegen kommen und daher das Nordende des Kompasses nach Backbord 
anziehen. (Am Modell zu zeigen!) Ein Nordpol über dem Kompass aber wird bei nach Steuerbord übergeneigtem Schiffe 
an Steuerbordseite des Kompasses liegen und das Nordende der Kompassnadel ebenfalls nach Backbord ablenken, so 
dass in beiden Fällen ganz dieselbe Wirkung erfolgt. Es ist daher auch in einem derartigen Falle im Allgemeinen der 
Nordpol des Kompensations-Magnets auf Nord-Breite nach oben, auf Süd-Breite nach unten zu legen. 
Anhang I. Napier’s Diagramm. 
Bei unseren bisherigen graphischen Darstellungen des Verlaufs der Deviationen eines Kompasses für 
alle Striche der Windrose haben wir die Grösse der Deviationen durch rechtwinklige Abstände von einer 
festen Linie (Mittellinie), welche die Kompassrose repräsentirt, dargestellt. Nach dem Vorgänge des eng 
lischen Admirals Napier wendet man jedoch in der Praxis ein anderes Verfahren an, man bedient sich des 
sogenannten Napier’schen Diagramms. Dasselbe besteht aus einer geraden Vertikallinie, welche die abge 
wickelte Theilung der Kompassrose repräsentirt und hat eine doppelte Theilung, einmal nach Strichen und 
einmal nach Graden. Durch diese Vertikallinie sind in Abständen von je einem Strich doppelte Linien 
gelegt, welche mit ihrer Richtung von oben nach unten einmal einen Winkel von 60° und einmal einen 
*) Der auf See vielfach vorkommende Missbrauch, in Fällen, wo die Kompassrose unruhig wird, dieselbe durch Be 
schweren mit Bleiplatten oder Bingen zu beruhigen, ist zu verwerfen, da dadurch einerseits durch das zu grosse Gewicht 
der B,ose Stein und Pinne verdorben werden und andererseits der Genauigkeit, mit welcher die Rose sich einstellt, Abbruch 
geschieht. 
Archiv 1883. 2. 
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