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gekrängt, möge durch kZ—eZ bezeichnet werden; denn es ist natürlich, dass die Grösse dieser Ver
änderung proportional sein wird der Grösse des überhaupt von der Vertikal-Komponente der Erdkraft in-
duzirten flüchtigen Magnetismus, also proportional der induzirenden Kraft Z selbst. Die Wirkung der er
wähnten Veränderung, oder der durch die Vertikal-Komponente der Erdkraft bewirkte Theil der Krängungs-
k—e Z , , k—e
Deviation, welchen wir ■/! nennen wollen, wird demgemäss
also
tcmgJsein. Wir haben
X E' ” ~ X
also nunmehr für die Krängungs-Deviation unter den oben genannten Voraussetzungen die Formel:
(2) k + Z = y j + tan ff
wobei noch die Wirkung der Induktion seitens der Horizontal-Komponente der erdmagnetischen Kraft nicht
berücksichtigt ist.
Eünfundzmanzigstcs Experiment. Experimentell wird dieser Theil des Krängungsfehlers zur Anschauung gebracht,
indem man eine der weichen Eisenstangen in dem zu diesem Zwecke genau über der Mitte des Kompasses angebrachten
Halter festklemmt. Diese Stange vertritt dann gleichsam die vertikale Induktionsaxe des Schiffes, und rückt hei einem
Ueberlegen des Modells nach Steuerbord oder Backbord an die Seite des Kompasses. Man zeigt hierbei, wie eine solche
Masse (Stange über dem Kompass), da in ihrem unteren, dem Kompass zugewandten Ende auf unseren Breiten ein Nord
pol induzirt ist, ebenso wirkt, wie eine eventuell unter der Mitte des Kompasses befindliche (die wirkliche Axe des
Schiffes), da in deren oberen, dem Kompass zugekehrten Ende ein Südpol induzirt sein würde. Nachdem man mit obiger
Stange auf Nord- und Süd-Kurs experimentirt hat, entfernt man sie und schiebt nun die ziemlich lange, dünne dem
Modell beigegebene Eisenstange durch die dwarsab vom Kompass unter dem Deck des Modells befindlichen Ringe, so
dass dieselbe bei aufrechter Lage des Schiffes (Modells) eine horizontale dwarsschiffs gerichtete Eisenmasse repräsentirt.
Indem man nun das Modell überneigt, macht sich hier die Wirkung der vertikalen Induktion bemerklich und es tritt
daher eine Ifrängungs-Deviation ein.
Da sich bei diesen Experimenten scheinbar ein Widersprach mit dem vorher Gesagten herausstellt,
indem beide Male ein positiver Krängungsfehler sich zeigt, mache man besonders darauf aufmerksam, dass
man beide Male nur die Wirkung der vertikalen Induktion zur Anschauung gebracht hat. Die Verminderung,
welche beide Male eintrat, indem nur eine Komponente der Gesammt-Induktion — die vertikale — in den
schräg gerichteten Eisenmassen (Stangen) zur Wirkung gelangte, konnte nicht währgenommen werden*).
Wollen wir jetzt noch den durch die Horizontal-Komponente des Erdmagnetismus induzirten flüchtigen
Magnetismus in seiner Wirkung auf die Krängungs-Deviation betrachten, so haben wir zu bedenken, dass
die in der Längsschiffs-Richtung induzirten Pole, welche bei der Deviation auf ebenem Kiel einen Theil der
in der Dwarsschiffs-Richtung induzirten Kraft aufheben und den Koeffizienten D verkleinern, bei über
geneigtem Schiff nicht mehr genau vor und achter dem Kompass, sondern nach der hohen Seite des Schiffes
•hin liegen werden.
Sechsundzwanzigstes Experiment. Man lege die längste und dickste der Eisenstangen in die beiden Halter unter dem
Deck des Modells, so dass dieselbe längsschiffs gerichtet mit ihrer Mitte unter der Mitte des Kompasses sich be
findet! — Würde, wie jetzt am Modell der Fall, der Kompass so aufgestellt sein, dass beide in der Längsschiffs-Richtung
von der Horizontal-Komponente des Erdmagnetismus induzirten Pole, von denen auf N-Iiurs der vordere ein Nordpol,
der achtere ein Südpol ist, gleichweit vom Kompass entfernt liegen und beide mit derselben Stärke auf ihn einwirken,
so müsste der Nordpol, welcher jetzt an der hohen Seite liegt, das Nordende der Kompassnadel nach lee abstossen, der
Südpol achter dem Kompass aber, welcher ebenfalls an der hohen Seite liegt, wird um denselben Betrag das Südende
nach lee abstossen, so dass also keine Drehung (Ablenkung) des Kompasses stattfinden kann. Ist aber der Kompass so
aufgestellt, dass der eine der beiden Pole ihm näher liegt, oder dass dieser mit grösserer Stärke auf den Kompass ein
wirkt, so muss eine Ablenkung des Kompasses erfolgen. In der Praxis wird dieses gewöhnlich in Bezug auf den achteren
Pol der Fall sein. Wir wollen uns aber hier gleich merken, dass der hiervon herrührende Theil des Krängungsfehlers
umso grösser sein muss, je näher der Kompass einem Ende des Schiffes steht, und umso kleiner, je näher er in Bezug
auf vorn und achter mittschiffs steht. — Die Eisenstange ist jetzt aus ihrer achteren Befestigung zu lösen, weiter nach
vorn zu schieben und durch starkes Anklemmen in dem vorderen Halter allein zu befestigen. Meistens muss man sie
dann noch mit der Hand etwas unterstützen.
Betrachten wir den fast ausschliesslich nur vorkommenden Fall, wo der achtere Pol überwiegt, so ist
klar, dass auf N-Kurs der überwiegende Südmagnetismus achter dem Kompass das Südende der Kompass
nadel nach lee abstossen, und daher das Nordende derselben nach luv abgelenkt wird, also ein positiver
Krängungsfekler eintritt. Auf S-Kurs dagegen wird der nun im Achterschiffe induzirte N-Pol das Nordende
*) Wenngleich diese wie die vorhergehende Deduktion nicht streng mathematisch korrekt ist, so dürfte sich dieser Weg
der Veranschaulichung für Vorträge, wie die vorliegenden, dennoch empfehlen, da es wohl nicht gelingen dürfte, bei den
hier ins Auge gefassten Zuhörern ein volles Verständniss für das negative Vorzeichen des Induktions-Koeffizienten e zu erwecken.