Kägi,E.: Einfluß d. Luftdruckes u, d, Windes auf d, Wasserstand an d. estländischen Küste. 545
bereits bemerkt, von allen sechs Stationen nur für Filsand und Reval gegeben
sind, habe ich noch die Windbeobachtungsstation Hungerburg [Narva-Jöesuu]
(siehe Fig. 1) hinzugenommen, von der indes keine Wasserstandswerte vor-
handen sind,
Tab. 11 zeigt Wind und Wasserstand dieser drei Fälle der größten Hoch-
wasser,
Man erkennt, daß im ersten und im dritten Fall alle Stationen vorwiegend
SWliche und im zweiten Fall meistens NWliche Windrichtungen haben.
Im ersten Fall ist auch die Windgeschwindigkeit ein wenig größer als im
zweiten Fall; so registrieren im ersten Fall alle Stationen als größte Geschwin-
digkeit 20 m/sec, zwar nicht gleichzeitig, aber im Laufe der Vor-, Haupt- und
Nachtage. Im zweiten Fall zeigt auch Reval die größte Geschwindigkeit 20 m/sec;
in Filsand ist aber die größte Geschwindigkeit 18 m/sec und in Hungerburg
17 m/sec, Im dritten Fall hat Filsand mit 22 m/sec eine besonders große Wind-
geschwindigkeit, während Reval nur 14 m/sec und Hungerburg 17 m/sec erreicht,
In allen drei Fällen tritt die größte Windgeschwindigkeit zuerst in Filsand,
später in Reval und noch später in Hungerburg ein, wie es angesichts der
geographischen Lage auch zu erwarten ist. Man könnte erwarten, daß bei der
Wasserstandsänderung eine ähnliche Verspätung einträte wie bei der Wind-
geschwindigkeit; aus den vorliegenden Beobachtungen ist dies aber nicht nach-
weisbar, weil die Wasserstandswerte außer für KReval nur einmal täglich
gegeben sind,
Rukatschew und Sovetov*) haben die Verspätung der Wasserstandsände-
rung in Kronstadt im Vergleich zu Hangö untersucht und gefunden, daß der
Hochwasserstand in Kronstadt 4 bis 13 Stunden später eintritt als in dem ungefähr
400 km westlich liegenden Hangö, Wenn wir die Änderungen der Wind-
geschwindigkeit und des Wasserstandes in Reval betrachten, dann sehen wir,
daß der höchste Wasserstand früher eintritt als die größte Wind-
geschwindigkeit,
Die Tatsache der Verspätung der Windgeschwindigkeit ist den Fischern an
ler estländischen Küste schon seit langer Zeit so gut bekannt, daß sie die Steigung
des Wasserstandes als Sturmwarnungszeichen benutzen. Eine eingehende
Untersuchung der Zusammenhänge ist dringend erwünscht! Sie wird
aber erst nach Gewinnung eines umfassenderen Beobachtungsmaterials möglich
sein. Wenn wir nun fragen, weshalb im ersten und dritten Falle nicht auch in
Reval und Loxa maximale Wasserstandswerte auftreten, sondern bei nordwestlichem
Winde (Fall II), so liegt die Ursache offensichtlich in der Beziehung zwischen
der Windrichtung und der geographischen Lage. Südwestlicher Wind hebt das
Niveau des Wassers sowohl an den Küsten der offenen Ostsee in Nähe des
Eingangs zum Finnischen Meerbusen wie vor allem in diesem selbst. Daher
spiegeln die offen gelegenen Stationen, also Filsand, Tahkona, Worms und
Stenskär die durch südwestliche Winde verursachten Wasserstandsschwankungen
ziemlich rein wider, während die Orte Reval und Loxa wegen ihrer Lage in
nach Norden und Nordwesten offenen Buchten vor allem durch Winde nordwest-
licher Richtung maximale Wasserstandserhöhungen erfahren (Fall II}; das sind
mithin durch die geographische Lage bewirkte Abweichungen.
Auf der zweiten hydrologischen Konferenz der Baltischen Staaten hat Pro-
fessor Liakhnitzky in seinem Referat**) darauf aufmerksam gemacht, welche
Tief. und Hochdrucklagen den höchsten Wasserstand im Finnischen Meerbusen
hervorrnfen. Er sagte, wenn das Luftdruckminimum die Ostsee mit ihren Meer-
busen erreicht hat und dann der im Osten liegende Hochdruck gebremst ist,
dann entstehen gewaltige westliche und südwestliche Winde, wodurch das Wasser
im Finnischen Meerbusen, besonders in dessen Östlichem Teil, emporgetrieben wird,
In diesen Untersuchungen wird auch gefunden, wie schon zu Anfang gesagt,
laß bei allen Hochwasserständen Tiefdruck im Norden und Hochdruck im Süden,
*) Survey works in the estuary of tbe Neva imd in the Finnish Gulf br Liakhnitzky US. 5, R.
{. Hyd. Konf. d. Balt. Staaten 1928, — **) Survey works in the estuarr of the Neva and in the
Finnish Gulf by Liakhnitzky. U, S.S RR. 1, Hrdr. Konf, d. Balt. Staat, 21928,