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wohl zeigt sich bei diesen Thermometern, wenn dieselben nicht genügend lange einer und derselben Tem
peratur ausgesetzt sind, so dass die ganze Quecksilbermasse im Gefässe des Thermometers dieselbe anzu
nehmen vermag, hei fallenden Temperaturen eine zu hohe, bei steigenden Temperaturen eine zu niedrige
Angabe. Es müssten demnach — und so geschah es im Anfänge — derartige Thermometer einmal bei
langsam steigender und einmal bei langsam fallender Temperatur verglichen werden, wo dann ein Mittel
aus den beiden gefundenen Korrektionen dem richtigen Werthe sehr nahe entsprechen dürfte, während ihr
Unterschied einen Maassstah für die Schnelligkeit bietet, mit welcher bei dieser Prüfung der Zeitersparniss
halber die Temperatur-Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Seit der Benutzung der Rotations-
Apparate zur Prüfung wurde es möglich, die Temperatur des Wassers in denselben längere Zeit so konstant
zu erhalten, dass die Prüfung allein in steigenden, oder allein in fallenden Temperaturen ein für die Praxis
' als übereinstimmend zu betrachtendes Resultat lieferte. Allerdings erforderte dieses bei dem ersten Apparat
dieser Art noch einen besonderen Grad von Sorgfalt und Uebung.
Es wurde dieser Umstand in der Weise benutzt, dass, wo es immer möglich war, nach einem Satz
Maxima-Thermometer, bei deren Prüfung das Wasser von 36° auf 42° erwärmt wurde, ein Satz gewöhnlicher
ärztlicher Thermometer in den Apparat eingesteckt wurde, indem bei der Prüfung derselben die Temperatur
des Wassers allmählich von 42° auf 36° erniedrigt wurde, so dass nun wieder die für die Prüfung ärztlicher
Maxima-Thermometer brauchbare Anfangs-Temperatur erreicht war.
Die Korrektions-Bestimmung geschah durch direkte Einzel-Vergleichung jedes Thermometers mit dem
Normal, während zwischen jeder derselben mehrere Umdrehungen des Apparats vorgenommen wurden.
Vielfache Versuche hatten nämlich die Unzulässigkeit dargethan, das Normal nur 2 Mal am Anfänge und
am Ende der Prüfung, bei einer jeden Vergleichs-Temperatur abzulesen und zwischen diesen Werthen die
den Vergleichungen der einzelnen Thermometer entsprechenden Angaben des Normals zu interpoliren. Es
zeigte sich nämlich, dass die geringe, 0?2 niemals übersteigende, während des Zeitraums der Vergleichung
von 25 Thermometern eintretende Abkühlung des Wassers keinesweges gleichmässig erfolgte.
Bei allen Ablesungen wurden die Thermometer nicht weiter aus dem Wasser herausgenommen, als es
der jedesmalige Quecksilberstand erforderte.
II. Statistisches über die Thermometer-Prüfungen.
a) Anzahl der in den einzelnen Jahren eingelieferten resp. geprüften Thermometer der verschiedenen
Gattungen und Anzahl der einliefernden Fabrikfirmen, soweit sich über die letzteren Bestimmtes
feststellen lässt.
Es ist in den folgenden Tabellen stets nur auf diejenigen Thermometer gerücksichtigt, die wirklich zur
Untersuchung gelangt und an denen dieselben auch bis zu Ende durchgeführt ist. Ausgeschlossen sind dem
nach alle diejenigen Instrumente, welche auf dem Transporte hierher oder bei der Prüfung selbst zerbrachen.
Nur von jener Tabelle an, wo alle Einlieferer genannt sind, welche in dem hier besprochenen 9jährigen
Zeitraum mehr als 50 Thermometer untersuchen Hessen, sind auch diejenigen Thermometer mit einbezogen,
welche wegen äusserer Mängel (nicht Bruch) nicht geprüft wurden. Es geschah dies, weil das Vorhanden
sein solcher Mängel, von denen an der geeigneten Stelle noch zu sprechen ist, ein gutes Kriterium abgeben
kann für die grössere oder geringere Sorgfalt, welche seitens der Fabrikanten auf die Herstellung der
Thermometer verwendet wird. Die zu Ende des Jahres 1883 eingelieferten, aber erst 1884 geprüften Ther
mometer haben ebenfalls von der Diskussion ausgeschlossen werden müssen.
Die mannigfaltigen Arten von Thermometern, welche in den Handel und in den Gebrauch zu kommen
pflegen, sind in der ersten Tabelle zu 4 Gruppen vereinigt. Bei den Extrem - Thermometern sind die zu
medizinischen Zwecken verwendeten Maximum-Thermometer nicht mit gerechnet, für diese ist eine Rubrik
besonders eingeführt.
Archiv 1882. 4.
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