3
ständiger Kontrolle zu halten. Es zeigt sich dabei, dass diese Punkte schon seit mehreren Jahren nur um
wenige Hundertel-Grade sich gehoben haben, so dass die Thermometer bereits alt genug sind, um ihre
Korrektionen während eines ganzen Jahres als nur mit der Aufbewahrungs-Temperatur veränderlich ansehen
zu können. Bis zum Jahre 1882 sind während des Sommers wie im Winter zur Kontrolle ausserdem die
Normalthermometer mit 2, im Jahre 1857 von J. G. Greiner jun. verfertigten, in ‘/5° Reaumur getheilten
Psychro-Thermometern verglichen worden.
Es ist eine bekannte Thatsaclie, dass das Volumen eines Thermometergefässes abhängig ist von der
Temperatur, in welcher sich dasselbe während der letzten Zeit befunden hat. Es rückt in Folge dieses
Umstandes bei Erhöhung der Temperatur der Nullpunkt immermehr an der Skala abwärts, der Nullpunkt
erleidet eine Depression. Die Grösse dieser Depression ist, wenn das Thermometer unmittelbar vorher so
lange der Siedehitze ausgesetzt war, dass sie ihr Maximum für diese Temperatur erreicht hatte, für jedes
Normalthermometer sorgfältig bestimmt worden. Dieselbe musste bestimmt werden, damit auf die eingangs
definirte Einheit, welche auf dem konstantesten uns bekannten Temperatur-Intervall beruht, zurückgegangen
werden konnte.
Die drei jetzt im Gebrauch befindlichen Normal-Thermometer der Seewarte:
N0. 1. Fuess Patent,
„ 2. Aktiengesellschaft N0. 97,
„ B. Aktiengesellschaft N0. 122,
sind bis zum Dezember 1878 in einer Temperatur zwischen 10 und 20 Zentigraden aufbewahrt, und wurde
alsdann an denselben beobachtet:
Nullpunkts-Korrektion Siedepunkts- Nullpunkts-Korrektion unmittielbar Depression des Null-
in frisch gefallenem Schnee. Korrektion. nach der Siedepunkts-Bestimmung. punkts durch Siedehitze.
N0. 1 —0.12 —0.25 0.00 0JL2
„ 2 —0.40 —0.87 —0.11 0.29
„ 3. —.025 —.044 —0.01 0.24
Seit dem 18. Dezember 1878 sind diese Thermometer wiederum fortwährend in niedrigen Temperaturen
aufbewahrt, nur das Haupt-Vergleichungs-Thermometer No. 1, Fuess Patent, ist bei der Vergleichung von
Thermometern häufig Temperaturen bis zu 45 Zentigraden ausgesetzt worden.
Die hauptsächlichsten Nullpunkts-Bestimmungen seit jener Zeit ergaben die folgenden Korrektionen:
Datum:
Fuess Patent.
Aktiengesellschaft 97.
Aktiengesellsch
0 00 . ■ ..
—0.11 ..
—0 01
23 .. ..
—0.08 ...,
—0 22 ....
0 13
. ... —0 10 ... .
—0.29 ...
0 18
24 ....
—0.10 .. .
—0.32 ....
—0 20
» n * • * *
—0 11 . ...
—0.33
—0 21
25 .. . .
—0.12 ....
—0 35
.... 0 22
—0.12 ....
—0.36
.... 0 22
—0.16 ....
—0.42
—0 27
—0.15 . ...
—0.42 .
0 28
—0 15 .. . .
—0.43 ....
0 29
—0 17 ....
—0.44 . . .
0 31
1882 November 16 . .. .
—0.16 ....
.... _o 31
1883 Dezember 6 ....
—0.17 ....
—0.47
.... —0.34
Gestützt auf die Untersuchungen von Pernet (Vergl. Repertorium für Experimental-Physik von
Dr. Pli. Carl, Jahrgang 1875, pag. 257 u. f.) ist seit dem 1. Januar 1877 seitens der Seewarte allgemein
angenommen, dass die Depression des Nullpunkts proportional dem Quadrat der Temperatur-Grade zunimmt.
Wenn demnach für das Haupt-Vergleichungs-Thermometer No. 1 die Depression des Nullpunkts durch
Siedehitze 0.12 beträgt, so wird sie für die höchste Temperatur, 45°, der SkalaJ, welcher das
Thermometer ausgesetzt wurde, nur 0.45 2 X 0.12 = 0.02 ausmachen, eine Grösse, welche für die Praxis der
Fehlerbestimmung bei den meisten auf der Seewarte zur Prüfung gelangenden Thermometern unberücksichtigt
bleiben darf.