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ist, wenn die Temperatur auf der Vorderseite höher als auf der Rückseite ist, dagegen bei umgekehrter
Temperatur-Vertheilung nach vorwärts. Das erstere dürfte für unsere Depressionen am häufigsten im
Sommer, das letztere am häufigsten im Winter der Fall sein.
Aus den obigen Darlegungen über die Luftdruck-Vertheilung in der Höhe möchte die Erscheinung ihre
Erklärung finden, dass die oberen Wolken, welche die gleiche Zugrichtung mit der Depression haben,
durch ihre massenhafte Entwickelung und grosse Ausdehnung so überaus entschieden in den Vordergrund
treten, während auf der linken Seite der Bahn das Verhalten der Cirruswolken so unregelmässig erscheint,
dass eine auch nur angenähert zutreffende Kennzeichnung derselben bis jetzt noch nicht aufgestellt wurde.
XV. Die Gesammtbewegung der Atmosphäre auf der nördlichen Hemisphäre. Die barometrischen Maxima.
Nach diesen Erörterungen suchen wir jetzt einen Ueberblick über die gesammten atmosphärischen
Bewegungen auf unserer Hemisphäre zu gewinnen. Die Luft, welche unsere Erde umgiebt, wird am
Aequator am stärksten erwärmt; hier heben sich in Folge der nöheren Temperatur sowie des grösseren
Wasserdampf-Gehaltes die Flächen gleichen Luftdruckes und hierdurch entsteht ein polwärts gerichteter
Gradient, welcher mit der Höhe beständig zunehmen muss, und daher muss die Luft nach den Polen hin
abfliessen, während untere Luft aus höheren Breiten dem Aequator, d. h. dem Gebiete mit relativ niederem
Luftdruck zufliesst. Würden die Parallelkreise nach dem Pole hin nicht abnehmen, oder wäre unsere Erde
ein Zylinder, so würde dieser polwärts gerichtete Gradient in der Höhe auch bis zu den Polen reichen
und wir hätten in der Höhe nur eine einzige Bewegung, nämlich die äquatoriale, und in der unteren
Luftschichte nur die polare, Strömungen, die sich beide zu einem Kreisläufe zusammensetzen würden. Da
nun aber unsere Erde eine Kugel ist, so verengt sich das Bett des Aequatorialstromes immer mehr und
ein Theil der oberen Strömung sinkt zwischen 30 bis 40° N. B. herab, es bildet sich ein barometrisches
Maximum, von welchem der Passat in der unteren Schichte nach dem Aequator hinströmt, so dass also
dieser Kreisstrom nur auf die niederen Breiten beschränkt ist.*) Dass aber trotz des Maximums zwischen
30 his 40° N. B. in der That in den höchsten Regionen unserer Hemisphäre nur ein einziger nach Nord
gerichteter Gradient existirt, der wegen der nach Norden hin stetig abnehmenden mittleren Temperatur
der ganzen Luftmasse mit der Höhe rasch zunehmen muss, hat Supan (Statistik der unteren Luft
strömungen, Leipzig 1881) sehr wahrscheinlich gemacht, wie es Hann etwas und Ferrel viel früher
behauptet haben, indem derselbe aus dem Drucke im Meeresniveau und der Temperatur-Abnahme (nach
Glaisher) den wahrscheinlichen mittleren Luftdruck (im Januar) in den verschiedenen Höhen über dem
nordatlantischen Ozean bestimmte, wie uns folgende Tabelle zeigt:
Tabelle XII.
Höhe in Metern
0°
30° N. B.
60° N. B.
80° N. B.
8000
282.2 mm
275.4 mm
251.0 mm
232.2 mm
6000
364.9 „
359.6 „
334.1 „
316.4 „
4000
469.1 „
466.8 „
440.6 „
427.5 .,
2000
599.7 „
601.0 „
575.8 „
571.7 „
0
758 „
766 „
744 „
755 „
Also sowohl das Luftdruck - Maximum bei den Azoren als auch das Minimum im Nordatlantischen
Ozean existiren bei einem mittleren Luftdrucke von 500 mm nicht mehr, sondern vom Aequator an bis
zum Pole nimmt der Luftdruck stetig ab und hierdurch ist in der Höhe eine ostwärts gerichtete allgemeine
Luftströmung bedingt.
Wir haben es also hier mit einer ungeheuren Zyklone zu thun, deren Zentrum in der Höhe in der
Nähe der Pole und deren isobarischen Flächen nach dem Aequator hin stetig sich heben. Die allgemeine
westliche Luftströmung ist das Bett, worin die Minima entstehen und fortschreiten. In den Depressionen
steigt die warme Luft in die Höhe und wird hier von der an Geschwindigkeit stets zunehmenden westlichen
Luftströmung ostwärts fortgerissen, so dass vor der Depression das Barometer fallen muss. Das ist der
Grund, weshalb sowohl in Amerika (wo die Vorderseite das Meer ist), als in Europa (wo die Vorder-
*) Vgl. Oesterr. Meteor. Ztytschr. Seite 33 ff. Hann’s „Einige Bemerkungen zur Lehre von den allgemeinen atmosphärischen
Strömungen.