26
kleinsten (negativen). Diese Verhältnisse haben jedenfalls auch für unsere Gegenden Gültigkeit und da
hier der Gradient meistens nach Nord gerichtet ist, können wir eine verhältnissmässig ziemlich rasche
Abnahme der Temperatur mit der Höhe auch für die kältere Jahreszeit voraussetzen, welche mit der
Annäherung an das Depressions-Zentrum zunimmt.
XIV. Höhe der Wirbelbewegung, Axe des Wirbels, obere Wolken.
Im Allgemeinen werden unsere Karten, welche die mittlere Luftdruck-Vertheilung in der Höhe von
2500m für die einzelnen Zugstrassen darstellen, richtig sein. Sie gehen einen Gesammt-Ausdruck für die
Kombination der Luftdruck- und Temperatur-Vertheilung, welche auf den vorhergehenden Karten durch
zweierlei Kurvensysteme, die Isobaren und Isothermen, dargestellt sind. Wie vorauszusehen war, ist der
Gradient in der Höhe sehr stark entwickelt und es steht derselbe senkrecht zur Fortpflanzungs-Kichtung
der Depression. Indessen ist das Minimum in dieser Höhe nicht so deutlich markirt, wie am Boden, die
Isobaren sind über dem Wirbel der unteren Luftschichten mehr oder weniger offen und ein relativ schwach
ausgeprägtes Minimum des Luftdrucks ist meistens auf der linken Seite der Bahn eben noch zu erkennen.
Würden wir Luftdruck-Karten für noch grösere Höhen konstruiren, so würde für diese das Minimum nicht
mehr erkennbar und über der Depression würden die Isobaren offen sein. Bei mehr oder weniger rasch
fortschreitenden Depressionen, bei welchen Temperatur und Luftdruck in den untersten Schichten in
demselben Sinne vertheilt sind, sind wir zu der Annahme berechtigt, dass die Wirbel-Bewegung sich
nur auf die unteren Luftschichten beschränkt, und die oberen Luft-Strömungen in der Umgebung
des Minimums nahezu dieselbe Bichtung haben, so zwar, dass diese einem grossen mit der Depression
fortschreitenden Ringe angehören, über welchem die in dem Depressions-Gebiete aufgestiegenen Luftmassen
sich niedersenken. Für diese Ansicht sprechen auch die Bewegungen der Cirruswolken, deren Zugrichtung
über der Depression mit der Fortpflanzung derselben im grossen Ganzen zusammenfällt, und die in den
Luftdruck-Aenderungen ausgesprochene Erscheinung, dass die negativen Aenderungen durch einen meist
umfangreichen, unregelmässig ausgebildeten Ring von den positiven geschieden sind, welcher jedoch auf der
Rückseite der Depression ganz nahe anzuliegen pflegt.
Loomis fand (vgl. Contribution to Meteorology, XI. Paper, Juli 1879), dass in der Mehrzahl der Fälle,
in welchen eine Area niedrigen Luftdrucks vom gewöhnlichen System zirculirender Winde an der Erd
oberflüche begleitet war, sich dieses System nicht bis zur Höhe von 1800 m erstreckte, nur bei sehr umfang
reichen Depressionen erreichte dasselbe die grössten Höhen. Hieraus folgt der sehr bemerkenswerthe
Schluss, dass bei einem Wirbel von nur mässigem Umfange der horizentale Durchmesser die Höhe um
viele hundert mal übertrifft.
Ferner bemerkt CI. Ley (The Relation between the Upper and Under Currents of the Atmosphere
around Areas of barometric Depression. Quarterl. Journ. of the Met. Soc., Oktober 1877), dass in unseren
Breiten sicherlich eine engere Beziehung zwischen der vertikalen und horizontalen Ausdehnung der
Depressionen besteht.' Derselbe hat gefunden, „dass im Winter sehr lokale Depressionen, selbst tiefe, kaum
die Richtung der Cirruswolken in ihrer Nähe beeinflussen, indem diese Richtung fortfährt, von der allge
meinen Luftdruck-Vertheilung abhängig zu sein. Sonderbar genug kommt dieses im Sommer nicht vor.
Andererseits beherrschen sehr umfangreiche Depressionen mit sehr geringen Gradienten zu allen Zeiten des
Jahres die Richtung der oberen Luftströmung in der Nachbarschaft.“
Von grosser theoretischer Bedeutung für die Bewegung der Atmosphäre ist die Lage der Axe*) des
Wirbels oder der Verbindungslinie des Depressions-Zentrums an der Erdoberfläche mit jenem in der Höhe.
Aus unseren Luftdruck-Karten für die Höhe von 2500 m geht mit Entschiedenheit hervor, dass das Zentrum
oben nach der linken Seite der Bahn verschoben ist, wie es die Luftdruck- und Temperatur-Vertheilung
auch verlangt. Nicht so sicher lässt sich aus denselben bestimmen, ob dasselbe nach der Vorder- oder
Rückseite verlagert ist. Aus Beobachtungen der Cirruswolken über dem Depressions-Zentrum fand CI. Ley
die Lage der Axe für die britischen Inseln in der Höhe rückwärts geneigt, dagegen leitete Hildebrandsson
ebenfalls aus Cirrus-Beobachtungen für Schweden das umgekehrte Verhalten der Axe ab. Es scheint sicher
zu sein, dass die Lage der Axe lediglich durch die Temperatur-Verhältnisse der gesummten Luftmassen
auf der Vorder- und Rückseite der Depression bedingt wird, so dass dieselbe oben nach rückwärts gerichtet
Bezüglich des Ausdruckes „Axe“ vergleiche übrigens „Meteorologische Zeitschrift“ 1884, Seite 168.