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Full text: Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 4 (1881)

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die halben Grade als ganze Grade bezeichnet werden und umgebt damit die Mühe der Multiplikation einer 
jeden Ablesung mit 2. Man könnte daher, wenn sich nicht andere Schwierigkeiten technischer Natur in 
den Weg stellten, bei einem Reflektions-Instrumente mit Hülfe eines getheilten Bogenstücks von 180° alle 
Winkel bis zu 360° messen — Spiegelkreis und Prismenkreis —, mit Hülfe eines getheilten Bogenstücks 
von 60° — Sechstelkreis oder Sextant •— alle Winkel bis zu 120°, und mit Hülfe eines getheilten Bogen 
stücks von 45° — Achtelkreis oder Oktant — alle Winkel bis zu 90°. Man hat auch Reflektions-Instru 
mente konstruirt, die auf einem Bogen von 72’/2° eine Theilung bis zu 145° haben (Quintanten), und 
verfertigt und verwendet auch heute noch vielfach Reflektions-Instrumente mit einer Theilung bis zu 105° 
(Septanten), welch’ letztere jedoch von den Mechanikern fast durchweg Halb-Sextanten genannt werden. 
Als Erfinder dieser Art von Instrumenten wird gewöhnlich der Optiker und Mechaniker John Hadley 
genannt, welcher im Jahre 1781 der Royal Astronomical Society in London die erste Beschreibung eines 
Oktanten, begleitet von einem Holzmodelle, vorlegte. Unter Hadley’s hinterlassenen Papieren fand sich 
jedoch eine Handschrift Newton’s vor, nach welcher unzweifelhaft Hadley die erste Anregung zur Her 
stellung von Reflektions-Instrumenten durch Newton erhalten hat. 
Die ersten Oktanten und Sextanten waren indess nach unseren Begriffen noch recht unvollkommene 
Instrumente, bei denen nicht zu vermeidende Fehler von 5' nichts Ungewöhnliches waren. Erst nach Er 
findung der Theilmaschine durch Ramsden*) 1763, vervollkommnet 1773 —, konnten genauere Instrumente 
dieser Art konstruirt werden, die später, und nicht zum geringen Theile von deutscher Seite, vervollkomnet 
wurden. 
Die Reflektions-Instrumente, welche auf dem Lande, auf einem Stativ befestigt, oder aus freier Hand 
gehalten, zur Winkelmessung unter den verschiedensten Verhältnissen Verwendung finden können, dienen 
auf See, nur aus freier Hand gehalten, zur Messung der Höhenwinkel der Gestirne, der Winkelabstände 
der Gestirne von einander, und in der Nähe des Landes auch zur Messung von Winkeln zwischen terrestri 
schen Gegenständen in verschiedenen Ebenen (Abstandsbestimmungen, Pothenoth’sche Aufgabe u. s. w.). Die 
Höhen der Gestirne auf See werden im Allgemeinen auf die Kimm bezogen, deren Lage gegen den schein 
baren Horizont durch die Augeshöhe des Beobachters gegeben ist. Auf dem Lande bedient man sich des 
künstlichen Horizonts, dessen Aufstellung zur See, wegen des Schwankens des Schiffes unmöglich wird. Da 
indess auf See häufig Witterungsverhältnisse Vorkommen, unter denen wohl Gestirne, nicht aber die Kimm 
erblickt werden kann, während andererseits am Lande der stete Transport eines künstlichen Horizonts 
neben dem Reflektions-Instrumente eine beschwerliche Sache ist, so versuchte man schon bald nach der 
allgemeinen Einführung jener Instrumente überhaupt, und namentlich des Sextanten, diesem eine solche 
Einrichtung zu geben, dass man damit auch ohne Benutzung der Kimm oder eines künstlichen Horizonts 
Höhenwinkel messen kann. Man versuchte dabei die horizontale Absehlinie — den scheinbaren Horizont 
— entweder durch ein Pendel oder durch eine Libelle zu fixiren. Die zahlreichen Versuche dieser Art 
von Deutscher, Englischer, Amerikanischer und Französischer Seite, deren ersten Brander zu Augsburg 
im Anfänge dieses Jahrhunderts anstellte, übergehend, nennen wir als die neuesten und anscheinend ge 
lungensten Versuche dieser Art die von Kapitän H. Voss und Ingenieur J. F. Reitz, beide in Hamburg, 
von denen ersterer ein Pendel, letzterer eine Libelle zur Anwendung gebracht hat. (Das Nähere darüber 
siehe die bezüglichen Patentschriften). 
Der Sextant, das bei weitem am häufigsten zur Verwendung gelangende Reflektions-Instrument, auf 
dessen Beschreibung wir uns im Nachfolgenden daher auch lediglich beschränken wollen, besteht dem 
Wesentlichen nach aus folgenden Haupttheilen: (Figur 1.) Dem getheilten Kreisbogen AB, den beiden 
Spiegeln aa' und bb', der Alhidade mm mit einer Nonius-Vorrichtung zur genauen Ablesung des Theil- 
kreises, den gefärbten Verdunklungs- und Rückschatten-Gläsern g und O, dem Fernrohrträger T und dem 
Fernrohre F. 
Die Theorie der Winkelmessung mit einem solchen Sextanten ist nun die folgende: 
Die beiden Planspiegel aa' und bb' sollen senkrecht zur Ebene des Gradbogens AB stehen. Der 
kleinere dieser beiden, bb', ist fest mit dem Instrumente und dem Gradbogen AB verbunden, während 
*) Ramsden erhielt für diese Erfindung einen Theil, 300 £, der auf Newton’s Antrieb für die beste Lösung der Auf 
gabe der Zeitbestimmung zur See ausgesetzten Prämie von £30000, auch erhielt er für seine Theilmaschine selbst 
315 £ unter der Bedingung ausgezahlt, dass er jeden in England verfertigten Sextanten für 3 sh, jeden Oktanten lür 
2 sh damit theilen müsse.
	        
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